Aachen: Vier Fahrräder in fünf Jahren gestohlen

Aachen : Vier Fahrräder in fünf Jahren gestohlen

Barbara W. hat schon viele Fahrräder besessen. Mal teure, mal weniger teure. Doch kein einziges davon war lange in ihrem Besitz. Denn sie wurden jedes Mal gestohlen. „Ich habe so allein in den vergangenen fünf Jahren vier Fahrräder verloren“, sagt die 65-jährige Aachenerin, die an der Oppenhoff-Allee wohnt.

Sie lebt in einem der Altbauten mit schmalem Flur im Eingangsbereich und beschwerlichen Stufen, die in die Kellerräume führen. Kein besonders geeigneter Ort, um ein Rad zu verstauen. Doch in der Regel schleppt Barbara W. ihr Rad immer wieder rauf und runter. „Das ist auch nicht ungefährlich“, sagt sie. Nun bereut sie, dass sie ihr Rad am vergangenen Wochenende ausnahmsweise über Nacht draußen an einen Radbügel angeschlossen hat. „Es war mit einem dicken Schloss befestigt, das 80 Euro gekostet hat. Das hat allerdings auch nichts gebracht“, so die Aachenerin.

Nur 7,1 Prozent Aufklärung

Inzwischen kann sie sich schon gar nicht mehr richtig über die Diebstähle ärgern, sondern muss fast verzweifelt darüber lachen. Jeden Diebstahl habe sie bei der Polizei zur Anzeige gebracht, jedes Mal ohne Erfolg. Die Täter wurden nie gefunden. Ihr persönliches Schicksal war somit nur eine weitere Zahl in der Kriminalitätsstatistik.

In der Kreispolizeibehörde Aachen wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik im Jahr 2017 insgesamt 1671 Fahrraddiebstähle angezeigt. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Fallzahlen im Bereich der Fahrraddiebstähle damit um 634 Delikte zurückgegangen — das sind 27,5 Prozent.

Von den registrierten 1671 Fahrraddiebstählen konnten 118 Taten aufgeklärt werden. Das sind lediglich 7,1 Prozent. Im Jahr 2016 wurden 2305 Fahrraddiebstähle angezeigt. Damals wurden 142 Taten aufgeklärt — das sind 6,2 Prozent. Paul Kemen von der Pressestelle der Polizei sagt, dass die Diebstahlschwerpunkte für Fahrräder normalerweise eher am Bahnhof und in den Studentenvierteln liegen. „Prinzipiell kann man sagen, dass überall dort, wo Fahrräder vermehrt abgestellt werden, die Diebstahlquote erhöht ist“, so Kemen weiter.

Speziell auf die Oppenhoffallee bezogen, in der Barbara W. wohnt, sind laut Angaben der Aachener Polizei vom 1. Januar bis 1. Juli neun Räder gestohlen beziehungsweise zur Anzeige gebracht worden. Im Vergleichszeitraum in diesem Jahr ebenfalls neun — vier davon von Frau W.

Dass die Zahlen insgesamt tendenziell sogar sinken, hilft Barbara W. dieser Tage wenig. Sie muss sich nun erst mal ein neues Rad besorgen. Dieses Mal soll es wieder ein günstiges sein, damit der Verlust nicht so sehr schmerzt. „Das wird sowieso wieder geklaut, wenn ich es mal draußen vergesse“, sagt sie.

Bislang habe sie ihre Räder nicht nur mit einem stabilen Schloss geschützt, sondern sie auch gegen Diebstahl versichert. „Nachdem die ersten beiden Räder gestohlen wurden, bin ich aus der Versicherung geflogen“, sagt die Aachenerin.

Da sie keine andere Versicherung aufnahm, suchte sie eine in den benachbarten Niederlanden, die ziemlich teuer sein soll. „Ich habe das Gefühl, dass die Versicherungen sich da gegenseitig informieren.“ Als das dritte Rad gestohlen wurde, zahlte die niederländische Versicherung zwar die gesamte Summe, verlangte allerdings auch, dass W. dafür ein neues und ebenso teures Rad kauft. „Ich habe es danach gar nicht mehr versichert. Ich fühle mich wie eine Verbrecherin. Mir wird selbst zur Last gelegt, dass ich beklaut wurde.“

Mehr Fahrradboxen erwünscht

Barbara W. würde sich wünschen, dass die Fahrradboxen, die im Jahr 2016 von den Linken für Bewohnerparkzonen beantragt wurden, endlich vermehrt aufgestellt würden. Doch der Antrag wurde im April dieses Jahres mehrheitlich abgelehnt.

Bislang stehen acht der Boxen am Bahnhof Eilendorf. Diese werden von der Wabe vermietet und kosten bei einer Mindestmietdauer von einem halben Jahr sechs Euro pro Monat und pro Box. „Weiterhin sind rund 30 Fahrradboxen am Haltepunkt Schanz, am Bahnhof Rothe Erde und am Westbahnhof geplant“, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt, und ergänzt: „Die Planung für die Standorte Schanz und Rothe Erde ist abgeschlossen. Die Planung für die Boxen am Westbahnhof will der Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen in Abstimmung mit dem Umweltamt noch in diesem Jahr abschließen.

Auf Grundlage dieser Planung muss der Mobilitätsausschuss einen Baubeschluss fassen. Baubeschluss und aktuelle Pläne werden dann dem NVR (Zweckverband Nahverkehr Rheinland) zusammen mit einen Finanzierungsantrag vorgelegt. Dieser entscheidet über die Förderung.“ Die Stadt hoffe, dass der NVR die Fördermittel im Jahr 2019 bewilligt.

Solche Fahrradboxen wird es an der Oppenhoffallee wohl vorerst nicht geben. Der 65-Jährigen bleibt nichts anderes übrig, als ihr Rad täglich in den Keller zu schleppen — oder es regelmäßig klauen zu lassen. „Dabei dachte ich immer, dass man die Stadt von Abgasen befreien und Fahrradfahrer unterstützen will“, sagt W.

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