Verkehrssicherheit im Frankenberger Viertel

Diskussion im Bürgerforum : Im Zweifelsfall hilft nur noch ein Sprung

Den Schleichverkehr aus dem Viertel heraushalten und stattdessen bessere Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger schaffen: Das ist das erklärte Ziel eines Bürgerantrages, den eine Reihe von Organisationen zur „Verbesserung der Lebensqualität im südlichen Frankenberger Viertel“ erarbeitet haben.

Im Antrag werden vier Schwerpunkte genannt, die die verkehrliche Situation verbessern sollen. Die Bismarckstraße spielt dabei eine wesentliche Rolle. In ihrem gesamten Verlauf sollte demnach Tempo 30 gelten, sie sollte vom Autoverkehr entlastet werden, und die Kreuzung Bismarckstraße und Viktoriaallee sollte fahrradfreundlich gestaltet werden. Gereon Hermes, Projektwerkstadt „Fahrradfreundliches Brand“, führte jetzt im Bürgerforum eine ganze Reihe von Maßnahmen an, die nach Meinung der beteiligten Organisationen helfen könnten, die Situation zu verbessern. Und er forderte einen Verkehrsversuch, um die genannten Punkte gleich auf ihre Tauglichkeit zu prüfen.

„Gerade die Bismarckstraße ist aber auch der Schwerpunkt mit Blick auf die weitere Vorgehensweise bei der Umsetzung der Rad-Vorrang-Routen“, betonte Ye-One Rhie (SPD), als Gereon Hermes und Matthias Salb den Bürgerantrag im Bürgerforum vorstellten. Laut Rhie sollte auch die Bismarckstraße eigentlich als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Dann würden Radfahrer hier sowieso bevorzugt behandelt, aber: Auf der Bismarckstraße sind derzeit zu viele Autos unterwegs, und zwar so viele, dass sie laut Regelwerk nicht als Fahrradstraße ausgewiesen werden kann.

Als mobilitätspolitische Sprecherin der SPD warb Ye-One Rhie um Geduld. Ein jetziger Verkehrsversuch im Frankenberger Viertel würde die Pläne zur Umsetzung der Rad-Vorrang-Routen mit entsprechender Benennung von Fahrradstraßen eher behindern, meinte sie. Und die Ergebnisse eines solchen Verkehrsversuchs würden für die Beratungen im nächsten Mobilitätsausschuss dann auch noch gar nicht vorliegen.

Wie zwingend aber der Wunsch der Bürger ist, die ihrer Meinung nach höchst schwierigen Verhältnisse zu ändern, wurde während der Sitzung mehr als deutlich.

Eine junge Frau aus den Zuschauerreihen beschrieb eindrucksvoll, wie sie als Radlerin „immer wieder gezwungen sei, Dinge zu tun, die eigentlich nicht erlaubt sind“: Auf den Bürgersteig ausweichen beispielsweise, um den stinkenden Abgasen der Autos im Stau nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Und in der Tat beschrieben auch andere Frankenberger Situationen, die sie immer wieder als höchst unangenehm empfinden. Dabei fühlen sich gerade auch die Fußgänger von den Radfahrern bedroht. „Wenn ich als Fußgängerin die Straße queren will, dann geht das oft gar nicht mehr, und ich weiß nicht, auf wen ich zuerst achten soll: Auf die Autofahrer oder auf die Radfahrer“, sagte eine Anwohnerin aus der Turpinstraße, und fügte dann noch hinzu: „Im Zweifelsfall springe ich zur Seite.“

Das Interesse an einer Verbesserung der Situation ist offensichtlich groß. Wie das in der Praxis aber aussehen könnte, darüber bestand gerade im Zuschauerraum kaum Einigkeit. Die Politiker des Bürgerforums ihrerseits halten die Vorschläge des eingereichten Bürgerantrags für durchaus beachtenswert. Henning Nießen (Grüne) zeigte sich optimistisch mit Blick auf die Zukunft der Bismarckstraße als Fahrradstraße. Doch damit wollten sich die Vertreter des Antrags nicht begnügen.

Viktoriaallee mehr belasten

Sie wollen, dass die Viktoriaallee stärker belastet, und die Bismarckstraße entlastet wird – und sie wollen, dass ihr Konzept schon jetzt probeweise umgesetzt wird. Laut Gereon Hermes und Matthias Salb könnten die vorgeschlagenen Maßnahmen die Situation sofort verbessern, während die Umsetzung der Rad-Vorrang-Routen noch Jahre in Anspruch nehmen werde. Der komplette Bürgerantrag kann im Ratsinformationssystem der Stadt Aachen als Anlage zur Sitzung des Bürgerforums am Dienstag, 17. September, eingesehen werden.

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