Aachen: Verwaiste Eltern: „Trauer ist der erste Schritt”

Aachen: Verwaiste Eltern: „Trauer ist der erste Schritt”

Der Aachener Verein „Verwaiste Eltern” ist Anlaufstelle für Mütter und Väter, die ein totes Kind geboren haben oder deren Kind gestorben ist. Das Thema ist gesellschaftlich nicht präsent, oft versuchen betroffene Eltern, allein mit dem Schmerz zurecht zu kommen.

„Trauer ist der erste Schritt auf dem Weg in eine neue Zukunft”, sagt Diplom-Pädagogin und Trauerbegleiterin Gerda Palm, die eng mit dem Verein zusammenarbeitet. Eine Möglichkeit, ihre Trauer und ihr Andenken an das verlorene Kind zu leben, haben die Eltern auf dem Westfriedhof. Dort hat der Verein eine Gedenkstätte eingerichtet. Der mit einer Skulptur und verspielten Elementen wunderschön gestaltete Platz ermöglicht Weinen und Mut Fassen zugleich.

„Die Tage der Trauer kommen immer wieder, vor allem vor Geburts- und Todestagen”, erzählte Iris Nitsche, deren vier Kinder tot sind, bei einem Treffen zur Vorstellung des neuen Vereinsvorstandes. Die Trauer sei dimensionslos, höre nie auf, bestätigen die anderen Eltern. Hildegard Ploschkes Tochter starb bei der Geburt, sie wäre jetzt 48 Jahre alt. Hildegard Ploschke kommt gerne zu der Gedenkstätte.

In der Trauergruppe fühlen sich viele verwaiste Eltern gut aufgehoben. „Man kann ganz normal sein, plötzlich weinen, aber auch wieder lachen”, beschreibt Irene von Byern, neugewählte Vorsitzende, das Gefühl. Die Diplom-Ingenieurin brachte ein totes Kind zur Welt. „Das kam sehr plötzlich, weil in der Schwangerschaft bis dahin alles in Ordnung war. Es war ein totaler Schock”, erinnert sie sich. „Im Beruf musste ich funktionieren. Aber ich funktionierte nicht.”

Ihre Worte drücken aus, dass die Situation auch von den Betroffenen selbst, nicht nur von Außenstehenden, unterschätzt wird.

„Nicht präventiv”

„Man kann für so etwas nicht präventiv tätig sein, weil es meist so völlig unerwartet kommt”, sagt auch ihr Mann Peter Gerard, ebenfalls neu im Vorstand. „Wir waren so geschockt, mussten aber ganz reelle Dinge regeln wie die Beerdigung”, beschreibt er die Bedrängnis, in der die Familie damals war. Der Kontakt zu „Verwaiste Eltern” sei sehr hilfreich gewesen. Vor allem hätten sie den Rat bekommen, das tote Kind mit nach Hause zu nehmen und dort für einige Tage aufzubahren. So konnten Geschwister und Eltern in Ruhe Abschied nehmen. Sie machten auch ein Foto von dem Leichnam und haben nun immer ein Andenken an das Kind. „Es gibt nur diesen einen Zeitpunkt zum Abschiednehmen”, sagt Gerard.

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