Aachen: Viel Lärm um die Zukunft der freien Kultur

Aachen : Viel Lärm um die Zukunft der freien Kultur

Die Politik hat keine Schuld — ein Satz, den man im Zusammenhang mit Dingen, die in Aachen schieflaufen, nicht oft hört. Schon gar nicht, wenn es um die frei Kulturszene geht. Kristof Mittelstädt aber hat ihn gesagt. Und ihn genau so gemeint.

Als im vergangenen Jahr viele Clubs in Aachen ihre Türen schließen mussten, konnte die Politik nichts dafür, sagt er. „Wenn Clubs schließen, weil Mietverhältnisse beendet werden oder Betreiber sich aus wirtschaftlichen Gründen zur Schließung gezwungen sehen, liegt es nicht an der Politik, dies zu ändern.“ Der Trubel um die Welle von Schließungen hat sich gelegt.

Organisator Kristof Mittelstädt fordert am Samstag zum zeiten Mal auf: „Macht mal Lärm“. Foto: Heike Lachmann

Und doch: Herausforderungen für die freie Kulturszene bleiben. Und deshalb organisiert Mittelstädt, wie schon im vergangenen Jahr, eine Demonstration, bei der es um Förderung und Erhalt der lebendigen freien Kulturszene in Aachen geht. Ihr Titel: „Macht mal Lärm“.

Wort weg — Engagement weg?

„Clubsterben“ — dieser unsägliche Begriff habe sich damals geprägt. Mittlerweile sei das Wort wieder verschwunden. Gut. Weniger gut: Mit dem Abklingen der Aufregung habe es die Stadt drangegeben, sich dem Thema weiter intensiv zu widmen. Von der Entscheidung des Kulturausschusses, die Kaste-Mittel für die freie Kultur jetzt tatsächlich um 25.000 Euro aufzustocken, ist Mittelstädt natürlich begeistert.

Die Hauptbotschaft von „Macht mal Lärm“ 2015 ist laut dem Hauptbotschafter: „Wir sind da, wir sind viele und so viel Kultur kann man in Aachen machen und machen wir.“ Weniger kritisieren wollen die Künstler in diesem Jahr als viel mehr zeigen, wie breit die freie Kulturszene aufgestellt ist und das sich eine Förderung lohnt. „Wir müssen erst einmal zeigen, dass wir etwas leisten können, bevor wir von anderen Leistung verlangen.“

Ein Anliegen, das Mittelstädt aber auch mit der Demo verbindet, ist, auf den Verwaltungsaufwand für neue Läden in Aachen aufmerksam zu machen und die Situation vielleicht zu verbessern. „Ich weiß von Zweien, die schon einige Zeit in der Warteschleife für ihre Konzessionen sind: die Südstraßenoase und Leya´s Kulturkeller, auch in der Südstraße.

Denen wollen wir ein bisschen Rückenwind geben.“ Außerdem brauche Aachen wieder eine neue, mittelgroße Bühne, die Künstlern, die weder Anfänger noch Profis sind, einen Rahmen bietet. Ein solcher Ort fehle in der Stadt — sicher auch, weil es schwer sei, ein Projekt dieser Art zum wirtschaftlichen Erfolg zu machen.

Kommen wieder 300 Menschen?

300 Menschen waren vergangenes Jahr auf die Straße gegangen, um die Situation für die freie Kultur in Aachen zu verbessern. „Und die Situation hat sich verbessert“, resümiert Mittelstädt, der selbst Musik macht. In diesem Jahr, so hofft der Organisator, kann diese Teilnehmerzahl wieder erreicht werden. Auch, wenn die Probleme nicht mehr so drängend sind.

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