Volkstrauertag in Aachen

Volkstrauertag : 100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg ist Frieden nicht selbstverständlich

Die Feierstunde der Kriegsgräberfürsorge in der Aula Carolina erinnerte am Volkstrauertag an die Vergänglichkeit des Friedens und an das unendliche Leid des Krieges. Kranzniederlegung am Waldfriedhof.

Volkstrauertag: „Das Volk trauert, und das Volk sind wir.“ So stellten im rezitativen Wechsel Schülerinnen des Kaiser-Karls-Gymnasiums bei der Gedenkfeier in der Aula Carolina unmissverständlich klar, wer denn an diesem Tag der Toten der beiden Weltkriege gedenkt.

In eindrucksvoll schlichten Sätzen erinnerten die Schülerinnen an die zehn Millionen toten Soldaten allein des Ersten Weltkriegs, dessen Ende sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt und dessen Leiden auch heute nicht dem Vergessen anheimfallen sollten. Und Frieden sei eben nichts, was man einfach „anschalten“ könne, es bedürfe eines nachdrücklichen und unermüdlichen Einsatzes eines jeden dafür. Krieg aber, der werde von den Mächtigen oft aus reinem Machtwillen „angeschaltet“, ohne dass seine unwiederbringlichen Zerstörungen bedacht würden, mahnten die Schülerinnen.

Die Trauerfeier in der Aula Carolina bekam musikalischen Glanz durch das Orchester des Gymnasiums St. Ursula (Leitung Kordula Smits) und durch den Chor „Tempelsingers“ der Katholischen Hochschul-Gemeinde, die Gospels und Spirituals darboten.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg ging als im Februar scheidender Kreisverbandsvorsitzender des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Veranstalter der Gedenkfeiern in der Aula und an den Gräbern auf dem Waldfriedhof ist, auf den Besuch einer Delegation der englischen Partnerstadt Halifax ein. „Als letztes möchte ich den englischen Freunden noch mit auf den Weg geben, dass wir uns sehr freuen würden, wenn Großbritannien doch noch den Weg zurück in die Europäischen Union schaffen würde“, sagte Etschenberg angesichts der Brexit-Verhandlungen.

Zuvor hatte er an die lange Friedensperiode erinnert, die mit der Europäischen Union nach dem Zweiten Weltkrieg eingekehrt sei. „Ich selbst bin 1947 geboren und habe glücklicherweise keinen Krieg erleben müssen“, rückt der CDU-Politiker nochmals die Bedeutung der Einigung Europas nach zwei furchtbaren Weltkriegen mit unzähligen Toten, leidvollen Vertreibungen und dem unfassbaren Mord an etwa sechs Millionen Juden durch die Nazis ins Bewusstsein. Dafür habe die EU schließlich 2012 zu Recht den Friedensnobelpreis erhalten.

An den Ehrengräbern auf dem Waldfriedhof wurden Kränzen niedergelegt. Foto: Heike Lachmann

Die aktuellen Gesten der Einheit und der Versöhnung des französischen Staatspräsidenten Macron und Kanzlerin Merkel in Compiègne erinnerten an das Leid, das ohne eine stabile Friedensunion über die Menschen hereinbrechen könne. So sei es auch richtig gewesen, heute aktuell den Kriegsflüchtlingen aus Syrien „die Hände“ gereicht zu haben, wandte sich Etschenberg ausdrücklich gegen entsprechende AfD-Parolen.

Für die Bundeswehr sprach der Aachener Standortälteste, Oberst Klaus Gerhard Engel, der der Einsätze deutscher Soldaten in den Spannungsgebieten ebenso gedachte wie der Toten aus den beiden Weltkriegen. Leider müsse er feststellen, dass trotz des langen Friedens in Europa unsere Welt insgesamt „unsicher wie eh und je“ sei. Domkapitular Hans-Günther Vienken rief die Gläubigen zu einem gemeinsamen Gebet auf. Der Geistliche forderte das Gedenken an diejenigen Toten ein, an die sich ansonsten „niemand mehr erinnert“.

Kränze für die Ehrengräber

Beeindruckend war der Sologesang mit Passagen aus dem Werk „Die Kinder des Monsieur Mathieu“, dargeboten von Angelika Brauers und Johanna Münstermann und begleitet vom Orchester St. Ursula. Das Oboen-Solo aus dem Stück „Oblivion“ (Vergessen) von Piazzolla gespielt von Eleonor Carberry stand dem in nichts nach.

Nach der Feierstunde in der Aula Carolina brachte ein Bus die Teilnehmer zum Waldfriedhof, wo an den Ehrengräbern Kränze niedergelegt wurden.

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