Velocity Aachen beklagt zahlreiche Schäden an den E-Bikes

Velocity Aachen : In drei Wochen mehr als 50 gebrochene Speichen

Zu zweit auf dem E-Bike? Bei dem Verleiher Velocity Aachen ist das ausdrücklich verboten. Trotzdem beklagt das Start-up zurzeit besonders viele reparaturbedürftige Räder. Auch, weil diese nicht sachgemäß genutzt werden.

Die Ansage in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des E-Bike-Verleihers Velocity ist klar und deutlich: „Die Nutzung des Fahrrads darf nur durch eine einzelne Person, deren Gewicht 130 Kilogramm nicht überschreitet, erfolgen.“ Und weiter: „Der Transport weiterer Personen mit dem Fahrrad ist nicht gestattet.“ Die Realität sieht indes anders aus. Immer wieder sieht man im Städtchen Leute auf den E-Bikes, die einen „Beifahrer“ auf dem vermeintlichen Gepäckträger im Schlepptau haben. Nur dass dieser graue Kasten beileibe nicht für Gepäck gedacht ist, sondern selbst wertvolle – und auch sensible – Fracht umhüllt: den Motor. Die Überlastung der Velocity-Bikes führt aber vor allem an anderen Stellen zu Schäden: an der Felge und den Speichen. „In den letzten drei Wochen hatten wir 50 bis 60 Speichenbrüche“, beklagt Velocity-Projektmanager Florian Zintzen. In der Werkstatt komme man bei den Reparaturarbeiten kaum hinterher. „Zurzeit verlassen jeden Tag vier Räder die Werkstatt, und fünf oder sechs kommen wieder rein.“

Das wirkt sich naturgemäß auf die Verfügbarkeit der E-Bikes aus. Aktuell haben die Verantwortlichen eine besonders prekäre Lage zu beklagen. Etwa 60 Räder sind aktuell nach Angaben von Florian Zintzen auf Aachens Straßen unterwegs. Sie verteilen sich auf insgesamt 50 Verleih-Stationen. Man muss kein Mathe-Genie sein, um zu berechnen, dass bei diesem Verhältnis viele Stationen vorerst ohne Räder auskommen müssen und Abonnenten mitunter lange Wege zum nächsten verfügbaren E-Bike zurücklegen müssen.

Verantwortlich dafür sind auch die massiven Vandalismus-Vorfälle vom vergangenen Sommer. Wiederholt hatten Unbekannte die E-Bikes gewaltsam aus den Leih- und Ladestationen gerissen. Velocity musste nicht nur reihenweise defekte Räder reparieren. Auch einzelne Stationen blieben wochenlang gesperrt. Mittlerweile wurde nachgerüstet: Die Stationen sind wieder in Betrieb, die E-Bikes wurden mit einer automatischen Motorabschaltung ausgestattet, die greift, sobald ein Fahrrad unsachgemäß aus der Ladeverankerung entwendet wird. Die „Nachwehen“ seien aber noch heute zu spüren, erklärt Zintzen. Die Auslastung der im System verbliebenen Räder – die Flotte von 180 Rädern wurde stellenweise halbiert – sei enorm. Wurden die Räder vorher durchschnittlich vier bis fünf Mal am Tag genutzt, mussten sie plötzlich zwischen zehn und 15 Fahrten am Tag zurücklegen. „Die Belastung pro Fahrrad nimmt zu“, so der Projektmanager.

Doch Abhilfe naht, versichert Zintzen. 150 neue E-Bikes – leichter und funktionaler als das Vorgängermodell – seien bestellt. Nach Lieferverzögerungen sollen sie ab nächster Woche ins System gehen. In einer Werkstatt der Lebenshilfe würden sie aktuell noch verkehrsfähig gemacht. Weitere E-Bikes sollen bis Mitte 2020 dazukommen. Denn trotz phasenweiser Schwierigkeiten bleibt das Ziel von Velocity ambitioniert: In den kommenden Jahren sollen die Anzahl der Verleih- und Ladestationen auf mehr als 100 Stationen und die Zahl der Leihfahrräder auf 1000 E-Bikes steigen.

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