Veranstaltung nach Taizé-Vorbild in Aachen begeistert Gläubige

Nacht der Lichter im Aachener Dom : Besondere Atmosphäre lockt viele ins Oktogon

Einmal innehalten und einfach zur Ruhe Kommen: Die mittlerweile zwölfte „Nacht der Lichter“ im Aachener Dom hat am Samstag wieder viele Gläubige angelockt. Das Format erfreut sich zunehmend großer Beliebtheit.

„Ein paar Minuten der Stille“ – das war vielleicht der bewegendste Moment der zwölften „Nacht der Lichter“ im Aachener Dom: Nach etwa 30 Sekunden des Raschelns mit den Liedblättern versanken rund 600 Menschen in echte Stille. Bis auf ein paar Huster war über mehrere Minuten hinweg  nichts zu hören. Viele, besonders auch die jungen, waren ins Gebet versunken. Am Samstag entstand die legendäre Atmosphäre der Communauté von Taizé zum wiederholten Male im Aachener Dom.

Innehalten, zur Ruhe kommen – das ist es, was viele schon seit vielen Jahren bewusst zur Aachener „Nacht der Lichter“ kommen lässt. Monika Hansen kommt mit ihrer Familie dafür jedes Jahr aus Grevenbroich. „Wir nehmen uns bewusst diese Zeit“, sagte sie. In diesem Jahr nutzte Familie Hansen auch die Gelegenheit, sich nach dem Abendgebet im Dom im „Haus der evangelischen Kirche“ noch bei Zitronentee, Käse und Trauben auszutauschen.

Die zehnjährige Aurelia war die treibende Kraft, warum drei Mütter und zwei weitere Freundinnen den Weg in den Dom und anschließend in die Frère-Roger-Straße fanden: „Den Dom einmal anders erleben“, das wollte nicht nur Aurelia, sondern das wollten auch Theresa und Clara, Carolin Mehl, Anne Mülhens sowie Nicole Hennecken-Hönscheid. „Es ist schon toll, dass der Dom dafür genutzt werden kann.“

Der Dom wirkte an diesem Abend durchaus etwas anders als sonst: Ein unbestuhltes, mit rotem Teppich ausgelegtes Oktogon, in gelassener Mehrstimmigkeit und zahlreichen Wiederholungen erklingende Taizé-Gesänge, weitergegebenes Kerzenlicht und Mut machende Texte. Dafür hatten vor allem begeisterte Besucher der Communauté Taizé in Frankreich in Eigenregie gesorgt. „Die Auswahl der Texte, die Gestaltung der Musik, der Aufbau, die Formulierung der Fürbitten – das übernimmt das Team sehr eigenständig“, erläuterte Axel Büker, Synodaler Jugendreferent des evangelischen Kirchenkreises Aachen. „Insgesamt kümmern sich ungefähr 80 Jugendliche und junge Erwachsene darum“, ergänzte Karin Genius, Jugendbeauftragte Aachen-Stadt des Bistums Aachen.

Sie kamen bereits am Nachmittag zum „Countdown zur Nacht der Lichter“ zusammen, probten die Lieder, schleppten Stühle und kümmerten sich um den Aufbau von Technik, roten Segeln, Ikonen und Kerzenaltar.

Die ökumenischen Veranstalter – der Fachbereich kirchliche Jugendarbeit im Büro der Regionaldekane Aachen-Stadt und -Land, der evangelische Kirchenkreis Aachen sowie die Jugendkirche „Kafarna:um“ – brauchen sich eigentlich nur noch um Finanzierung und Werbung zu kümmern.

Angesprochen wurden aber nicht nur eingefleischte Taizé-Fans, sondern auch so mancher Passant, der sich nach Einkaufsbummel und Restaurantbesuch „verirrte“ und erfolgreich zum Bleiben bewegt werden konnte. „Es ist gerade in unserer heutigen Zeit ein schöner Gegenpol: international, miteinander füreinander, besinnend. Es ist schön, dass Religion dieses Verbindende noch sein kann“, meinte Büker.

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