Aachen: Verurteilte Sexualtäter im Visier

Aachen: Verurteilte Sexualtäter im Visier

Berichte über neue Gewalttaten, begangen durch entlassene Sexualstraftäter, erschüttern die Region. Nun sollen als rückfallgefährdet geltende Sex-Täter noch einmal unter die Lupe genommen werden. Das kündigte Polizeipräsident Klaus Oelze am Montag in Aachen an. Die Zahl regis­trierter Täter liegt in der Städteregion immerhin „unterhalb eines dreistelligen Bereichs“.

Im Rahmen des „Kurs“-Programms überwacht die Polizei rückfallgefährdete Sexualstraftäter in der gesamten Region. Dieses Programm wurde im Jahr 2010 von der damals schwarz-gelben Landesregierung unter dem Titel „Konzeption im Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“ (Kurs) ins Leben gerufen.

Drei Gefährlichkeitsstufen

Nachdem vier registrierte Straftäter erneut schwere Straftaten in der Region begangen haben sollen und daraufhin festgenommen wurden, drängt die Polizei nun auf eine erneute gründliche Überprüfung. In dem vom Landeskriminalamt betreuten Programm liegt die Führungsaufsicht über die entlassenen Straftäter bei der Justiz, genauer beim Ambulanten Sozialen Dienst, der der Bewährungshilfe angegliedert ist. Alle Beteiligten, darunter die Staatsanwaltschaft, die Polizei und forensisch-psychiatrische Gutachter, beraten bei regelmäßig einberufenen Fallkonferenzen über die mögliche Gefährlichkeit der Probanden und über die aus dieser Analyse fälligen Auflagen und Weisungen. Dabei gibt es drei Gefährlichkeitsstufen, die sich in der Hauptsache nach der sozialen Eingliederungsfähigkeit und dem Umfeld entlassener Sexualtäter richten.

Gleich mehrere von ihnen sind anscheinend wieder mit schwersten Straftaten rückfällig geworden: So soll ein 41-jähriger Aachener einen neunjährigen Jungen über längere Zeit sexuell missbraucht haben, von sieben Mal ist die Rede. Der Missbrauch soll bereits Mitte 2012 begonnen haben, festgenommen wurde der Mann am Fettdonnerstag. Er saß wegen schwerer Sexualdelikte von 2005 bis 2011 ein. Auffällig war, dass er seit einiger Zeit wieder die Nähe von Kindern suchte. Bereits kurz vor ihm war ein 44-jähriger Mann in U-Haft genommen worden, der am helllichten Tag eine Frau in einem Stolberger Ladenlokal in der Innenstadt vergewaltigt haben soll. Er war wegen Vergewaltigung seiner Lebensgefährtin bis 2011 in Haft.

Der dritte Rückfall eines „Kurs“-Probanden ereignete sich in Eschweiler. Dort soll ein Strafentlassener die dreijährige Tochter seiner Freundin schwer missbraucht haben. Der Mann war bis 2008 in Haft, weil er in einem Pflegeheim eine Wachkomapatientin missbraucht hatte, er wäre über kurz oder lang aus der für fünf Jahre angeordneten Führungsaufsicht herausgefallen. Ein vierter Fall eines aus Mechernich stammenden Mannes ereignete sich in Düren. Dort soll der 32-Jährige eine Frau in einer Wohnung vergewaltigt haben.

Der in Aachen für die Koordination des „Kurs“-Programmes zuständige Kriminalrat Ralf van Uden und Polizeipräsident Oelze bekundeten am Montag einmütig, dass jede der Festnahmen ein schwarzer Tag für die Polizei gewesen sei. Oelze war sich aber sicher: „Wir haben hier keine Fehler mit unserem System gemacht.“ Und man müsse trotz erheblicher Ängste in der Bevölkerung feststellen, dass es „eine 100-prozentige Sicherheit nicht gibt“. Trotzdem sei das jetzige Vorgehen mit einem engmaschigen Netz an genauen Weisungen und Überwachungen das beste.

Oberstaatsanwalt Peter Jansen (Aachen) bestätigte auf Anfrage der „Nachrichten“: „Wir werden alle Fälle neu unter die Lupe nehmen.“ Alle vier Täter sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft.

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