Aachen: Verwaltung und Rotlichtmilieu: Es ist kompliziert

Aachen : Verwaltung und Rotlichtmilieu: Es ist kompliziert

Zur Ungeduld neigende Kommunalpolitiker sollten vor der nächsten Sitzung des Planungsausschusses vielleicht etwas Baldrian einnehmen. Auf der Tagesordnung steht das „weitere Vorgehen“ in Sachen Altstadtquartier Büchel, und die Verwaltungsvorlage bereitet die Planungspolitiker schonend darauf vor, dass dieses weitere Vorgehen noch ein Weilchen dauern könnte.

Die Verwaltungsleute haben nämlich noch einen ganzen Haufen Eingaben und Stellungnahmen auszuwerten. Bei der „frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung“ konnten die Bürger die Pläne für den Bereich zwischen Kleinkölnstraße, Großkölnstraße, Mefferdatisstraße, Büchel und Nikolausstraße im Verwaltungsgebäude am Marschiertor und im Internet studieren, und anschließend ihre Meinung dazu kundtun. Das hat der Verwaltung 14 Eingaben eingebracht, größtenteils aus der unmittelbaren Nachbarschaft.

Eine davon behandelt alleine etwa 20 unterschiedliche Themen, hinzu kommen Schreiben einer Anwaltskanzlei, die sich nochmal mit rund 20 verschiedenen Aspekten auseinandersetzen. Auch die übrigen Eingaben reißen weitere Themen an, mit denen die Verwaltung sich nun beschäftigen muss. Auch die Träger öffentlicher Belange wurden um ihre Sicht der Dinge gebten, und so gingen Stelungnahmen ein etwa von der Unteren Wasserbehörde, dem Amt für Bodendenkmalpflege oder dem Kampfmittelräumdienst. Als besonders gehaltvolle Kost wertet die Verwaltung die Stellungnahme der Aachener Polizei, die immerhin rund 30 Belange zur Sprache bringt.

Tatsächlich haben sich die Ordnungshüter viel Mühe gegeben, ihre bereits öffentlich bekanntgemachte Skepsis gegenüber der angestrebten Mischung von Bordellbetrieben, Gewerbenutzung und Wohnbebauung zu begründen. Das Schreiben, das der Redaktion vorliegt, hat den Umfang einer kleineren Bachelorarbeit und widmet sich diversen Aspekten, vom Prostituiertenschutzgesetz bis hin zur Breite von Stützpfeilern in Tiefgaragen.

Für problematisch hält es die Polizei, dass die Pläne eine Konzentration der Bordellbetriebe auf den östlichen Teil der Antoniusstraße vorsehen. Bislang verteilen sich Freier, „Personen mit direktem Milieubezug“ und andere Personengruppen über die ganze Länge der Straße. Dass die dann verkürzt werde, es aber bei der gleichen Anzahl von Bordellzimmern bleiben soll, sehen die Ordnungshüter kritisch.

Wenn die „Anbahnungsfläche“ bei „gleichbleibender Angebotsmenge“ auf nur noch ein Fünftel des derzeit zur Verfügung stehenden Platzes verkleinert werde, dürfte aus polizeilicher Sicht der Druck im Kessel steigen. Bei Auseinandersetzungen wäre die bisherige „Ventilfunktion“ der Antoniusstraße beeinträchtigt. Erschwerend kommt hinzu, dass aus polizeilicher Sicht Einsatzkräfte schnell in eine Falle geraten könnten.

Daneben listet die Behörde noch eine ganze Reihe weiterer Aspekte auf, die nach ihrer Ansicht gegen die Pläne für ein Altstadtquartier mit integrierter Rotlichtmeile sprechen. Und weil es neben dem Schreiben aus dem Präsidium auch noch eine Reihe weiterer Stellungnahmen und Eingaben gibt, kalkuliert die Stadtverwaltung einen „erhöhten Zeitaufwand“ ein.

Es sei davon auszugehen, heißt es in der Vorlage, „dass eine fundierte Einschätzung dazu, ob die vorliegenden Eingaben und Stellungnahmen Auswirkungen auf das bisherige planerische Konzept haben, den politischen Gremien erst Anfang 2018 vorgelegt werden kann“. Wenn dann noch herauskommen sollte, dass „konzeptionelle Änderungen“ nötig wären, müssten die gegbenenfalls auch noch beraten und beschlossen werden.

Diese Aussicht dürfte so manchen Planungspolitikern sauer aufstoßen. Schon in der letzten Sitzung hatte SPD-Sprecher Norbert Plum klar seine Erwartung formuliert, Mitte November die Sache entscheidungsreif vorgelegt zu bekommen. Auch Grünen-Ratsherr Michael Rau zeigte sich unzufrieden und verwies darauf, dass es doch „einen eindeutigen Ratsbeschluss“ gebe.

Doch der schon lange erwartetete Abriss des Büchel-Parkhauses wird sich wohl weiter verzögern.

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