Aachen: Verdienste um Theologie und die Fakultät

Aachen : Verdienste um Theologie und die Fakultät

Die Couven-Halle reichte nicht aus, so viele hatten sich im Vorfeld angekündigt. Also wurde die Abschiedsvorlesung von Ulrich Lüke kurzfristig in den Generali-Saal des Super-C verlegt. Per Lautsprecher konnten Gäste die Veranstaltung im benachbarten Ford-Saal verfolgen.

Es hatte ein bisschen etwas von Karlspreisverleihung, befand Wendelin Haverkamp, aber dazu später. 2001 kam der gebürtige Münsterländer als Professor für Systematische Theologie und Direktor des Instituts für Theologie nach Aachen.

Kollege Guido Meyer erinnert sich an das erste Zusammentreffen: Frisch an die Uni gerufen, wollte er vom Institutsleiter wissen, wie es denn nun weitergehe. Er traf auf einen freundlichen, bestimmten und etwas kauzigen Mann in Jeans und Holzfällerhemd, „eher Biologe als Theologe“.

Der Eindruck sollte nicht täuschen. Die Verbindung von Theologie und Biologie ist an einer technisch ausgerichteten Hochschule nicht verkehrt. Gleichzeitig brachte sie auch immer wieder ganz eigene Sichtweisen Lükes zutage, von denen Schriften wie „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ oder „Das Säugetier von Gottes Gnaden“ zeugen.

Nach der ersten Begegnung war zumindest klar, dass sein „Chef“ auch nicht viel schlauer war als Meyer selbst, was seine berufliche Zukunft anging. Doch im Folgenden entwickelte sich eine 14-jährige Zusammenarbeit, geprägt von Transparenz und Ehrlichkeit. „Sie fehlen uns“, gab Christine Roll, Dekanin der Philosophischen Fakultät dem scheidenden Theologieprofessor mit auf den Weg. Sie erinnerte sich an Lükes Diskussionsfreudigkeit, aber auch an seine oft kritischen Beiträge. Beides schätze sie sehr. Dass die philosophische Fakultät an der RWTH fest verankert sei, sei nicht zuletzt auch Lükes Verdienst gewesen.

Sehr persönliche Worte fand Altbischof Heinrich Mussinghoff in seinem Grußwort. Er erinnerte an gemeinsame Jahre in Münster. Die Welt brauche auch geistige Anstöße, dafür stehe Ulrich Lüke. Er sei ein Mann, der bewusst oft gegen den Strom schwimme, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp. Er erinnerte an die Nebenleben, die Lüke in Aachen als Subsidiar in der GdG Kornelimünster/Roetgen wahrnahm und als Ordensträger der „Krüzzbrür“.

„Mitbruder“ Wendelin Haverkamp zog gar die Neugründung einer rein geisteswissenschaftlichen Universität in Aachen in Betracht, um Lüke zum Wiederkommen zu bewegen. „Es ist ein bisschen Aufbruch und eine Zäsur, die ich angemessen finde“, meint der 65-Jährige selbst, aber er hat es auch so gewollt. Eine Verlängerung seines Amtes wollte er so nicht. „Es gibt viele gute junge Leute, die schon mit den Hufen scharren.“

Streitbar, zum Nachdenken anregend und die Disziplinen Theologie verbindend war auch das Thema seiner Abschiedsvorlesung „Jesu Menschlichkeit, nicht Jesu Männlichkeit“. Darin beleuchtet er kritisch das Argument, dass der Sakramentsspendende, der in Gottesdiensten „in persona Christi“ handelt, zwingend ein Mann sein muss. Genetisch sei der Unterschied zwischen männlich und weiblich verschwindend gering. „Auf dem Y-Chromosom befinden sich 78 von insgesamt 23.000 Genen des Menschen“, sagt Lüke.

Außerdem müsse es doch, wenn es um die Person Jesu, also um den Menschen gehe, das Geschlecht zweitrangig sein. „Es heißt doch eben in persona und nicht in sexu“. Erfreulich sei, dass die Zukunft des Instituts für katholische Theologie gesichert sei. „Als ich nach Aachen kam, hatten wir eine Auslastung von 32 Prozent, jetzt liegen wir bei 100 Prozent.“ Diskussionsfreudig und streitbar wird er auch zukünftig bleiben. Lüke zieht es zurück in die Heimat. Als Krankenhauspriester wird er in Münster vor allem zu Fragen der Bioethik arbeiten.