VBE diskutiert über alarmierende Personalsituation an Grundschulen

Grundschulen brauchen Unterstützung : Der Berufswunsch „Grundschullehrer“ wird immer seltener

„Wer die gleiche Ausbildung hat, der muss auch die gleiche Besoldung bekommen.“ In diesem Punkt waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion in der Grundschule Brander Feld zwar durchaus einig, aber die Realität an den Schulen sieht dennoch ganz anders aus.

Grundschullehrer werden nach wie vor schlechter bezahlt als ihre Kollegen etwa an den Gymnasien, ihre Arbeit wird oft nicht wertgeschätzt, und so mag es auch nicht verwundern, dass der Berufswunsch „Grundschullehrer“ immer seltener geäußert wird.

Die Situation an den Grundschulen der Städteregion ist entsprechend alarmierend. „Von mehr als 70 freien Stellen konnten nur 16 besetzt werden, und nur vier von ihnen mit entsprechend ausgebildeten Kräften“, nannte Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier konkrete Zahlen, bevor sich die geladenen Politiker den Fragen von Moderator Robert Esser stellten.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Region Aachen hatte im Rahmen seiner Mitgliederversammlung zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, die die alarmierende Situation an den Grundschulen beleuchten sollte. Eingeladen waren unter anderem die schulpolitischen Experten der unterschiedlichen Parteien im Landtag. Und alle gemeinsam ließen keinen Zweifel daran, dass es allerhöchste Zeit ist, die Situation in den Griff zu bekommen.

Der VBE Region Aachen hat ein Gedankenexperiment ins Leben gerufen, in dessen Rahmen Schulen darüber nachdenken sollten, was sie mit einem Geldsegen von jeweils 550.000 Euro im Jahr tun würden, denn diese Summe entspricht laut VBE dem Durchschnitt dessen, was die verschiedenen Landesregierungen in ihre Grundschulen investieren.

Die Grundschulen in NRW brauchen dringend Unterstützung: Darüber waren sich die Politiker einig. Doch dem guten Willen müssten eben auch Taten folgen, forderte Matthias Kürten, Vorsitzender VBE Region Aachen. Den derzeitigen Rekordsteuereinnahmen stünden viel zu niedrige Bildungsausgaben gegenüber, kritisierte er und forderte: „Die Landesregierung hat sich die ‚weltbeste Bildung‘ auf die Fahnen geschrieben, dann muss sie auch entsprechend investieren.“

Mangel verwalten

Laut Kürten müssen die Grundschulen derzeit einen Mangel verwalten, den sie selber nicht verursacht haben. Die daraus resultierende Unruhe in der Elternschaft, unter den Kollegen und auch unter den Schülern sei immer deutlicher zu spüren. Was tun, um die Situation zu entschärfen? Und wo liegen die Prioritäten? Genau diese Fragen könnte ein Masterplan beantworten, den NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) versprochen hat. „Ich hatte sehr hohe Erwartungen an diesen Plan“, sagte Stefan Behlau, Landesvorsitzender VBE NRW, zeigte sich dann aber ob der langen Wartezeit enttäuscht: „Jetzt sind meine Erwartungen nicht mehr so hoch.“

Und auch wenn Moderator Robert Esser es immer wieder versuchte: Petra Vogt, Vorsitzende der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, und Franziska Müller-Rech, schulpolitische Sprecherin der FDP im Landtag, ließen sich keine Inhalte des Masterplans entlocken. Sie versprachen nur so viel: „Der Masterplan kommt.“ Dass in der Vergangenheit mit Blick auf die Schulpolitik Fehler gemacht wurden, räumte Eva-Maria Voigt-Küppers, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag, durchaus ein. Dennoch verzichteten die Diskussionsteilnehmer auf das oft so übliche Parteiengezänke. Alle gemeinsam wollen offensichtlich an einem Strang ziehen, um die Situation in den Griff zu bekommen.

„Wir haben noch viele Löcher in unserem Schlauchboot“, betonte zudem Franziska Müller-Rech, und verwies so darauf, dass eben auch an vielen anderen Stellen Investitionen von Nöten sind. Immer wieder kreiste die Diskussion um die Finanzen, und Stefan Behlau brachte es so auf den Punkt: „Geld schießt eben doch Tore.“ Er forderte eine Planung über das „akute Löcherstopfen“ hinaus und sieht in der Ausweitung der Studienplätze eine gelungene Maßnahme. „Gut wäre auch, die Studienstandorte auszuweiten“, fügte er noch hinzu. Dass an der RWTH kein Lehramt mehr studiert werden kann, versteht er als ganz großen Verlust. Der Einsatz von Seiteneinsteigern sei ein gutes Mittel, um dem Lehrermangel zu begegnen, meinte er, forderte aber gleichzeitig entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen. „Die fehlen total“, sagte er.

Angemessene Besoldung

Und Felix Banaszak, Landesvorsitzender Bündnis 90/ Die Grünen, riet allgemein zu mehr Kreativität bei der Lösung von Problemen. Die Lehrer beispielsweise durch administrative oder fachspezifische Kräfte zu unterstützen, hält er für einen guten Weg, damit sich die Lehrkräfte auf ihre ureigensten Aufgaben konzentrieren können. Und wie ein rotes Band zog sich die Frage der angemessenen Besoldung von Grundschullehrern durch die Diskussion. Die neue Regierung im Landtag hat gleiche Gehälter für alle Lehrer versprochen, doch dieses Versprechen bislang nicht in die Tat umgesetzt. Daran erinnerte Robert Esser beharrlich, und zwar so lange, bis Franziska Müller-Rech (FDP) mit den Worten reagierte: „Das Versprechen gilt weiter.“

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