Aachen: Versteckter Koloss hat einen neuen Besitzer

Aachen : Versteckter Koloss hat einen neuen Besitzer

Eine offenkundig stabile Immobilie hat ein Aachener am Wochenende ersteigert: Als einziger Bieter bekam er bei einer Auktion in Berlin der Zuschlag für den alten Bunker an der Südstraße.

Das Bauwerk ist zwar einerseits wuchtig, andererseits aber doch unscheinbar. Gut versteckt liegt der Bunker hinter dem Gebäude der ehemaligen Kunstgewerbeschule an der Südstraße. Die Tarnung war Programm in zweiten Weltkrieg.

„Das geschah, um den Bunker für feindliche Bomber unsichtbar zu machen”, erklärt Angelika Pauels vom Stadtarchiv. Noch heute hätten deshalb einige Häuser an der Südstraße nur Fenster zur Straßenseite hin; die Rückfront sei schließlich mit dem Klotz aus Stahl und Beton zugebaut.

Von dessen Dornröschenschlaf hinter der ehemaligen Kunstgewerbeschule - die heute als Wohnhaus genutzt wird - wissen selbst viele Anwohner nichts. Dabei wird die Entstehungsgeschichte des Bauwerks in Band elf der Veröffentlichungen des Stadtarchivs (erschienen unter dem Titel „Zwangsarbeit in Aachen” im Verlag der Mayerschen Buchhandlung) erläutert. Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Bau der Bunker in Aachen.

Zwangsarbeiter

Den 900 Quadratmeter großen „Hochbunker” an der Südstraße nahm man nach dem Beginn des Luftkriegs über Deutschland in Angriff. Auf der Baustelle schufteten ab dem Sommer 1941 zeitweise bis zu 200 Zwangsarbeiter, zumeist französische Kriegsgefangene. Die Arbeiten gingen nur schleppend voran, es fehlte kriegsbedingt an den Baumaterialen wie Stahl und Beton.

Einen direkten Treffer musste der „Hochbunker” offenbar nie verkraften. In den letzten Tagen des Krieges jedenfalls war der Koloss noch so intakt, dass die Klinischen Anstalten von der Goethestraße dort ein Lazarett einrichten konnten.

Zuletzt gehörte der Bunker dem Bund und wurde verwaltet vom Bundesvermögensamt. Das hatte wenig Freude an dem alten Klotz, der seinem Besitzer schließlich keine nennenswerten Einnahmen bescherte.

Der neue Eigentümer hat indes auch noch keine konkreten Pläne für das Objekt. Gedanken über die zukünftige Nutzung will er sich erst später machen.