Aachen: Verkehrsexperte wirft teure Fehlplanung in neuer Bewohnerparkzone vor

Aachen : Verkehrsexperte wirft teure Fehlplanung in neuer Bewohnerparkzone vor

Schlechten Service kann man der Verwaltung im Frankenberger Viertel nicht nachsagen: Wer dort einen Parkschein ziehen muss, hat es meist nicht weit, denn Aachens jüngster Bewohnerparkbereich wurde durchaus üppig mit Parkscheinautomaten ausgestattet. Womöglich sogar allzu üppig, wie Anwohner bemängeln.

Am auffälligsten zeigt sich dies unweit des Oppenhoff-Denkmals in der Oppenhoffallee, wo gleich vier Automaten dem Autofahrer die Qual der Wahl verschaffen. Wohin nur mit den Parkgroschen? Keine zehn Meter stehen die Gerätschaften von­einander entfernt — einer rechts, einer links, zwei in der Mitte.

Im Grenzbereich

An einen Schildbürgerstreich glauben nicht wenige Anwohner, die sich daher auch schon bei der Stadt beklagt haben, wie Axel Costard vom Presseamt bestätigt. Doch laut Verwaltung gebe es einen guten Grund für die Vielzahl der Automaten: Sie stehen an der Grenze der beiden Parkzonen V und Z, die sich in einem winzigen Detail voneinander unterscheiden: In der Zone V wird neben den üblichen Stundentarifen zusätzlich ein Tagesticket für acht Euro angeboten.

Man habe daher für V und Z verschiedene Automaten aufstellen müssen. Dumm nur, dass Autofahrer den Unterschied gar nicht erkennen können. Eine klare Kennzeichnung der Automaten gibt es derzeit nicht, was die Verwaltung allerdings noch einmal überdenken will. Noch bedient sich jeder Autofahrer fröhlich nach Belieben, zumal den meisten auch verborgen bleiben wird, ob ihr Fahrzeug nun im Terrain V (mit Tagesticket) oder Z (ohne Tagesticket) steht.

Mit einem einzelnen Automaten wäre das auch zu regeln gewesen, ist jedenfalls Wim Steinhart überzeugt, der als Diplom-Ingenieur und Verkehrsberater durchaus weiß, wovon er spricht. Einst hat er auch die Parkzonen in der Innenstadt mitgeplant, inzwischen ist er mit seinem Büro „beplan“ eher für Städte entlang der Rheinschiene tätig.

Geärgert hatte sich Steinhart zunächst vor allem darüber, dass die Stadt einen Parkscheinautomaten unmittelbar vor eine denkmalgeschützte Hausfassade an der Oppenhoffallee gesetzt hat. Erst dachte er an ein Versehen, doch das verneinte die Stadt. Steinhart hat sich daraufhin die Standorte der Automaten genauer angesehen. Sein Ergebnis: Die Aufstellung der Automaten sei „nicht mit ingenieurmäßiger Sorgfalt und unter dem Gebot der Wirtschaftlichkeit“ erfolgt.

So seien aus seiner Sicht mindestens zehn Automaten zu viel im gesamten Quartier aufgestellt worden. Alleine an der Oppenhoffallee hat er fünf überflüssig und mehrere „unsachgemäß“ aufgestellte Automaten ausfindig gemacht. An der Viktoriaallee, wo alleine die Kreuzung zur Frankenberger Straße mit drei Automaten bestückt wurde, gebe es ebenfalls drei Geräte zu viel.

Laut Steinhart ordnen Planer üblicherweise 50 bis 80 Stellplätze einem Automaten zu. Im Frankenberger Viertel kommt hingegen an manchen Stellen ein Automat auf gerade mal 20 Stellplätze.

Kein Weg zu weit

Diese Dichte sei gewollt, behauptet hingegen die Verwaltung, die eine andere Rechnung aufmacht: Für 2900 Stellplätze im Viertel gibt es 75 Automaten, was einem Schnitt von 40 Plätzen je Gerät entspricht. „Wir sehen das als Service und nicht als Geldverschwendung an“, so Costard. Kein Autofahrer soll sagen können, er habe keinen Parkschein ziehen können, weil der Weg zum Automaten zu weit ist.

So viel Fürsorge hat aber in der Tat seinen Preis: Jeder Automat schlägt inklusive Fundament nach Angaben der Stadt mit rund 5500 Euro zu Buche. Nach Steinharts Rechnung hat die Stadt in der Parkzone V demnach mindestens 55.000 Euro zu viel ausgegeben. Zugleich dauert die Refinanzierung länger, da die Umsätze pro Automat sinken. Er zieht daraus den Schluss: „Bei gleichem Überwachungsaufwand wäre die Parkscheibe hier das deutlich preiswertere Regelungsinstrument.“