Aachen: Vorhang auf für Tausendsassa Philipp Manuel Rothkopf

Aachen: Vorhang auf für Tausendsassa Philipp Manuel Rothkopf

Bei Philipp Manuel Rothkopf stellt sich eigentlich nicht die Frage, was er alles kann. Man fragt sich eher, was der 31-jährige Schauspieler aus einem Münchner Vorort und spätere Wahlberliner eigentlich nicht beherrscht.

Im Moment gibt er nicht nur dem edlen Räuber „Robin Hood” starkes Profil und kräftige Kontur, sondern entzückt auch als Coca-Cola-Manager MacNamara, dem typischen „Ami”, in der spritzigen Ost-West-Komödie „Eins, Zwei, Drei”.

Kritik kann der bayerische Berliner gut einstecken, auch was Robin, den „Rächer der Enterbten” angeht: „Erwachsene finden das Stück vielleicht zu laut und grell. Aber den Kids gefällt es in Sherwood Forest. Die steigen voll ein und gehen mit der Handlung total mit!”

Selbst in kleinen Rollen - so auch als Filch in der „Dreigroschenoper” - kann das Bühnenchamäleon am Theater Aachen überzeugen und begeistern. Den Beruf hat Rothkopf von der Pike auf gelernt.

Nach seinem Studium an der renommierten Berliner Hochschule Ernst Busch gründete er mit einigen Freunden am Prenzlauer Berg das private Theater „Eigenreich”, wo natürlich praktisch alles in Eigenarbeit entstand. Hatte er in seinem Geburtsort Alt-Aubing, einem „Vordorf von München”, noch gelernt, „Kühe zu melken und Tauben zu schießen”, galt es in Berlin, zu mauern und zu hämmern, Rohre zu verlegen, Bier zu zapfen und Verwaltungsarbeit zu leisten.

Die gute Laune konnte das dem bayerischen Berliner nicht verhageln, zumal er dort auch für ein Stück wie Sarah Kanes „Psychosis 4.48” zuständig war, und zwar gleichzeitig für Regie, Text, Ton und Beleuchtung. Ein Tausendsassa also, der überdies auch Musiker ist, sogar mit Band-Erfahrung?

Rothkopf findet sich selbst „ziemlich normal” und grinst dabei ziemlich unverschämt. Der Mann mit den blauen Augen und den vielen Gesichtern, die auch via Film und Fernsehen zu sehen sind, war sich nie zu schade, in „klammen” Zeiten Eis zu verkaufen oder für Zeitungen zu werben.

„Heimatgefühle”

Zum Ausgleich durfte Rothkopf sich über Auftritte in Wien, am Deutschen Theater in Berlin oder am Greenwich Theatre in London freuen. In Aachen fühlt er sich gut aufgehoben, zumal er hier Berliner Kollegen wie Katharina Merschel, Sebastian Stert und Oleg Zhukov im Ensemble angetroffen hat. Und im Öcher Bösch kriegt er regelrechte „Heimatgefühle”.

Der Schauspielberuf hält ihn fit, sein Soloabend mit eigener Musik und eigenen Texten kam glänzend an, und Kabarett möchte er auch gerne machen, natürlich mit Selbstverfertigtem.

Zwischen Clown, Hamlet und Mephisto kann er sich jede Rolle vorstellen, „gerne mit Rock´n´ Roll”, schmunzelt der lebensfrohe Mime. In Aachen lebt er „frei, wild und (noch) unbeweibt”, doch Familie möchte er später gerne haben. Also doch Tausendsassa und überdies ein Fall von „Glückshaut”? Als kleines Kind wurde er blitzschnell von seinem Vater, einem gebürtigen Duisburger, vor dem Überfahrenwerden auf der Straße vorm Elternhaus gerettet. Und er hat den „Urwald in Laos” überlebt, ebenso wie die Berliner Hänseleien wegen seines bayerischen Akzents.

Der Akzent ist längst weg, dank seiner von ihm hoch verehrten Sprecherzieherin in Berlin. Immer noch da ist ein sympathischer Schauspieler, der Leben und Kunst kraftvoll zusammenführt.

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