Aachen: Variete soll das Spielcasino beleben

Aachen: Variete soll das Spielcasino beleben

Aachen darf sich allmählich auf ein neues Unterhaltungsangebot an der Monheimsallee gefasst machen: Dem traditionsreichen, aber angeschlagenen Spielcasino soll ein neuer Partner aus der Welt des Varietés zur Seite gestellt werden. Dies zeichnet sich nach einem Gespräch in großer Runde zur Zukunft des in die Jahre gekommenen „Neuen Kurhauses“ ab.

Vorbesprochen wurde am Dienstag zwischen Politik und Verwaltung, was in der ersten Ratssitzung nach der Sommerpause am Mittwoch, 18. September, konkrete Formen annehmen soll und vor allem zu einer deutlichen Attraktivitätssteigerung des Standorts an der Monheimsallee führen soll. Dafür ist es offenbar höchste Zeit, denn die Besucherzahlen des Spielcasinos sinken bedenklich.

Dafür gibt es mehrere Ursachen — vom Rauchverbot über die Konkurrenz im Internet bis hin zu strategischen Fehlentscheidungen. Eine ist aber auch der immense Investititionsstau im Haus, der auch auf das mangelnde Interesse von Casino-Eigentümer Westspiel am Standort Aachen zurückgeführt wird. Doch nicht zuletzt durch den Einsatz der Aachener Landespolitiker in Düsseldorf hat Aachen inzwischen eine Art Glücksspiel-Garantie. Ohne sie hätte es die Konzession für ein weiteres Casino in Köln nicht gegeben.

Um mit der Konkurrenz noch mithalten zu können, ist jedoch ein neues Konzept gefragt, das allmählich Formen annimmt. Zwar haben die Fraktionen noch nicht wieder getagt, dennoch zeichnet sich bereits eine klare Mehrheit ab, künftig den Varietébetreiber GOP ins Boot zu holen, der derzeit bereits an sechs Standorten in Deutschland mit glitzernden Shows und buntem Entertainment Erfolge feiert. GOP soll neue Gäste locken und dafür den Platz nutzen, den das Spielcasino durch einen Rückzug auf ein Drittel der bisher beanspruchten Fläche freigibt. Sowohl Oberbürgermeister Marcel Philipp als auch SPD-Chef Karl Schultheis befürworten diese Variante. Auch bei den Grünen und in der FDP gibt es viel Sympathie für diese Lösung.

Zuvor müssen allerdings nach jüngsten Schätzungen noch mindestens 21 Millionen Euro in die Sanierung des Neuen Kurhauses gesteckt werden. Die Stadt hat große Hoffnung, dass dies am ehesten in Zusammenarbeit mit Spielcasino und GOP zu stemmen ist. Das Nachsehen hätte hingegen das Eurogress, dessen Chefin Kristina Wulf ebenfalls ein Auge auf das neue Kurhaus geworfen hat. Um alle Kongressanfragen erfüllen zu können, bräuchte sie dringend einen weiteren Saal für mindestens 1000 Teilnehmer.

Aus Sicht der Politik ist dies im Neuen Kurhaus jedoch nicht zu realisieren. Allenfalls kleinere Tagungsräume stehen dort zur Verfügung. Dem Beschluss zur Zukunft des Spielcasinos muss also alsbald eine weitere Entscheidung zum Ausbau der Kongresskapazität in Aachen folgen.