Aachen: Vorkaufsrecht für Wertz-Gelände: Politik will Mitspracherecht

Aachen : Vorkaufsrecht für Wertz-Gelände: Politik will Mitspracherecht

Jahrelang oder sogar Jahrzehnte stritt sich die Erbengemeinschaft des ehemaligen Wertz-Geländes am Hohenzollernplatz über den Verkauf des Geländes. Das riesige Grundstück mit einem Weltkriegsbunker darauf und einer Zwischennutzung als Stellgrund für den Gebrauchtwagenhandel ging dann schließlich doch weg.

Pläne zur Bebauung gab es gleichfalls zuhauf. Ein Hotel sollte dorthin, ein Discounter wollte eine Filiale und Wohnungen bauen, doch alles zerschlug sich im Laufe der Zeit. Zu guter Letzt fiel Mitte des Jahres 2013 der Zuschlag an ein Mitglied der berühmten österreichischen Artistenfamilie Trapp, das Familienmitglied Max Trapp erwarb das Gelände und legte ein Projekt vor, mit dem dort an der Ecke Joseph-von-Görres- und Stolberger Straße ein Wohnblock mit 170 Wohneinheiten und einem Anteil von 25 Prozent sozialem Wohnungsbau entstehen sollte. Einzelhandel war ebenfalls vorgesehen.

Doch wieder war Schluss mit der Bauwut der Investoren, die Trapps strichen die Segel, so dass 2016 ein bekanntes Aachener Gesicht in die Bresche sprang: es ist der Investor Gerd Sauren.

Bauantrag vorgelegt

Seit zwei Jahren nun ist Sauren am Ball und hat einen entscheidungsreifen Bauantrag vorgelegt, basierend auf den alten Plänen. Doch die Kommunalpolitik ist es anscheinend leid, sich gezwungenermaßen immer wieder auf neue Projekte und möglicherweise neue Investoren einstellen zu müssen. Denn auch Investoren wie Sauren entwickeln die Grundstücke üblicherweise bis zur Bebauungsreife und veräußern sie dann an Projektentwickler weiter.

Um diesem „Kreislauf der Geldgewinnung durch bloßes Zusehen“, so der Grüne Michael Rau, ein Ende zu setzen, hatte die Verwaltung dem Planungsausschuss die Ausübung eines „besonderen gemeindlichen Vorkaufsrechtes“ vorgeschlagen. Sollte das Gelände wieder veräußert werden, stünde der Stadt ein Mitspracherecht in Form eines Vorkaufsrechts zu Verfügung.

Auch der planungspolitische Sprecher der SPD, Norbert Plum, monierte die Aachener Abhängigkeit von Privatinvestoren, der Linken-Vertreter Marc Beus, wie der Grüne Michael Rau selber Architekt, rügte ausdrücklich das „Gelddrucken durch Nichtstun“, indem man angesichts der horrend steigenden Bodenpreise Grundstücks-Monopoli spiele. Baudezernent Werner Wingenfeld bestätigte allerdings dem Ausschuss, dass man mit dem Projekt momentan „im Endspurt“ sei, was immer das heißen mag.

Investor Gerd Sauren bestätigte auf Anfrage der „Nachrichten“, dass man in der Tat in guten Gesprächen mit der Verwaltung sei und das Projekt bereits in den kommenden Tagen dem Architektenbeirat der Stadt, der jüngst in „Gestaltungsbeirat“ umbenannt wurde, vorlegen wolle.

Der Ausschuss selbst zeigte sich nicht sehr zufrieden mit den Grunddaten der Planung. Zu viel und zu dicht wolle der Investor Bauten auf das Grundstück packen. Die Satzung für ein Vorkaufsrecht der Stadt wurde im Planungsausschuss einstimmig beschlossen.

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