Aachen: Vlado Jelic: Mit 16 besann er sich auf seine Wurzeln

Aachen: Vlado Jelic: Mit 16 besann er sich auf seine Wurzeln

Vlado Jelic ist ein Kind des Ostviertels. Absolut! Darauf legt er großen Wert. „Ich bin hier aufgewachsen und komme immer wieder gerne hierher zurück. Im Sommer spiele ich manchmal mit Kindern im Kennedypark Fußball”, sagt der ehemalige Alemannia-Kicker, der in der Saison 1989/90 für die Schwarz-Gelben auf dem Tivoli als Profi agierte.

Dennoch hat er es bisher versäumt, den neuen Tivoli zu besuchen. „Mit Fußball habe ich auch nicht mehr so viel am Hut.” Den umtriebigen Öcher kroatischer Herkunft treibt es nun zur Musik. Seine Gruppe „Ende November” wird am Sonntag, am Tag der Integration, im Eurogress gegen 16 Uhr auftreten.

Sozialkritische Lieder werden die Gäste hören. Songs, die sich mit dem Leben im Ostviertel beschäftigen. Lieder, deren Texte die Realität widerspiegeln und die dennoch poetisch und auch politisch sind, die gegen Rechts und gegen Intoleranz gerichtet sind. „Auf den Tag der Integration und unseren Auftritt freue ich mich sehr.”

Vlado Jelic ist ein Kind des Ostviertels. Und der 43-Jährige hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Dabei war der Beginn seiner Schulkarriere nicht gerade vielversprechend.

Er besuchte die Grundschule Mataréstraße, danach wechselte er auf ein Gymnasium. Dort hielt der kleine Vlado es allerdings nur drei Monate aus. „Ich hatte zu der Zeit nur Fußball im Kopf”, begründet Jelic. Also ab zur Hauptschule. Dort aber fühlte er sich völlig unterfordert.

Der nächste Schulwechsel stand an. Der Junge meldete sich an der Alkuin-Realschule an. Nach der Mittleren Reife besuchte er das Rhein-Maas-Gymnasium. Dort bestand Vlado Jelic 1989 das Abitur. Und so ganz nebenbei spielte er auch schon bei der Alemannia als Profi. Er schrieb sich an der RWTH als Geographiestudent ein, um kurz danach in den Studiengang Lehramt für Deutsch und Englisch zu wechseln.

„Eigentlich habe ich mich als Kind nie als Kroate empfunden, ich wollte immer Deutscher sein”, sagt er. Aber als er 16 Jahre alt wurde, besann er sich auf seine Wurzeln.

Er begann die kroatische Sprache zu lernen. „Mühsam war das”, erinnert er sich. „Und ohne die Hilfe des viel zu früh gestorbenen Diplom-Übersetzers Josip Sunara, der mir die wahnsinnig komplizierte kroatische Grammatik beigebracht hat, hätte ich damalsschon längst aufgegeben”, gibt Vlado Jelic zu.

Vor zehn Jahren, da war Vlado Jelic bereits Gymnasiallehrer und hatte sein Referendariat an der Gustav-Heinemann-Gesamschule in Alsdorf hinter sich, zog es ihn nach Köln. „Aachen wurde mir zu klein.” Die Wohnung in Sülz gab er aber schnell wieder auf: „Zu bieder, zu bürgerlich war mir das Viertel.”

Er atmete auf, als er mit Lebensgefährtin Bianca - mit der er seit drei Monaten verheiratet ist - im Stadtteil Nippes eine Wohnung gefunden hatte. Aber Vlado Jelic, der Junge vom Kennedypark, wäre nicht er selbst, wenn es ihn nicht weiter getrieben hätte. Vor fünf Jahren nahm er einen Lehrauftrag an der RWTH an, er schrieb eine Doktorarbeit zum Thema „Englische Fachdidaktik” und bestand mit einem sehr guten Ergebnis.

Zuvor jedoch absolvierte der Herr Doktor eine theaterpädagogische Ausbildung und davor auch noch ein Sportstudium an der Sporthochschule Köln. Heute ist Jelic Lehrer am Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Köln. Dort unterrichtet der Junge aus dem Ostviertel nun Jugendliche in Deutsch, Englisch und Sport.