Aachen: Verein Aachener Kasperle: 24.000 Besucher in 30 Jahren

Aachen: Verein Aachener Kasperle: 24.000 Besucher in 30 Jahren

An hölzernen Gesellen gibt es in Aachen nicht nur das Schängchen, sondern auch das Kasperle. Zum Leben erweckt wird dieses Öcher Unikum vom gleichnamigen Verein, der jetzt sein 30-jähriges Bestehen feierte. Ort des Geschehens war das Vereinslokal „Zum durstigen Gärtner” in der Kleingartenanlage Am Höfling.

Auch Aachens erster Bürger Jürgen Linden hatte ein Grußwort geschickt und das Aachener Kasperle als eine Kulturinstitution bezeichnet, die „den Kampf gegen das Böse, die Liebe zu anderen und die Fröhlichkeit fördert”. Bürgermeisterin Sabine Verheyen fügte noch diese tröstliche Erkenntnis hinzu: „So ist Kaspar auf seine Art bis heute aktueller und moderner, als es Fernsehfilme und Computerspiele je sein können.”

Fröhlichkeit herrschte im voll besetzten Saal, als Vorsitzender Gerhard Heyden noch einmal gute und schlechte Zeiten Revue passieren ließ. Urahn des Vereins ist Edgar Perseke, pensionierter Lehrer und leidenschaftlicher Puppenspieler. Als er 1978 starb, setzte Heyden sein Erbe fort und riss eine kleine Gruppe von Jugendlichen durch seine Begeisterung mit.

Daraus entstand 1978 der Verein, dessen Vorstellungen inzwischen von fast 24.000 Menschen aller Altersklassen besucht wurden. Allein 23 Aufführungen bewältigte die ebenfalls vom Verein geleitete Spielgruppe „Schnapp und Fang” in der JVA.

Idealismus

Natürlich gab es auch allerhand Ameröllchen zu berichten, etwa von dem Auftritt im Autohaus, wo man im Spieleifer mehrere Neuwagen beschädigte. Oder als ausgerechnet beim Kinderschutzbund dem Kaspar beide Beine ausgerissen wurden. Mal klappte eine Truhe falsch zu, mal wurde das Podest vom Sturm weggerissen, mal war das Auto kaputt, mit dem man die Kulissen transportierte.

Jahrelang musste man die Bühne in Monschau lagern, häufig wechselten die Probestätten. Nicht immer konnte man da den nötigen Idealismus aufrechterhalten, nicht immer war es leicht, hier und da als Puppenspieler belächelt zu werden. Aber das hält letztlich keinen auf, der einmal vom Bazillus Kasperle angesteckt ist.

Und so konnten zum 30-Jährigen zahlreiche langjährige Mitglieder, Helfer und Unterstützer geehrt werden, auch solche, die nicht im Rampenlicht stehen, denn ein großer Teil der Arbeit findet im Verborgenen statt. Auch Geschäftsführer Wolfgang Koch dankte für die zahlreichen selbstlosen Einsätze „auf der Leiter und am Computer”.

Was so alles „auf der Leiter” geleistet wird, bewies die Dekoration des Festsaales, der rundum mit den Kulissen, Puppen und Stoffen aus zahlreichen früheren Stücken geschmückt war. „Ja, der Kaspar hat viele Freunde, zum Glück auch solche, die spontan bereit sind, mit anzupacken.”

Hund kräht wie ein Hahn

Und dann ging es los auf den Brettern, die die kleine Figurenwelt bedeuten. Alle Kinder waren tatsächlich da und wunderten sich erst mal, dass Hund Struppi wie ein Hahn krähte. Er hat wohl bei der VHS Fremdsprachen gelernt. Als er mit Hilfe der Kinder endlich richtig bellen konnte, bekam er zur Belohnung eine Wurst der Metzgerei Lennartz, denn warum soll nur im Fernsehen Schleichwerbung gemacht werden? Hier beim Kasperle gibt´s wenigstens eine echte Gegenleistung dafür.

Die Story selbst kommt einem bekannt vor: die gute alte Dombausage und wie sie den Teufel zweimal überlisten.

Die Finanznöte der Stadt sind für die Kinder persönlich nicht so interessant, und so verlangt der erste Steppke nach fünf Minuten lautstark: „Ich möchte was zum Naschen!” Das kriegt er auch, und allgemeine Heiterkeit gibt es noch mal, als sekundengenau zum Auftritt von Krippekratz ein Bierglas runterfällt. Aber „Ende gut - alles gut!”, das ist hier das Grundgesetz.

Viel Applaus für die sieben Puppenspieler, darunter zwei ganz junge. „Schön habt ihr gespielt”, sagt eine Zuschauerin, und ein Kind stellt befriedigt fest: „Das war lustig, Oma!” Was will man mehr, ob nach drei oder nach dreißig Jahren?

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