Aachen: Veltmanplatz: Für Sonnenanbeter, die gerne schiefliegen

Aachen: Veltmanplatz: Für Sonnenanbeter, die gerne schiefliegen

Wer gerne schiefliegt, ist im Park am Veltmanplatz richtig. Die kleine Grünanlage unterhalb des Ehrenmals zwischen Saarstraße und Ludwigsallee gibt mit ihrer Hanglage und ihren durchaus stark ansteigenden Wegen einen schönen Vorgeschmack auf den Lousberg.

Bei Sonnenanbetern ist der Park möglicherweise gerade deswegen beliebt: Man kann sich prächtig auf der Wiese unterhalb der Saarstraße genau in Richtung Süden ausstrecken.

Ein schöner alter Baumbestand mit einer mächtigen Blutbuche im Mittelpunkt sorgt auch an heißen Tagen immer für genügend schattige Plätze. Und obwohl der Park kaum größer ist als zwei Fußballfelder, hat er sogar viele lauschige Plätze zu bieten, an denen man sich ganz ungestört fühlen kann.

Überhaupt geht es in dieser Anlage gemächlich zu. Lauter Trubel ist eher die Ausnahme, obwohl hier gerne auch Studenten aus dem Umfeld der Pont—straße eine Auszeit nehmen. Anwohner drehen mit ihren Hunden eine Runde und Eltern gehen mit den Kleinsten auf den umzäunten Spielplatz.

Mit einer kleinen Schaukel, Rutsche, harmlosen Klettergeräten, einem Drehkarussell und Sandkasten werden vor allem die Ein- bis Dreijährigen angesprochen. Ältere Kinder werden dort kaum glücklich. Die dürften sich eher von einem kleinen Bachlauf angezogen fühlen, der gleich nebenan durch ein hübsch angelegte Felsschlucht plätschert. Ein Schild hält Parkbesucher aber davon ab, die Füße ins kühle Nass zu halten.

Entenweiher

Wirklich einladend ist derzeit allerdings weder der Bachlauf noch der dazugehörige Entenweiher. Modder, Schlamm und Algen trüben den Gesamteindruck der ansonsten gepflegt wirkenden Anlage. In einer braunen Brühe dümpeln Pappbecher und leere Zigarettenschachteln zwischen dösenden Enten.

Die Parkanlage, die im Ruf steht, nächtens ein Schwulentreff zu sein, ist nach Philipp Veltman (1859-1916) benannt, der von 1896 bis 1916 Oberbürgermeister in Aachen war. Er galt als kulturell interessiert und hat unter anderem den Ankauf der Villa Cassalette verantwortet, in der heute das Suermondt-Ludwig-Museum untergebracht ist.

In Veltmans Amtszeit fiel auch die Neugestaltung der Parkanlage, die einst Teil des geschlossenen Grüngürtels entlang der äußeren Stadtmauer war. Der Frankfurter Gartenbaudirektor Carl Heicke hat im Jahr 1903 im Aufgangsbereich zum Lousberg seine Handschrift hinterlassen.

Moos­­überzogene Felsbrocken, ausgetretene Steinstufen und uralte Geländer machen heute den besonderen Charme dieses grünen Tupfers im Stadtgebiet aus. Eine eigene Facebook-Seite zeigt, dass sich auch viele jüngere Leute für diesen kleinen, aber feinen Park begeistern.

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