Aachen: Viel Lob fürs Theater: „Da ist keine Luft mehr”

Aachen: Viel Lob fürs Theater: „Da ist keine Luft mehr”

Der Kulturausschuss stellte sich hinter das Theater Aachen - sowohl, was die künstlerische Planung der nächsten Spielzeit, als auch die Wirtschaftsplanung angeht.

Kurz nach der Vorstellung der aktuellen Projekte zeigten sich die Vertreter aller Ratsfraktionen höchst angetan vom Spielplan für die kommende Saison - welche die letzte des amtierenden Generalintendanten Dr. Paul Esterhazy sein wird. Kritik gab es allerdings am neuerlichen Engagement der Oprernregisseurin Barbara Beyer.

„Das Programm ist toll, so etwas ist aber nicht mit immer noch weniger Geld zu haben”, verdeutlichte der Ausschussvorsitzende, Professor Peter Roggendorf. Der Kämmerer hatte zur Sitzung am Dienstag allerdings sein Plazet noch nicht gegeben - zum Unmut aller Kulturpolitiker.

Der Wirtschaftsplan für die laufende und der vorläufige Wirtschaftsplan für die kommende Spielzeit seien sehr eng kalkuliert, um die Sparvorgaben des Rates umzusetzen, bestätigte der Verwaltungsdirektor des Theaters, Udo Rüber. „Da steckt absolut keine Luft mehr drin, sollte eine Prämisse wegfallen, werden wir den Plan nicht halten können.”

Das könnten zum Beispiel die Landeszuweisungen sein, die Rüber mit etwa 672.000 Euro angesetzt hat.

Pro Spielzeit berechnete er einen Verlust von rund 15,5 Millionen Euro - die Differenz zum städtischen Zuschuss (etwa 15,4 Millionen) wird durch Abschreibungen und Rücklagen ausgeglichen.

Einkalkuliert wurden in die Berechnungen auch umfangreiche Baumaßnahmen, die die Bespielbarkeit und die Verkehrssicherheit der Spielstätten erhalten. „Allein die Sanierung der Ober- und Untermaschinerie wird zwei bis drei Millionen Euro kosten. Dafür nimmt die Stadt einen Kredit auf, den wir dann zurückzahlen”, so Rüber.

Da soll das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen sein: Die Ausschussmitglieder einigten sich auf ein interfraktionelles Gespräch mit dem Kämmerer, um dem Theater diese Last zu nehmen, „die gegen geltendes Recht verstößt”, so die einmütige Meinung.

Vorausgesetzt, die Korridorverhandlungen mit dem Regierungspräsidenten verlaufen positiv, sollen in diesem Jahr 291.400 Euro für freie Kulturschaffende zur Verfügung stehen.

Der Kulturausschuss bewilligte zunächst 249.509 Euro, die sich auf den „Förderverein Kunst & Internet”, die Konzertreihe „Quintessence”, das deutsch-französische Kulturinstitut, das Filmforum „Kaleidoskop”, das „Aachener Filmhaus”, „Akut”, Theater K. und Das-Da-Theater, die Gesellschaft für zeitgenössische Musik (GZM), den Jakobshof, den Neuen Aachener Kunstverein (NAK), die „Leselust am Lousberg” sowie die Tanzwerkstatt verteilen.

Bei den Vertretern der Grünen stießen die drastischen Kürzungen der Fördermaßnahmen bei der GZM um fast 14.000 Euro auf noch rund 30.000 Euro allerdings auf Widerstand.

Herbert Zantis vom Kulturbüro erklärte: „Es gab eine Belegprüfung. Daraus ergeben sich Gründe, sich am Verwaltungsvorschlag zu orientieren.”

Die Mitglieder des Kulturausschusses nutzten die Gelegenheit des Besuchs von Generalintendant Paul Esterhazy, die Inszenierungen von Barbara Beyer zu kritisieren: Claudia Oleschinski (CDU): „Ihre letzte Opern-Inszenierung (Wozzeck) war eine Zumutung. Viele treue Theaterbesucher überlegen jetzt, ihr Abo zu kündigen. Das Theater sollte nicht die Tür zuschlagen.”

Hermann-Josef Pilgram (Grüne): „Barbara Beyer macht einen Zugang nicht möglich. Bei der Spielplanerstellung sollte der Abwägungsprozess noch sorgfältiger sein. Gerade im Großen Haus binden solche Aufführungen zu viele Ressourcen.”

Esterhazy reagierte versöhnlich auf die Kritik: „Wir fahren immer eine Mischkalkulation. Deshalb sehe ich auch künftig der Aufregung gelassen entgegen. Es ist auch die Aufgabe eines Theaters, Stücke zu spielen, die nicht viele Zuschauer finden.”

In der neuen Spielzeit wird Barbara Beyer mit „Die Menschen” eine Oper inszenieren.

Mehr von Aachener Nachrichten