Vaals: Historisches Rathaus wird nicht zum Museum

Pläne werden nicht umgesetzt : Vaals wird das Gemeindehaus nicht verschenken

Das historische Rathaus von Vaals wird nicht zu einem Museum umgewandelt. Entsprechende Überlegungen, die vom Gemeinderat in Auftrag gegeben worden waren, sind nach genauerer Betrachtung fallengelassen worden.

Der zuständige Beigeordnete Jean-Paul Kompier, der das „Beleefmuseum“ mit Verve vertreten hatte, musste bei dem Tagesordnungspunkt in der zuständigen Ratskommission eine deftige Niederlage einstecken – allen hochfliegenden Plänen und mindestens 30.000 Euro, die an eine Beratungsfirma geflossen waren, zum Trotz. Es handele sich um einen toten Gaul, hieß es seitens der Sozialdemokraten, das Projekt habe nullkommanull geliefert, assistierten die Christdemokraten.

Kompier wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einmal ist das Gemeentehuis am Von Clermontplein sehr teuer im Unterhalt, vor allem durch hohe Heizkosten. Außerdem stehen am vor drei Jahren neugestalteten Julianaplein fast alle Geschäftsräume im Erdgeschoss immer noch leer – ein Publikumsrenner sollte deshalb her, um für den nötigen „Traffic“ zu sorgen – so lautete Kompiers Kalkül. Dazu wollte man zurückgreifen auf Johann Arnold von Clermont, den Textilfabrikanten aus Aachen, der 1761 unter anderem wegen der damaligen Religionsunruhen über die Grenze gewechselt war und aus dem damals armen Nachbardorf Vaals einen der wohlhabendsten Orte der ganzen Gegend gemacht hatte. Unter anderem hatte der Lutheraner das heutige Gemeindehaus errichten lassen, in dem seinerzeit seine erste Produktions- und Wohnstätte untergebracht war.

Vaals, auf der Suche nach seiner Identität und einer Vision für die Zukunft, solle mit seiner Vergangenheit wuchern, lautete das Ergebnis mehrerer Untersuchungen. Deshalb sollte das Leben des Tuchfabrikanten Von Clermont, der unter anderem Napoleon und Peter den Großen belieferte, spielerisch im Gemeindehaus dargestellt werden, mit Hologrammen, Rauch und Videos. Die Zahlen, die vom Beratungsunternehmen vorgelegt wurden, schienen aber schon auf den ersten Blick einigermaßen unrealistisch zu sein. 155.000 Besucher würden jedes Jahr kommen, bis zu einer Stunde Fahrzeit in Kauf nehmen und pro Nase auch noch zwölf Euro Eintritt zahlen, versicherten die Berater treuherzig.

Dabei hätte die Gemeinde allerdings das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert einem Investor kostenlos überlassen und vielleicht sogar noch Geld zuschießen müssen, damit das Ganze sich rechnet. Zum Vergleich: Das Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen, das über eine Sammlung von rund 3000 Werken verfügt, kommt auf gerade mal rund 50.000 Besucher pro Jahr. Ganz abgesehen davon, dass die Gemeindeverwaltung sich dann auch eine neue Dependance hätte suchen müssen, auch das wäre noch einmal zusätzlich ins Geld gegangen. Eine Milchmädchenrechnung also, so lautete folglich schon der Tenor der Bürger, denen Kompier seine Pläne in mehreren Versammlungen in den letzten Monaten vorstellte.

Das Leben des Tuchfabrikanten Von Clermont, der unter anderem Napoleon und Peter den Großen belieferte, sollte spielerisch im Gemeindehaus dargestellt werden. Daraus wird nun nichts. Foto: archiv

Unmöglich und unnötig, ein Luftschloss, das war nun auch das vernichtende und abschließende Urteil aus der Kommunalpolitik, die somit das Erlebnismuseum zu den Akten legte. Die Idee, eine kleinere historische Ausstellung in nur einem Teil des dreiflügeligen Gemeindehauses einzurichten, wurde angesichts anstehender schwieriger Finanzzeiten gleich mit beerdigt. Auch das Parken im historischen Ortskern, das heute schon für Probleme sorgt, sei nicht zu unterschätzen, heißt es in einem Bericht der Tageszeitung „De Limburger“.

So bleibt in Vaals erst einmal alles beim Alten. Und was nun aus dem historischen Gebäude und den leerstehenden Ladenlokalen gleich nebenan wird, ist vorläufig nicht in Erfahrung zu bringen; Wethouder Kompier ist nämlich kurz nach der entscheidenden Sitzung in Urlaub gefahren, teilt Kommunikationsberater Stijn Brands von der Gemeinde Vaals auf Anfrage mit.

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