Viel Volk vor der "Kunstpause" im Suermondt-Ludwig-Museum

Kreative Sause vor der Pause : Alte Kunst wird im Suermondt quicklebendig

Bevor die Pforten des Suermondt-Ludwig-Museums für ein rundes Jahr schließen, lud der Kunsthort am Sonntag noch einmal zum großen Happening für kleine und große Fans.

Andächtiges Schweigen im Angesicht hoher Kunst – das verbindet man eigentlich mit einem Museumsbesuch. Das Foyer des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums hat an diesem Sonntagvormittag wenig davon – eher erinnert das Kommen und Gehen an einen Bienenstock. Bevor sich das Museum in der prachtvollen Villa Cassalette in eine einjährige Renovierungs-Kunstpause verabschiedet, waren die Aachener noch einmal zum Tag der offenen Tür eingeladen.

Und sie nutzten die Gelegenheit zur Freude des Museumsteams zahlreich: „Die erste Kinderführung war schon voll, und wir erwarten auch viele Besucher zum Musikprogramm am Nachmittag“, berichtete Kuratorin Sarvenaz Ayooghi. Schon wieder füllte sich das Foyer für die zweite Kinderführung, elf kleine Museumsbesucher samt Eltern und Großeltern wollen sich von Petra Hellwig einmal einige Gemälde in der Ausstellung erklären lassen. Doch bevor es losgeht, muss man einige Regeln beachten. Die oberste und wichtigste: nichts anfassen. Dies nicht unbedingt, weil die Alarmanlage losgehen könnte, sondern weil die Ausstellungsstücke schmutzig werden und dadurch Schaden nehmen könnten. Dann geht es los, und gleich beim ersten Gemälde, einem Tryptichon, lässt Petra Hellwig die Kleinen doch mal näher an das Bild heran als die eingangs empfohlene Armlänge, damit sie die feinen Pinselstriche und die Früchte auf dem Bild erkennen können.

Den aufmerksamen Besuchern fällt auf, dass die Räume nicht von ungefähr unterschiedliche Farben haben. Im blauen Raum hängen Bilder, die etwas mit Wasser zu tun haben. „Seestücke“ nennt man diese Gemälde, und vor allem bei den niederländischen Nachbarn waren sie sehr beliebt, weil sie von fernen Ländern, Abenteuern und auch Gefahren erzählten. Auf einem Bild sind mehrere Schiffe in schwerer See zu sehen. Ist das vielleicht sogar ein Piratenschiff, was da im Hintergrund zu sehen ist? Derart angeregt, konnten die jungen kunstbegeisterten Besucher ihr eigenes Lieblingsstück malen.

Noch eine Schatztruhe: In der Malwerkstatt hat Paul (7) als einer von vielen Nachwuchskünstlern sein gleichnamiges Werk souverän vollendet. Foto: Andreas Herrmann

Auch Paul und Emily Wätjen sind dabei. Die vierjährige Emily hat das Bild mit dem Schiff so beeindruckt, dass sie auch so ein Motiv gemalt hat. Der siebenjährige Paul hat bei der Führung eine Schatztruhe gesehen und seine eigene gemalt. Mutter Anja ist begeistert vom Angebot: „Die Gelegenheit mussten wir nutzen. Das ist ganz toll gemacht. Dafür kann man das Museum nur loben.“

Lieblingsstücke haben auch die Kuratoren. In kurzen Führungen konnten sich Besucher die Favoriten der Profis zeigen lassen. Sarvenaz Ayooghis Lieblingsstück ist zum Beispiel die Kirschenmadonna des niederländischen Malers Joos van Cleve. Das Werk ist einem verschollenen Leonardo-Original nachempfunden, Landschaft und Ornamentik wurden dem niederländischen Geschmack angepasst. Das Bild erinnere sie an ihre Anfänge im „SLM“, die van-Cleve-Ausstellung 2011 war die erste, die sie mit kuratiert hatte.

Jetzt aber ist erst einmal Schluss mit Kunst an der Aachener Wilhelmstraße. Aber wenn alles planmäßig verläuft, öffnet der Kunsthort schon im Frühjahr  nächsten Jahres wieder seine Pforten – so dass die hochkarätige Ausstellungs-Trias mit Werken des großen spätmittelalterlichen Malers Albrecht Dürer ebendort sowie im Centre Charlemagne und im Ludwig Forum pünktlich zum 7. Oktober 2020 eröffnet werden kann.

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