Aachen: Verein setzt die Mint-Fächer „cool“ in Szene

Aachen : Verein setzt die Mint-Fächer „cool“ in Szene

Informatik? Das machen doch nur Nerds! Physik? Das ist doch eher ein Fach für Jungs, oder? Die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz Mint, werden von so einigen Vorurteilen belastet. Damit will der Verein Antalive aufräumen, und Oberstufenschülern zeigen, wie vielfältig die Mint-Berufe sein können.

Denn Antalive steht für „Angewandte Naturwissenschaften und Technik live erleben“. Um diese Fächer aus den Klischeenischen zu befreien, hat sich das „Zukunft durch Innovation“-Zentrum (zdi) Hilfe von Professorin Claudia Mayer und ihrem Communications and Media Research Lab der Fachhochschule (FH) Aachen geholt.

Zwei Jahre lang haben die beiden Institutionen eng zusammengearbeitet, zwischenzeitlich gar mehr als zehn Personen mit der Aufgabe betraut. Jetzt wurde das Ergebnis präsentiert. Ein neuer Image-Film, drei Projektfilme und eine überarbeitete Website, so sieht das aufpolierte Corporate Design von Antalive jetzt aus. Es soll ab sofort nicht nur Schüler, sondern auch zukünftige Projektpartner von der Arbeit des Vereins überzeugen.

Mayer und ihr Team wollten das Thema möglichst „cool“ vermitteln und haben daher zum „Hype-Medium“ Film gegriffen. Ferienintensivkurse, Schülerwettbewerbe, Experimentierworkshops — außerschulische Angebote von Antalive bei Firmen sollen Schülern zeigen, was Arbeiten in Mint-Berufen wirklich heißt.

„Der Ingenieur läuft schon lange nicht mehr im Blaumann herum“, sagt Antalive-Vorsitzende Brigitte Capune-Kitka und lacht. Der heutige Ingenieur arbeitet im Team, problemorientiert, kreativ, interdisziplinär, eigenständig. Sie kritisiert, dass es an den Schulen außer in Biologie selten naturwissenschaftliche Leistungskurse gebe. „Wie sollen die Schüler da wissen, was Mint eigentlich bedeutet?“, fragt die ehemalige Landtagspolitikerin.

Mit 26 Schulen arbeitet der Verein in der Städteregion zusammen. Beim Mathe-„Cammp“ lernen die jungen Menschen, mit einem computergestützten mathematischen Modellierungsprogramm umzugehen. In einem anderen Workshop geht es darum, die bestmögliche Lösung für die Energieintegration in Prozessanlagen zu entwickeln. Schüler Julian Podzka bestätigt: „Wir hatten wirklich Spaß, und die Konzepte regen zum Nachdenken an.“

In Deutschland, wo die Wirtschaft zum Großteil von Berufen in den Mint-Bereichen vorangetrieben wird, fehlen Fachkräfte und vor allem: Frauen. Eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit vom Februar 2014 zeigt, dass 2013 etwa 7,3 Millionen Menschen in Mint-Berufen tätig waren. Nur rund 14 Prozent davon waren Frauen.

Für Mayer ist das alarmierend: „Menschen sollen sich in unserer Gesellschaft nicht nach Klischees, sondern nach ihren Fähigkeiten entwickeln.“ Mit Frauenwitzen, fehlenden Sanitäranlagen für Frauen und Männerdominanz sei das Klima oft eher so, dass Frauen sich nicht wohlfühlten. „Das muss reformiert werden“, sagt die Professorin. Schließlich sei an keiner Stelle nachgewiesen, dass es geschlechtsspezifische Vorteile gibt. Deswegen soll das neue Design auch mehr Mädchen für Mint begeistern.

Auf der Website, die bald online geht, können die Schüler sich sofort für Angebote anmelden. Doch das Aufbessern der Vereinskommunikation ist erst der Anfang. Capune-Kitka freut sich besonders, dass im kommenden Sommer auch eine erste Schüler-Gruppe im Media Lab an der FH mit Professor Mayer Erfahrungen sammeln wird.

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