Aachen: Verkehrspolitiker kehrt der SPD enttäuscht den Rücken

Aachen : Verkehrspolitiker kehrt der SPD enttäuscht den Rücken

Der Streit um die Umweltzone brachte für Martin Christfreund das Fass zum Überlaufen: Dass sich seine Parteifreunde mehr Gedanken über den Einzelhandelsstandort als über gesunde Luft machen, ist für ihn so schwer erträglich, dass er am Montag die Konsequenzen zog und seinen Austritt aus der SPD erklärte.

Seit mehr als 25 Jahren ist er Mitglied bei den Genossen und in dieser Zeit vor allem in der Verkehrs- und Umweltpolitik aktiv gewesen. Er gehört zur Garde der streitbaren Politiker, die ein klares Wort und auch den Konflikt nicht scheuen.

Doch den mit der eigenen Partei will er nun nicht länger austragen. Als erklärter Gegner der großen Koalition sowohl im Bund als auch in der Stadt Aachen äußert er sich tief enttäuscht über die derzeitige sozialdemokratische Politik.

Dazu gehört auch das Unbehagen über die eigene Fraktion, die seiner Meinung nach aus Koalitionsräson zu viele Zugeständnisse in der Verkehrspolitik macht. „Wie lange noch wollt ihr nichts tun“, fragte er seine Genossen, als die nun gemeinsam mit der CDU eine Klage gegen die Umweltzone ins Gespräch brachten. Seine Parteifreunde und die Politik und Verwaltung insgesamt in Aachen hätten dieses Thema seit mehr als 15 Jahren verschlafen, kritisiert Christfreund, der auch im ADFC aktiv ist und dort nun seine weiteren Arbeitsschwerpunkte sieht.

SPD-Fraktionschef Michael Servos nennt Christfreunds Schritt „total schade“. Er zeigte zugleich Verständnis, weil Christfreund vor allem für die Radfahrer in der Stadt mehr bewegen wollte, als er erreichen konnte. „Er war für uns eine Bereicherung und eine wichtige Stimme“, sagt Servos. Eine Schwächung in der Umweltpolitik fürchtet Servos für seine Fraktion jedoch nicht. „Wir haben weiterhin sehr engagierte Vertreter.“

Zudem wolle die SPD weiterhin Kontakt zu Christfreund halten und dessen Meinung und Sachverstand berücksichtigen. Das Verhältnis zur SPD sei nicht zerrüttet, betont auch Christfreund. Man habe ihm den Abschied schwer gemacht, sagt er. „Erstaunlich verständnisvoll“ und gar mit Applaus habe man auf seine Austrittsbegründung reagiert.

Christfreund hat lange Zeit im Verkehrsausschuss mitgearbeitet und ist seit dieser Legislaturperiode im Umweltausschuss aktiv. „Zu luschig“ findet er dort jedoch viele Akteure, weshalb er sich nun verstärkt der Verbandsarbeit des ADFC zuwenden will. Den Weg in eine andere Partei schließt er für sich derzeit aus.

(gei)
Mehr von Aachener Nachrichten