Aachen: Viele seiner Weggefährten vermissen Gerd Mertens jetzt schon

Aachen : Viele seiner Weggefährten vermissen Gerd Mertens jetzt schon

„Sie haben Vieles getan für die Kirche, Sie haben Menschen zusammengebracht und etwas auf die Beine gestellt“, lobte Pfarrer Hannokarl Weishaupt, Büro der Regionaldekane Aachen, als Gerd Mertens jetzt offiziell aus dem kirchlichen Dienst verabschiedet wurde. Der „Macher“ wendet sich neuen Aufgaben zu und will als Coach und Berater selbstständig tätig sein.

Über viele Jahre hat er sich als Referent im Büro der Regionaldekane Aachen im Bistum Aachen einen Namen gemacht, und so gilt er heute als wesentlicher Initiator des Weihnachtssingens auf dem Tivoli, des Solidaritätslaufs und des Tags der Integration. Dabei habe er in beispielhafter Weise „Bewährtes neu gestaltet und Neues ausprobiert“, so Weishaupt.

„Alles hat seine Zeit“, betonte dann Martin Pier als ehemaliger Kollege und Nachfolger von Gerd Mertens. „Du hast 26 Jahre an der Front der Menschenfreundlichkeit und Gottessuche gestanden“, führte er weiter aus. Dabei habe Mertens neue Talente in sich entdeckt, die er in Zukunft nutzen wolle. „Du schreitest voran, und deshalb musst du jetzt Abschied nehmen“, stellte Pier schließlich fest.

Ein Abschied, der den zahlreichen Gästen im Klömpchensklub auf dem Tivoli ganz offensichtlich alles andere als leicht fiel. Viele der Gäste haben mit Mertens in der einen oder anderen Form zusammengearbeitet, und viele nutzten die Chance, ihm für die langjährige Zusammenarbeit zu danken.

Geduld und Glaube

„Wir brauchen Menschen wie Dich, die die Leute erreichen“, sagte Holger Brantin, Katholikenrat Aachen-Stadt, zum Abschied und Idris Malik, Dialog der Religionen, dankte Mertens für seinen unermüdlichen Einsatz um Verständigung. Seine Geduld und sein starker Glaube hätten wesentlich dazu beigetragen, die inzwischen acht Religionsgemeinschaften im Dialog der Religionen unter einen Hut zu bekommen. „Wir werden Dich nicht so einfach gehen lassen“, sagte Malik und fügte hinzu: „Du bist uns jederzeit aufs Herzlichste willkommen.“

Als „ehrgeizig und kantig im Sinne von nicht linear und nicht angepasst“, beschrieb Pfarrer Hans-Georg Schornstein, ehemals Regionaldekan Aachen-Stadt, seinen scheidenden Kollegen. Ein bisschen habe Mertens aber auch genervt mit seinem ewigen „schnell, schnell“, fügte Schornstein mit einem Augenzwinkern hinzu, und: „Ich kam bei Deinem Tempo nicht mit.“ Zudem erinnerte er an den gemeinsamen Einsatz für die Schwangerschaftsberatungsstelle Donum Vitae und für den Erhalt der Gewoge und das gemeinnützige Wohnen. „Du bist einer mit Profil und einem sozialen Gesicht“, stellte er abschließend fest.

Abdurrahman Kol, der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Ditib-Gemeinde, dankte für die hervorragende Zusammenarbeit beim Bau der Yunus-Emre-Moschee an der Stolberger Straße. Hier sei der Grundstein für ein Haus der Kinder Abrahams gelegt worden, sagte er. „Aber Du gehst uns ja nicht verloren“, betonte er mit Blick auf den scheidenden Mertens.

„Du hast Ökumene gelebt“, hob Peter Brendel, ehrenamtlicher Vorstand Pro Arbeit, hervor und dankte Mertens für seinen großen Einsatz für arbeitslose Menschen, und Renate Weidner, Stabstelle Diakonie und Kirche, stellte mit einem Augenzwinkern fest: „Ich habe selten mit einem Katholiken so gut zusammengearbeitet. Es war super.“

„Lasse mich nicht kündigen“

So viel Lob und Anerkennung gingen an Mertens nicht spurlos vorbei. „Vieles, was ihr gesagt habt, rührt mich“, meinte er und entführte seine Gäste anschließend auf eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Er erinnerte an seine Anfänge in der Jugendarbeit, den anschließenden Wechsel zum Bistum, das in finanziell schwierigen Zeiten mit einer Kündigungswelle reagiert habe. Mertens blieb zwar verschont, aber gleichzeitig reifte offensichtlich ein fester Entschluss. „Ich lasse mich nicht mehr kündigen“, betonte er, und nannte so einen Grund für den Sprung in die Selbstständigkeit.

Und bei all dem hörte auch seine Familie gut zu: Gerade auch seiner Ehefrau Heike und seinen beiden Töchtern galt Mertens Dank für ihre Geduld und Unterstützung.

(mas)
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