Aachen: Von Lebenslust, Krankheit und reifer Liebe

Aachen: Von Lebenslust, Krankheit und reifer Liebe

„Herzlich willkommen zur Mörgens-Revue” wurden die Gäste von Andrea Weyer in schicker Paillettenjacke begrüßt. Flott und unterhaltsam gestaltete sich die Szenencollage „Glücklich zu sein erfordert eine gewisse Begabung” des Ü55-Theaterclubs, die am Donnerstagabend Premiere feierte.

Auf der Bühne standen 15 ältere Menschen in Spiellaune, die zuvor 20 Wochen lang an dem Stück gearbeitet hatten. Natürlich unter kundiger Leitung: Für Regie, Konzept und spannende Proben sorgte Regisseur Sebastian Jacobs, dramaturgisch begleitet von Harald Wolff.

Zwischen 56 und 83 Jahre alt ist das muntere Ensemble, das hier - aus eigenem Erleben und vorhandener Lebenserfahrung - interessante Facetten zum Thema Glück und Liebe im Alter vorstellte. Mit Rosen und kraftvollem Gesang wagte sich etwa ein lebensvoller Herrmann in die Mitte des Raumes, ein Charmeur um die 80, der nicht nur die Damenwelt im Publikum begeisterte. Musik und Rhythmus spielen bei älteren Jahrgängen nach wie vor eine wichtige Rolle, was man auch bei einer hübsch ironischen Tanztee-Szene feststellen konnte. Gelernt ist halt gelernt!

Ein hübscher roter Faden

Kess wurden berühmte Liebespaare der Weltgeschichte vorgestellt: Monroe und Miller, Laura und Petrarca und scherzhaft sogar „Dick und Doof”. Nicht zu vergessen Julia und ihr Romeo, die ja ein Opfer der verfeindeten Verwandtschaft wurden. Ein Thema, das hier einen hübschen roten Faden abgibt. Denn wie seinem erwachsenen Kind mitteilen, dass man vielleicht mit dessen Partnerwahl nicht einverstanden ist? Oder den erwachsenen Söhnen oder Töchtern mitteilen, dass es da neuerdings jemanden gibt, mit dem man eine Partnerschaft haben möchte?

Ängste und Vorbehalte

Die Männer der Truppe, mit nur vier Herren fast schon „unter Naturschutz”, gaben sich launig und witzig, offenbarten aber längst nicht so viel wie die weibliche Übermacht. Wunderbar auch die zierliche Finni Kühnast, die aus der Ü55-Truppe gar nicht mehr wegzudenken ist und die alle Ängste und Vorbehalte ihrer Geschlechtsgenossinnen so schön relativieren kann. Zum Thema Liebe und Sex etwa: „Alte Scheunen brennen am besten!” Und zum Punkt Schwiegertochter: „Nie eine böse Schwiegermutter werden!”

Ein „glänzender” Kleiderfundus setzte immer wieder andere Akzente. Dass Temperament, Spielfreude und Lebenslust nicht auf die Jugend beschränkt ist, machte der „Altenclub” mit fetziger Musik, kessen Sprüchen und manchen Einblicken in jung gebliebene Herzen deutlich. Eine heitere Szene mit einer Frau und einem Mann, die auf einer Reise nach Brügge zusammenfinden, zeigt romantisch-ironisch, dass „Offenheit und Zupacken” ein gutes Rezept für neue Erfahrungen sind.

Dass die Frauen genauso kritisch in der Beurteilung von eventuell infrage kommenden Partnern sind wie die Herren bei den Damen - das ist schon ein uriger Sketch! Gut kommt auch die köstliche Love Story aus „Oche” an, die nach vielen Jahren ganz happy endet?

Tja, selbst Romeo und Julia - wenn sie denn überlebt hätten - hätten wohl irgendwann die rosarote Brille abgesetzt und sich der Realität aussetzen müssen. „Alter ist nix für Feiglinge” und „Verliebt sein hat doch nix mit dem Alter zu tun” - das sind schöne Kernsätze, die mit passenden Songs aufgepeppt werden. Sehr gelungen: Schicksalsschläge, Krankheit und Tod finden hier auch Platz, so wie in Finni Kühnasts Bericht über die schwere Krankheit ihres Mannes. Worte, die nicht hoffnungslos wirken, sondern eher schwerelos von „zwei geschenkten Jahren” sprechen. Vom begeisterten Publikum - zwischen 20 und 80 Jahre alt - gab es viel Beifall.

Die weiteren Termine und der Kartenvorverkauf

Weitere Aufführungenvon „Glücklich zu sein?” sind am Sonntag, 22. April, Donnerstag, 26. April, und am Sonntag, 29. April, im Aachener Mörgens, Mörgensstraße 34. Beginn ist jeweils 20 Uhr, Dauer 55 Minuten. Eintritt 6 Euro. Karten gibt es unter Tel. 0241/4784244 oder im Internet auf der Seite des Theaters.