Aachen: Viele wollen die jungen Flüchtlinge unterstützen

Aachen: Viele wollen die jungen Flüchtlinge unterstützen

Angesichts des aktuellen Zustroms unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge hat der Katholische Verein für soziale Dienste (SKM) Aachen das Projekt „Aachener Hände“ ins Leben gerufen. Die Koordinatorinnen Sarah Ulbrich und Anna Klein zogen jetzt ein erstes Fazit.

Der Bericht war ein Teil der Fachtagung „Bildung — Flucht — Soziale Arbeit“ der Katholischen Hochschule (KatHO) NRW Aachen in Kooperation mit dem Bistum Aachen, missio und dem Kindermissionswerk.

„Wir sind überwältigt, wie viele Bürger sich interessieren, eine Patenschaft für einen Flüchtling zu übernehmen und zu helfen“, freut sich Ulbrich. Beim ersten Informationsabend seien 80 Personen gewesen, mit 50 Interessierten sei man derzeit im Gespräch. 20 aktive Patenschaften sind bereits angelaufen. „Die Idee ist, dass die Paten den jungen Flüchtlingen wie ein Lotse beratend und begleitend zur Seite stehen. Da geht es etwa um Alltagssorgen, Probleme mit dem Behördendeutsch oder bei der Wohnungssuche“, erklärt Ulbrich.

Das Mindestalter für die Paten beträgt 21 Jahre, sie benötigen ein polizeiliches Führungszeugnis, werden fortlaufend qualifiziert und treffen sich regelmäßig bei einem Patenstammtisch. „Unser Ziel ist, dass das Projekt zum Selbstläufer wird und auch ohne uns weitergeht“, betont Ulbrich. Angesichts von derzeit rund 400 minderjährigen Flüchtlingen in Aachen ist der Bedarf an Unterstützung riesig. „Die Patenschaft soll ein halbes Jahr vor der Volljährigkeit beginnen. Wichtig ist, Vertrauen aufzubauen“, erklärt Ulbrich.

Betroffen von Fernsehbildern

Die Aachenerin Katja Richter hat vor zwei Wochen die Patenschaft für den 17-jährigen Brooke aus Eritrea übernommen und sich bereits sehr mit dem Jungen angefreundet. „Die Bilder im Fernsehen haben mich betroffen gemacht. Als ich von dem Patenprojekt hörte, fühlte ich mich sofort angesprochen“, erklärt Richter. Die Deutschlehrerin hat Erfahrung in Berufsorientierung und Praktikumsbegleitung, kann ihrem „Patenkind“ wertvolle Unterstützung geben. „Ich habe gerade mein Sabbatjahr, kann so die Zeit aufbringen, mich dreimal in der Woche mit Brooke zu treffen.“ Brooke ist seit Mai in Deutschland, besucht die Internationale Förderklasse an der Reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck (ehemals Hauptschule Kronenberg) und lebt in einer Jugendhilfeeinrichtung.

„Am Kennenlernabend habe ich mit ihm noch schnell einen Lebenslauf für die Bewerbung zum Deutschkurs an der Abendrealschule erstellt. Brooke ist selbstständig und souverän, mag gemeinsame Kinoabende“, erzählt Richter. Bei einer Tasse Tee oder beim Abendessen unterhalten sie sich, verbessern ganz nebenbei seine Deutschkenntnisse. „Brooke spielt Gitarre, und mit ihm habe ich endlich jemand gefunden, mit dem ich Mensch ärgere dich nicht spielen kann“, freut sich die Patin.

Professor Norbert Frieters-Reermann und seine Studierenden von der KatHO verfolgten die Berichte interessiert. Die Situation minderjähriger Flüchtlinge ist eine große Herausforderung für Bildung und Soziale Arbeit. Deshalb hat die KatHO im letzten Jahr eine Studie über die Bildungsbeschränkungen von Flüchtlingskindern erstellt.