Aachen: Von der Normandie ins Bezirksamt Kornelimünster

Aachen: Von der Normandie ins Bezirksamt Kornelimünster

Ein frappierender Unterschied zwischen Franzosen und Deutschen ist Louis Doucet aus Caen in der Normandie sofort ins Auge gesprungen: „Die Deutschen warten brav an jeder roten Ampel. Das würde ein Franzose nie machen.” Der 18-Jährige ist noch für den Rest der Woche in Kornelimünster. Dort ist der Politikstudent als Praktikant im Bezirksamt eingesetzt.

Wenn er am Sonntag seine Heimreise antritt, hat er sechs Wochen lang das kleine Einmaleins der deutschen kommunalen Selbstverwaltung gelernt.

„Der Louis kommt bei uns sehr gut an, er kann viel, ist hellwach und auch noch der Liebling aller Frauen im Bezirksamt”, stellt ihm Bezirksamtsleiterin Rita Claßen ein sehr gutes Zeugnis aus. Die Praktikantenstelle hat Louis Doucet über die Vermittlung eines Bekannten der Großeltern bekommen, der in Montebourg, der Partnergemeinde Walheims, Mitglied des Partnerschaftskomitees ist.

Der wandte sich an Gerd Schnuch, der die gleiche Funktion im Walheimer Partnerschaftskomitee bekleidet, und schon war die Sache geritzt. „Oma und Opa wohnen übrigens in Montebourg”, wirft Louis erklärend ein. Nur sein Wunsch, in der Aachener Stadtverwaltung unterzukommen, konnte nicht mehr erfüllt werden. Dafür war er zu spät dran, erst im April hatte er sich entschieden, eine Praktikumsstelle anzutreten.

„Es ist für ihn schade, dass er keine politische Sitzung der Bezirksvertretung erlebt hat. Die Politik macht ja im Augenblick Urlaub”, bedauert Rita Claßen. Dafür aber hat der junge Mann aus der Normandie jede Menge Verwaltung - er hat im Einwohnermeldeamt und bei der Wohngeldstelle mitgearbeitet und den großen Bezirk kennengelernt.

„Zu Fuß”, stellt er stolz fest. Mit den Männern vom City-Service war er im Stadtbezirks unterwegs. Dabei erstaunten ihn die Lichtenbuscher Verhältnisse besonders. „Die Herren vom City-Service zeigten mit den Bürgersteig und sagten ,das ist Deutschland, dann zeigten sie auf die Straße und sagten ,das ist Belgien. Da habe ich erst mal mit dem Kopf schütteln müssen”, ist er immer noch überrascht über die Deutsch-Belgische Grenze. Ihn freuts aber, dass der kleine Grenzverkehr „so hervorragend klappt”.

Louis Doucet hat auch Freizeit. Am vergangenen Donnerstagabend war er mit Rita und Willi Claßen beim Gästetag des Öcher Bend. Erstaunlich war für ihn, dass Politiker und Journalisten sich in aller Öffentlichkeit auf Karussells wagen.

„Das würde in Frankreich nicht passieren.” Diese deutsche Offenheit findet er gut. Gut fand er auch die Aachener Disko Starfish: „So große Diskotheken kenne ich nicht in Frankreich”, sagt er.

Vom Besuch im Bonner Haus der Geschichte ist der junge Mann - der abwechselnd je ein Semester im nordfranzösischen Lilli und im westfälischen Münster studiert - geradezu begeistert. „Da reicht ein Tag nicht aus. Viele Informationen werden da geboten. Und die werden richtig gut übergebracht. Da kann man sich richtig vorstellen, wie die Kindheit der Großeltern nach dem zweiten Weltkrieg und in den 50er-und 60er Jahren war.”

Für den Politikwissenschaftler in spe, der zurzeit in einer Wohnung auf dem Benediktusplatz mitten im historischen Kern von Kornelimünster wohnt, sind die sechs Wochen Praktikum „gewonnene Zeit”.

Was er an Erfahrungen gesammelt habe, sei nicht zu bezahlen. Für ihn steht fest, dass er auf jeden Fall noch viele Male nach Aachen kommen wird. Den Aachener Dom will er dann noch einmal besuchen und auch das Rathaus. Beide Gebäude haben ihn fasziniert. Dabei stellt er fest: „Kaiser Karl ist selbstverständlich Franzose.”

Die Öcher gefallen Louis. „Die sind ausgesprochen freundlich”, obwohl sie nicht so häufig einen „Guten Tag” auch Fremden wünschen, wie er es aus seiner französischen Heimat gewohnt ist. Auch seine Eltern und seine Freundin Mélodie, die Louis, der bereits mit 17 Jahren sein Abitur baute, einen Kurzbesuch abstatteten, gefiel Aachen besonders gut.

Es fällt ihm schwer, am Sonntag nach Hause zu fahren. „Aber dort warten Mama und Papa, Mélodie und meine Freunde auf mich.”

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