1. Lokales
  2. Aachen

Archäologische Funde: Von Spanferkeln und Karl V.

Archäologische Funde : Von Spanferkeln und Karl V.

Überraschend sind die Funde an der Hartmannstraße grundsätzlich nicht. Wenn man in der Aachener Innenstadt gräbt, taucht man schnell ins Mittelalter ab. Oder sogar in die Antike. Dass aber beide Epochen in ihrem Übergang so nahe beieinander dokumentiert werden können, ist selten.

Und so tituliert Aachens Stadtarchäologe Andreas Schaub die jüngste Dokumentationsstelle an der Hartmannstraße mit „klein aber fein“. Der Stadtarchäologe wird ungefragt zum Poller-Fan. Meist wenn in Aachen versenkbare Poller installiert werden, kann sich Schaub die Hände reiben, denn nach kurzer Zeit kann er Funde sammeln, reinigen, dokumentieren und archivieren. Was noch wichtiger ist: Er kann sie in die geschichtliche Darstellung der Stadt einfließen lassen. Aktuell sind es sechs bis sieben Meter, über die die Hartmannstraße kurz vor ihrer Einmündung in die Ursulinerstraße geöffnet ist. Wegen der Pollerarbeiten sind auch Kanalarbeiten notwendig, bei denen exemplarisch der Übergang aus der Römerzeit ins Mittelalter fest- und dargestellt werden kann. Auch wenn die Grabungsstelle räumlich überschaubar ist, bezeichnet Schaub sie als von „unschätzbarem Wert“.

Bislang gab es an der Stelle keine tiefer gehenden Grabungen, weshalb das Stück in der Terminologie der Archäologie als „ungestörter Bereich“ klassifiziert wird. Knapp einen Meter unter dem heutigen Straßenniveau finden sich typische römische Handquader, die für Hausbauten genutzt wurden. Die römischen Fundamente dienten den späteren mittelalterlichen Bauten, und diese wieder frühneuzeitlichen als Basis. Eine (bau-)geschichtliche Kontinuität, die laut Schaub auch beweist, dass es in Aachen zu einer Zeit urbanes Leben gab, für die man bisher eher eine römische Ruinenlandschaft vermutete – über die dann Karl der Große einritt.

Auch dank der vielen ehrenamtlichen Helfer aus dem „Archäologischen Arbeitskreis Aachen“ ist es gelungen, zahlreiche meist kleinere Funde zu sichern, die Aufschluss über Lebensgewohnheiten und zeitliche Phasen geben. Fast wie eine Kapriole der Geschichte mutet der Fund einer Kupfermünze an, die vermutlich Karl V. zeigt. Dies wäre nicht nur ein Hinweis auf das 16. Jahrhundert, sondern auch ein bemerkenswerter Zufall mit Blick auf die am 23. Oktober startende Ausstellung zu Albrecht Dürer und Karl V..

Ein Detailfund: Diese Kupfermünze wurde auch gefunden, sie weist auf Karl V. im 16. Jahrhundert hin. Foto: Andreas Herrmann

Dunkle Brocken mit rostigen Einschlüssen weisen darauf hin, dass vor Ort tatsächlich Eisen für Bauaktivitäten produziert und verarbeitet wurde. Knochenfunde mit feinen Verzierungen lassen darauf schließen, dass Kämme auf der Straße gelandet sind, gröbere Gebeine legen hingegen den Verzehr von Spanferkeln nahe. „So schlecht scheint es den Menschen also nicht gegangen zu sein“, bemerkte Andreas Schaub am Montagvormittag lächelnd.

Der Abtrag der antiken Bausubstanz erfolgte vermutlich im 12. Jahrhundert, die römischen Fundamente wurden demnach bis zu dieser Zeit genutzt. Bis Mitte/Ende dieser Woche ist das Fenster in die bodengeschichtliche Vergangenheit geöffnet. Dann werden die Fundstücke gereinigt, sortiert, katalogisiert und ins Depot des Landschaftsverbands nach Meckenheim gebracht. Zugriff – beispielsweise für Ausstellungen – hat die Stadt Aachen dann immer noch.

Die erste Hartmannstraße mit mittelalterlichem Namen Harduinstraße ist im 12. Jahrhundert schriftlich nachweisbar, ihre Vorgänger sind dies jetzt auch in der Römerzeit. Wenn also demnächst die neuen Poller zur Regelung des Lieferverkehrs für die Ursulinerstraße im Boden versenkt werden, gehen sie durchaus auf eine kleinere Reise in die Aachener Stadtgeschichte.