Aachen: Viele Wohnquartiere tragen seine Handschrift

Aachen : Viele Wohnquartiere tragen seine Handschrift

Wie vielen Familien er im Laufe der Jahre den Weg ins eigene Heim geebnet hat, kann Edmund Feiter nur schätzen. Mehr als 1000 werden es wohl gewesen sein. Im Schnitt gehen Jahr für Jahr 70 bis 80 Kaufverträge für Einfamiliengrundstücke über seinen Schreibtisch, sagt er.

Damit könnte er sich vermutlich zu den bedeutendsten Grundstücksmaklern der Stadt zählen, doch eine solch großspurige Umschreibung wäre für diesen Mann völlig unangemessen, und ein Makler ist er schon mal gar nicht. Seit 1996 verwaltet er an maßgeblicher Stelle den Grundbesitz der Stadt Aachen — früher im Liegenschaftsamt, heute als Leiter des Fachbereichs Immobilienmanagement. Doch jetzt muss er sich auf seinen Abschied vorbereiten.

Leicht fällt ihm das nicht, wie der 66-Jährige unumwunden zugibt. Seine Frau freue sich auf seinen Ruhestand wohl mehr als er selbst, sagt er. Aber klar, es sei jetzt auch Zeit, mehr für die Familie und vor allem für die drei Enkelkinder da zu sein. Turnen und Fußball spielen will er demnächst mit ihnen, wobei sein sportliches Talent immer auch Anlass für Scherze ist: „Manche sagen, man würde merken, dass ich von der Liegenschaft komme.“

Seit 1975 in städtischen Diensten

Nach seinem Studium in Essen kam der gebürtige Hückelhovener als ausgebildeter Vermessungsingenieur im März 1975 zum Liegenschaftsamt in Aachen. Und er hat damit offenbar gleich das Richtige für sich gefunden. Feiter ist kein Mann der vielen und lauten Worte, doch er lässt einen spüren, dass er mit sich im Reinen ist und an seiner Arbeit anhaltend Spaß hat. Was auch daran liegt, dass er ein tolles und verlässliches Team um sich herum hat, wie er ausdrücklich hervorhebt.

Und die 30-köpfige Abteilung mit Feiter an der Spitze ist ja durchaus auch Teil eines einflussreichen Kreises, der die Entwicklung und das Flair der Stadt mitgestaltet. Welche Grundstücke die Stadt ankauft, welche sie wieder verkauft und was damit geschehen soll, bestimmt eben auch der Fachbereich Immobilienmanagement mit. „Die Stadt ist der größte Immobilieneigentümer“, sagt Feiter, „es gibt kaum ein Projekt, an dem die Stadt nicht beteiligt ist.“ Und das gilt nicht nur für Häuslebauer, sondern auch für die örtlichen Landwirtschaftsbetriebe oder Gewerbetreibende.

Zu sehen war das zuletzt etwa beim Thema Lindt-Erweiterung an der Süsterfeldstraße. Der Verkauf eines Teilstücks des Bendplatzes soll dort die Arbeitsplätze für die nächsten Jahrzehnte sichern. Auch der Neubau des Polizeipräsidiums in Brand gehe auf „eine Idee der Stadtverwaltung“ zurück. Feiter lässt offen, wessen Idee es genau war. Ähnlich zurückhaltend äußert er sich über den gesamten Tivoli-Komplex, der der Krefelder Straße ein völlig neues Aussehen gegeben hat.

Nur so viel: „Als die Entscheidung für den Neubau fiel, hat die Stadt dort nicht einen einzigen Quadratmeter besessen.“ Man kann nur ahnen, wie mühselig die Gespräche mit den verschiedensten Besitzern — angefangen beim ALRV bis hin zu den Kleingärtnern — gewesen sein müssen. Es hat sich gelohnt, findet Feiter, der auch mit der Vermarktung des Alten Tivoli zufrieden ist, wo längst ein neues Wohngebiet entstanden ist.

Und es geht ja immer weiter. „Wir sagen seit Jahren immer wieder, dass wir neue Projekte für den Wohnungsbau brauchen.“ Die Stadt bemühe sich nach Kräften, an neue Flächen zu kommen, die sie in der Regel nicht an große Bauträger, sondern direkt an die Baufamilien weiter verkauft. „Aber es wird immer schwieriger.“ Tendenziell verkauft die Stadt derzeit mehr Grundstücke als sie nachkauft — und das hat auch etwas mit den enorm steigenden Grundstückspreisen zu tun, die derzeit von privaten Konkurrenten auf dem Immobilienmarkt gezahlt werden.

Der Nachfolger steht schon fest

Einen Mann wie Feiter, der sein Gegenüber mit einer stoischen Ruhe und Gelassenheit beeindrucken kann, bringen freilich auch solche Entwicklungen nicht aus der Fassung. Und ohnehin muss es ihn ja auch nicht mehr lange beschäftigen. Ende Februar wird er seinen Platz im sechsten Stock des Verwaltungsgebäudes am Marschiertor räumen und sich von seinen Mitarbeitern verabschieden. Da könnten dann auch einige Tränen fließen, denn nicht nur Feiter tut sich schwer mit seinem Abgang, auch unter seinen Mitarbeitern macht sich Wehmut breit.

Zu Feiters Nachfolger ist bereits Christoph Kemperdick gewählt worden. Der 54-jährige Stadtplaner, der derzeit noch für die Stadtentwicklungsgesellschaft NRW.Urban Service GmbH tätig ist und sich unter anderem mit dem Strukturwandel im hiesigen Braunkohlerevier befasst, wird ab Mitte Januar von Feiter auf seine neue Tätigkeit als oberster Immobilienmanager der Stadt vorbereitet. Den Leitungsposten wird er Anfang März antreten.

Mehr von Aachener Nachrichten