Aachen: Vom fetten Huhn zur gerupften Henne

Aachen: Vom fetten Huhn zur gerupften Henne

„Als ich die Aktien gekauft habe, war die Schumag AG ein fettes Huhn. Jetzt ist es eine gerupfte Henne.” So brachte es am Dienstag ein Kleinaktionär in der sechsstündigen, teilweise turbulenten Hauptversammlung der Schumag AG in Schleckheim auf den Punkt.

Ein Leidensgenosse skizzierte kurz vorher die bittere Entwicklung der letzten Jahre: Ein Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern und einem hervorragenden Ruf, das gute Produkte herstellt, wird durch dubiose und nach wie vor ungeklärte Eigentumsverhältnisse an den Rand des Abgrunds gedrängt: „Man hatte das Gefühl, dass nicht seriös gehandelt wird.”

Die Familie Kazinakis, die am Nerscheider Weg schon für viel Wirbel gesorgt hatte, war am Dienstag nicht mehr da, der Porsche Cayenne des vorübergehenden Mehrheitseigentümers tauchte nicht auf.

Das rund 80-prozentige Aktienpaket (fast 3,2 Millionen Aktien), über das er zeitweise verfügte und das mehrfach zwangsversteigert werden sollte, befindet sich jetzt offenbar im Besitz eines neuen Großaktionärs.

Offiziell benannt worden ist eine Unternehmensberatung in Birmingham, die gegenüber der Aktiengesellschaft Schumag angezeigt hat, dass sie die 3,2 (von insgesamt 4 Millionen) Aktien übernommen hat.

Diese Unternehmensberatung trägt den Namen von Peter Koschel, einem ehemaligen Weggefährten der Familie Kazinakis. Er sitzt im Aufsichtsrat der Schumag AG, verweigerte aber am Dienstag mehrfach die Auskunft darüber, ob er das Aktienpaket besitzt oder für Hintermänner arbeitet.

Das muntere Ringelreihen und Austauschen von Personen in Aufsichtsrat und teilweise auch Vorstand ging auch in der Hauptversammlung am Dienstag weiter.

Erst am letzten Freitag hatte ein vom Aufsichtsrat ausgeguckter Rechtsanwalt aus Berlin mitgeteilt, dass er nicht bereit sei, dass Amt anzunehmen. Wegen der Kürze der Zeit könne er keinen neuen Kandidaten präsentieren, erklärte Vorsitzender Dr. Johannes Ohlinger.

Das übernahm Alexander von Ungern-Sternberg, der im letzten Jahr in den Aufsichtsrat gewählt worden war, das Amt aber aus nicht bekannten Gründen nicht antrat.

Er schlug in der Hauptversammlung Hans-Peter Heinen aus Köln als neuen Aufsichtsrat vor, nach seinen Angaben seit drei Jahrzehnten als Unternehmer in führender Position im den Bereichen Maschinenbau und Automotive tätig, auch für eine Minengesellschaft in der Mongolei.

Das sorgte für Heiterkeit im Saal. Schließlich hatten auch bisher schon Firmen mit Sitz auf den Bermudas, den Cayman-Inseln oder in Nikosia sowie London bei den undurchsichtigen Finanztransaktionen der letzten Jahre eine Rolle gespielt.

Auch dazu fanden Aktionärsvertreter deutliche Worte. So sprach Thomas Hechtfischer, Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, von einer Räuberpistole und einer äußerst unschönen Situation.

„Schumag darf nicht zu einem Spielball von Hedgefonds und anderen undurchsichtigen Gruppierungen werden.”

Ähnlich äußerte sich Markus W. Kienle, Rechtsanwalt aus Frankfurt und Mitglied der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger: „In unserer Gesellschaft (gemein ist Schumag, d. R.) geht es schlimmer zu als im Frankfurter Hauptbahnhof. Nur dass ich da einen Fahrplan habe.”

Ihm fehle die große Linie, das Geld der Anteilseigner werde kopflos ausgegeben. Es sei unverständlich, dass man sich in der derartig großen Krise noch mit internen Grabenkämpfen beschäftigen müsse.

Der Jurist verwies darauf, dass auch ein Großaktionär nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs eine Treuepflicht habe. „Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr ein derartiges Theater nicht mehr erleben.”

In der Diskussion wurde klar, das die Verantwortlichen hoffen, die Verhandlungen über den Abbau von 200 Arbeitsplätzen bis zum Juni unter Dach und Fach zu bringen, dafür werde sicherlich ein hoher Betrag aufzubringen sein, meinte Vorstandsvorsitzender Rainer Kiechl.

Er gehe davon aus, dass es zu 137 betriebsbedingten Kündigungen kommen werde. Er hoffe aber, mit den dann noch verbleibenden gut 400 Mitarbeitern auf Dauer profitabel arbeiten zu können, 325 waren zu SMS Meer gewechselt.

Die Beschlüsse am Ende des Mammuttreffens wurden alle mit großer Mehrheit gefasst. Unter anderem wurden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Pikant am Rande: Mittags wurden den Kapitalgebern lediglich belegte Brötchen und Fladen gereicht.

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