Aachen: Vergwaltigungsprozess: Das Opfer missbraucht und erniedrigt

Aachen : Vergwaltigungsprozess: Das Opfer missbraucht und erniedrigt

Bereits beim Prozessauftakt vor der 3. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht machte der 26-jährige Kubilay S. keine gute Figur. Er konnte quasi gar keinen Eindruck bei Gericht hinterlassen, weil er es gar nicht erst für nötig befand zu erscheinen. Das kommt ab und an vor, sollte sich aber bei S., dem eine Vergewaltigung aus dem April 2011 zur Last gelegt wird, zu einer Dauerhaltung verfestigen.

Denn selbst am Tag der Urteilsverkündung erschien der Angeklagte nicht und bekam als Quittung in Abwesenheit eine Strafe von zweieinhalb Jahren Haft plus einen Haftbefehl aufgebrummt. Jetzt wird die Polizei nach ihm suchen. Beim zweiten Termin der Kammer unter Vorsitz von Richter Markus Vogt war der Angeklagte zwar erschienen, gab sich da aber völlig desinteressiert und schweigsam, räumte am Ende allerdings Teile der Vorwürfe ein. Laut Anklage soll S. zwischen 5 und 6 Uhr am Morgen jenes Karfreitags eine Person, die er in der Heinrichs­allee auflas und in seinem Wagen mitnahm, später an einer einsamen Stelle im Soerser Weg zum Oralsex gezwungen haben.

S. hatte im Prozess angegeben, er habe in der Promenadenstraße eine Prostituierte gebucht, die sich dann aber kurz vor dem Vollzug als Mann, als Transsexuelle, entpuppte. Da sei ihm „die Hand ausgerutscht“ und er habe der Person eine Ohrfeige verabreicht, im übrigen aber auf dem Vollzug der sexuellen Dienste bestanden.

Die Transsexuelle, die in der Tat in dem Ruf stand, sich als Prostituierte zu verkaufen, schilderte den Vorfall anders. Sie sei übel geschlagen und auf den Knien mit Gewalt zum Oralsex gezwungen worden, gab sie noch am selben Morgen bei der Polizei zu Protokoll, von Sex sei am Anfang keine Rede gewesen.

„Entwürdigend“

Für Staatsanwältin Pascale Schlimm spielt die Tatsache, dass sich die Geschädigte seit Jahren im Milieu aufgehalten hat, keine Rolle. Die 50-Jährige sei zwar eine „schillernde Person“, die Tat jedoch sei eine brutale orale Vergewaltigung und für das Opfer „äußerst entwürdigend“ gewesen. Dazu trug das Opfer Blessuren davon, damit war der Tatbestand einer Körperverletzung erfüllt. Der Angeklagte war hier bereits einschlägig vorbestraft, ergab das für sein Alter bereits lange Vorstrafenregister.

Das alles sah das Gericht mit dem Vorsitzenden Richter Vogt ebenfalls so. Vogt bewertete den Antrag der Staatsanwältin sogar „als maßvoll“ und bestätigte, die Tat sei als „eine besondere Erniedrigung des Opfers“ zu werten gewesen. Die Kammer verhängte am Ende für den verurteilten S. einen Haftbefehl.

(wos)