Aachen: Viele Geschichten rund um Schilder und Wappen

Aachen: Viele Geschichten rund um Schilder und Wappen

Ruth Fiand hat irgendwann ein Quiz daraus gemacht, mit ihren Schülern, angehenden Kinderpflegern. Die Aufgabe bestand darin, die Marienfiguren in der Altstadt zu zählen, und natürlich war das ein wenig gemein. An einem Haus am Münsterplatz steht zum Beispiel eine Figur, die so klein ist, dass man im Grunde ein Fernglas benötigt, um sie zu erkennen. Fiand sagt: „Auf zehn gekommen sind meine Schüler nie.“

„Hauszeichen und Haussymbole in Aachen“, so heißt das Buch, das Ruth Fiand, Vera Blazek, Betty Dahmen, Georg Fiand, Joseph Gelück und Hubertus Peters verfasst haben, am Donnerstag erscheint es im Handel (siehe Box). Auf 146 Seiten beschreiben die Autoren Schilder, Wappen und Figuren, rund 60 Objekte und deren (nicht immer beweisbare) Geschichte(n).

Dass zum Beispiel an der Ecke zur Antoniusstraße das Wappen von Papst Pius X. hängt, was natürlich ein (sehr böser) Zufall ist. Dass am Gebäude des Hauptbahnhofs eine Fratze thront, deren Ohren aus den Rädern einer Eisenbahn bestehen. Und dass die Hauszeichen im Allgemeinen in Städten ohne Hausnummern der Orientierung dienten, bisweilen aber auch als persönliche Note des Besitzers gedacht waren.

Eigentlich ist es ja so, wie Vera Blazek sagt: „Man läuft immer vorbei“, aber so richtig wahr nimmt man die Hauszeichen nicht. Seit der Recherche hat sich das geändert: Als zum Beispiel Hubertus Peters neulich durch Straßburg spazierte, hat er sich ertappt: Er suchte auch dort nach Hauszeichen, „wie Hans-Guck-in-die Luft“.

Dass Ruth Fiand mal von einer „Sucht in uns“ sprechen würde, war vor dem März 2012 nicht unbedingt abzusehen. Der Kulturverein Aachen-Prag hatte zu einem Vortrag geladen, es referierte eine tschechische Wissenschaftlerin über Hauszeichen im alten Prag. Tja, und irgendjemand kam auf die Idee, sich auch mal in Aachen umzuschauen, so beginnt die Geschichte hinter dem Buch. Die Arbeitsgruppe hat sich dann „alle drei bis vier Wochen“ getroffen, knapp zwei Jahre lang.

Es gehört nicht viel dazu, zu behaupten, dass die Hauszeichen und Haussymbole in Aachen wenig erforscht sind, Vera Blazek sagt es so: „Am Anfang war es wirklich fantastisch, jeder von uns brachte die Fotos mit und sagte: Hast du das gesehen? Schwierig war es aber, über die Hauszeichen etwas zu schreiben.“

Die sechs Mitglieder des Kulturvereins haben fotografiert, in den Archiven recherchiert und mit den heutigen Hausbesitzern gesprochen. Gewusst hätten allerdings „die wenigsten etwas“, sagt Joseph Gelück. Und „manche wussten erst mal gar nicht, dass überhaupt ein Zeichen am Haus“ hängt. So gesehen möchte Blazek „die Aachener motivieren, weiterzuschauen, und es uns zu sagen, wenn sie etwas wissen“.

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