Internationales Jugendprojekt: Von Wind und Wellen

Internationales Jugendprojekt : Von Wind und Wellen

„Veter i volny“ – das ist russisch und heißt übersetzt „Wind und Wellen“. Mehrmals im Jahr schippert ein Schiff unter diesem Motto durch die Ostsee oder andere Weltmeere. An Bord: Russische sowie deutsche Jugendliche.

Seit 2014 existiert das multinationale Projekt, das die länderübergreifende Freundschaft zwischen Russland und Deutschland fördern soll. Insgesamt 1000 Jugendliche und junge Erwachsene waren schon mit an Bord der sogenannten „Brigg Roald Amundsen“, darunter auch einige Aachener.

„Einmal war es so stürmisch, dass alle seekrank wurden“, erinnert sich Jonathan Olowinsky und grinst über beide Ohren. Gemeinsam mit seiner Schwester Friederike sowie über 30 anderen Jugendlichen segelte der Aachener im vergangenen Jahr von Riga bis St. Petersburg. Die Übelkeit tat ihrer Freude keinen Abbruch – sie wollen wieder mitfahren.

Jetzt wurden die beiden wie auch viele russische und deutsche Organisatoren im Aachener Rathaus von Oberbürgermeister Marcel Philipp begrüßt. „Ich komm nächstes Mal mit“, scherzet Philipp, der die Projektidee in höchsten Tönen lobt. Dreimal stach das Schiff dieses Jahr in See. Kein günstiger Spaß: Rund 200 000 Euro kostet das Projekt jährlich. Und das, obwohl die Fahrt auf rein ehrenamtlicher Arbeit beruht. Die Teilnehmer selbst bezahlen nur einen winzigen Anteil, für das restliche Geld werden stetig Sponsoren gesucht. Mit dem Deutsch-Russischen Begegnungszentrum und der Jugendorganisation Interra sowie „MitOst Hamburg“ und der „Brigg Roald Amundsen“ sind jeweils zwei Projektpartner aus Russland wie Deutschland dabei.

„Es soll eine völkerverbindende Reise sein“, erklärt Mitinitiator Ulrich Komorowski. Die Teilnehmenden lernen nicht nur neue Freunde, sondern auch die Vollzeitarbeit auf einem Segelschiff kennen. Kochen und putzen gehören genauso zum Bordalltag wie in den Masten an einem Strang zu ziehen. „Wer faul ist, fällt sofort auf“, meint Komorowski, der auch einer der Kapitäne des Schiffs ist. Zehn bis zwölf Tage dauert eine Reise.

Die russische Sprache muss ein deutscher Teilnehmer übrigens nicht beherrschen – die Verständigung untereinander funktioniere auf andere Weise oder mithilfe der mitreisenden Dolmetscher. Komorowski betont: „Viel wichtiger sind soziale Kompetenzen und der Wille mitzufahren.“ Wer darüber verfügt, hat bei der Bewerbung gute Chancen.

Anfang Januar schippert die „Brigg Roald Amundsen“ samt deutscher und russischer Jugendlicher wieder los, erstmals aber nicht in die Ostsee. „Nach Teneriffa geht es“, kündigt Komorowski an. Grund sei die große Resonanz, die eine Fahrt auch im Winter ermöglicht. Die Ostsee sei zu dieser Zeit jedoch zu eisig.

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