Aachen: Viele Hindernisse: Pontstraße ist nichts für Rollstuhlfahrer

Aachen : Viele Hindernisse: Pontstraße ist nichts für Rollstuhlfahrer

Hindernisse für Senioren und Menschen mit Behinderungen hat Yavuz Kücük in seiner Masterarbeit an der RWTH Aachen in den Blick genommen. Er hat am Lehrstuhl und Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr bei Professor Dirk Vallée Wirtschaftsingenieurwesen studiert und jetzt mit der Note 1,3 abgeschlossen.

„Menschen werden dank medizinischem Fortschritt immer älter. Zudem korreliert das Auftreten von Behinderungen mit dem Alter, wodurch es künftig wohl immer mehr Menschen mit Behinderungen geben wird. Diese gesellschaftliche Entwicklung erfordert eine Anpassung der baulichen Umwelt an die veränderten Nutzungsansprüche“, erklärt Kücük die Motivation der Arbeit.

Die Pontstraße gilt mit zahlreichen Bars, Cafes und Restaurants als zentraler Ort des gesellschaftlichen Lebens in Aachen und sollte für jeden Menschen zugänglich sein und niemanden von der Nutzung ausschließen. Daher hat der Student diesen Ort für seine Untersuchungen ausgewählt.

Dabei hat er eine neuartige Methode zur Erfassung von Barrieren im städtischen Umfeld genutzt. Sogenannte Smartbänder messen während der Begehung mit Sensoren die Hautleitfähigkeit, die ein zuverlässiger Indikator für die Ermittlung des Stresslevels ist. Dabei sind die Probanden noch zusätzlich mit einem GPS-Gerät sowie einer Kamerabrille ausgestattet, so dass auftretender Stress auf Kartenmaterial visualisiert und mit konkret erfassten Situationen durch die Kamerabrille nachvollzogen werden kann — etwa durch Werbeaufsteller auf dem Gehweg oder Gastronomiebestuhlung.

Die Untersuchung wurde mit 29 Personen gemacht, von denen zwölf Rollstuhlfahrer, drei blind und 14 ohne jegliche Art von Behinderungen waren. Der Untersuchungsraum erstreckte sich vom Audimax über die Wüllnerstraße, den Marienbongard und die Pont­straße bis zum Marktplatz und wieder zurück. Dabei sind folgende Probleme zutage getreten: Mit einem nichtelektrischen Rollstuhl ist Kopfsteinpflaster wie in der Pontstraße gerade bei Steigungen kaum zu bewältigen. Ein Proband stürzte sogar, als sich ein Rollstuhlrad in einer Fuge des Kopfsteinpflasters verfing. Abhilfe würde hier ein barrierefreies Kopfsteinpflaster nach dem Vorbild des Katschhofes schaffen.

Blinde stört ebenfalls grobes Kopfsteinpflasters, das dazu führt, dass die Blindenstöcke sich verfangen. Weiterhin fehlen Leitelemente zur Führung von blinden Menschen im Straßenraum. Dadurch, dass die Seitenflächen in der Pontstraße mit Gastronomiebestuhlungen oder Werbeschilder versperrt sind, können blinde Menschen auch nicht die Häusergrenzen zur Orientierung nutzen und sind dadurch komplett orientierungslos und laufen in die Restaurantgäste und Tische hinein. Für Nichtbehinderte gibt es ebenfalls Problemstellen: Auch hier wird das grobe Kopfsteinpflaster der Pontstraße als sehr unangenehm empfunden.

Das Fazit ist klar: „Die Smartband-Technologie unterstreicht, dass die Pontstraße in ihrem jetzigen Zustand eine ausschließende Wirkung auf Menschen mit Behinderung hat, wodurch diese aufgrund der baulichen Mängel ausgegrenzt werden und ihren sozialen Anschluss verlieren“, erklärt Kücük.

Durch das Verlegen von Leitelementen für blinde Menschen sowie einen Austausch des groben Kopfsteinpflasters durch ein barrierefreies Kopfsteinpflaster wäre Menschen mit Behinderungen sehr geholfen.

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