Die Leichtigkeit des schweren Themas Depression: Von wegen „Stell’ Dich doch nicht so an“

Die Leichtigkeit des schweren Themas Depression : Von wegen „Stell’ Dich doch nicht so an“

Es ist nicht einfach, über Depressionen zu sprechen: Die Krankheit ist immer noch tabuisiert, Betroffene wollen nicht darüber reden, haben Angst vor Stigmatisierung und hören unsensible Aussagen wie „Stell‘ dich doch nicht so an“, Angehörige wissen nicht, wie sie mit den Betroffenen umgehen sollen. Um so wichtiger ist es, die Krankheit zu enttabuisieren und immer wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen; auch in Kunst und Kultur.

Genau dies macht DuncanMacMillian in seinem 2015 verfassten Theaterstück „All das Schöne“ (Every brilliant thing) Regisseurin Lilli-Hannah Hoepner bringt das Stück gemeinsam mit Dramaturgin Gesa Lolling und Schauspieler Alexander Wanat im Mörgens auf die Bühne.

Der „Monolog mit Schauspieler und Publikum“, wie es Ute Schelhaas, Pressesprecherin des Theaters Aachen, feiert am Donnerstag, 14. März, um 20 Uhr im Mörgens Premiere. Das Stück behandelt das Thema Depression mit einer gewissen Leichtigkeit und trägt sicherlich Züge einer Komödie, es mangelt ihm aber nicht, wie vielen anderen Vertretern dieser Gattung, am nötigen Ernst.

Ganz im Gegenteil: Das Stück nimmt die Thematik überaus ernst und gibt dem Publikum die Möglichkeit, selbst Teil des Werks zu werden. „All das Schöne“ ist daher ein offenes Stück, eines, das sich nicht in Genre-Schubladen stecken lässt und sich von Aufführung zu Aufführung wandeln kann.

Erzählt wird die Geschichte eines Mittdreißigers (Alexander Wanat), der mit sieben Jahren eine Suizidversuch seiner Mutter miterlebt. Von diesem Zeitpunkt an beginnt er, die schönen Dinge des Lebens auf einer Liste zu notieren und führt diese in den kommenden Jahren immer weiter fort: Zu Eiscreme, Wasserschlachten und lange aufbleiben kommen „sich nach einem Streit wieder vertragen“ und „so heftig lachen, dass dir die Milch aus der Nase schießt.“

Das Publikum begleitet den jungen Mann durch sein Leben: vom Kind, über die erste Liebe, hinein ins Studium. Spannend für die Beteiligten wird vor allem eines werden: wie das Publikum reagiert. Denn dieses ist elementarer Bestandteil des Stücks. Das Publikum liest die Liste vor, wird als Darsteller eingebunden und erfährt das Stück und die Thematik somit am eigenen Leibe. Sorgen, dass das Publikum sich nicht einbinden lässt, haben die Verantwortlichen nicht: Die Kostümprobe war bereits ein voller Erfolg. „Es ist eine totale Befriedigung, das endlich mit Publikum spielen zu können“, so Wanat. Hoepner ergänzt, dass sich Darsteller und Publikum während des Stückes immer mehr zu einer Gruppe zusammengefunden hätten.

So wird „All das Schöne“ nicht nur ein von einem Darsteller geführten Monolog, sondern vielleicht sogar ein Dialog, der nicht nur zwischen Darsteller und Publikum geführt wird, sondern den jeder Zuschauer mit sich selbst führen kann.

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