Übung macht den Meister: Verkehrserziehung wird seit 1959 auf dem Verkehrsübungsplatz groß geschrieben

Übung macht den Meister : Verkehrserziehung wird seit 1959 auf dem Verkehrsübungsplatz groß geschrieben

CHIO, Fridays for Future, Karneval, Weihnachtsmarkt, Spiele der Alemannia, Sportevents... Überall da, wo das feierwütige Volk in Aachen Veranstaltungen mitmacht, sind sie im Einsatz: die Verkehrskadetten Aachen.

Ihre Aufgaben sind vielfältig, und doch steht bei den rund 45 Frauen und Männern in gelb unter der Leitung von Michael Günter immer die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer an erster Stelle – und das nun seit 40 Jahren, bei etwa 220 Veranstaltungen im Jahr.

Gefeiert wurde das Jubiläum am Samstag bei einem Aktionstag auf dem Fahrradübungsplatz an der Hohenstaufenallee. Denn auch dieser feiert dieses Jahr einen runden Geburtstag. Am 25. April 1959 wurde der innerstädtische Übungsplatz eröffnet. „Zuvor fand die Fahrradausbildung viele Jahre lang im Park am Hangeweiher statt“, erzählte Michael Schulz, Vorsitzender der Verkehrswacht Aachen. Doch der Wunsch nach einem realistisch nachgebildeten Verkehrsraum war groß.

60 Jahre später ist lediglich der Baumbestand kräftig gewachsen, der Übungsplatz aber unverändert und gepflegt wie am Tag seiner Eröffnung. Finanziert wird der Übungsplatz zum einen durch die Kommune, sowie Landes- und Bundesförderprogramme, zum anderen jedoch aus jeder Menger Spenden. So konnten beispielsweise ausreichend Fahrräder in unterschiedlichen Größen angeschafft werden, sodass Schulklassen auch mit dem Bustransfer anreisen können und nicht die eigenen Fahrräder mitschleppen müssen.

Von Ostern bis Herbst ist auf dem 8000 Quadratmeter großen Areal tagtäglich Betrieb, dazu zählen auch Unterrichtsstunden für jugendliche Asylbewerber, die sich im abgesperrten Raum mit den Verkehrsregeln vertraut machen können, sowie Kurse der Stadt.

Doch die Verkehrserziehung fängt nicht erst mit der Fahrradprüfung an. Gefördert wird schon ab dem Kindergarten, beispielsweise mit dem Puppentheater der Polizei, wo es um Sicherheit im Straßenverkehr geht. „Ich finde es ganz wichtig, dass unsere Kinder in dieser motorisierten Welt leben und überleben können“, meinte Josette Rekitt. Seit Mitte der 80er Jahre setzt auch sie sich aktiv für mehr Sicherheit ein – auch jetzt als Rentnerin, denn ihre Divise ist: „Nie aufgeben!“

Freuten sichpüber zwei gelungene Jubiläen (v.l.): Klaus Voussem, Vizepräsident der Landesverkehrswacht NRW, Michael Günter, Leiter der Verkehrskadetten Aachen, Josette Rekitt, pädagogische Fachkraft für Verkehrserziehung, Michael Schulz, Vorsitzender der Verkehrswacht Aachen, und Jürgen Scholl (Polizei NRW). Foto: Andreas Cichowski

Diese Zeichen kamen natürlich positiv bei der Politik an. Klaus Voussem, Landtagsabgeordneter und Vizepräsident der Landesverkehrswacht NRW, schätzt das Ehrenamt sehr: „Die Verkehrskadetten sorgen dafür, dass bei Großveranstaltungen alles reibungslos abläuft und keiner zu Schaden kommt.“

Beim Aktionstag gab es für Besucher viele Angebote von Polizei, Dekra, Stadt, der Landesverkehrswacht NRW, sowie dem THW: Der tote Winkel ist ein ganz wichtiges Thema in Bezug zu jüngsten Unfällen in Aachen, ebenso wie die 1,5 Meter Abstand, die KFZ-Fahrer zu Radfahrern einhalten sollen. Für rote Köpfe sorgte nicht nur das sonnige Wetter, sondern auch der spannende Überschlagsimulator der Dekra. Fahrrad- und Rollerparcours für alle Altersgruppen, ein Pedelec-Simulator und vieles mehr luden zum Mitmachen ein.

Ziel des Zusammenwirkens aller Institutionen sei ganz im Sinne der Verkehrspolitik: „Vision Zero“ – „das ist natürlich utopisch, aber wir wollen die Zahl der Verkehrsunfälle mit schweren Folgen soweit wie möglich reduzieren“, schilderte Voussem.

Als Anerkennung für ihr besonderes Engagement im Ehrenamt und ihrem Beitrag für mehr Sicherheit im Straßenverkehr wurden Josette Rekitt und Michael Günter mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.

„Die Verkehrswacht Aachen sticht aufgrund ihres langjährigen Engagements ganz besonders heraus und ist vorbildlich für ganz NRW“, lobte Voussem. Damit das auch zukünftig so bleibt, werde allerdings weitere Unterstützung gesucht. „Jeder ab 14 Jahren kann sich beteiligen“, so Günter. Dabei erlebe man auch eine tolle Gemeinschaft und auf die Mitglieder warten viele Aktionen. Denn als Anerkennung für ihr Ehrenamt gehe 100 Prozent der Einnahmen in die Jugendarbeit und kommt Ausflügen, Studienfahrten und anderen gemeinsamen Aktivitäten zugute.

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