Aachen: Unterhaltsame Einblicke von Steinzeit bis Neuzeit

Aachen : Unterhaltsame Einblicke von Steinzeit bis Neuzeit

Das älteste deutsche Weihnachtslied ist „Sei uns willkommen, Herre Christ“. Und es stammt aus Aachen, wie jetzt im neuen Band der Schriftenreihe der Sammlung Crous des Aachener Karnevalsvereins (AKV) „Die Geschichte Aachens in 55 Objekten“ zu lesen ist.

Lothar Stresius ist einer Vorlage des Aachener Domchores aus dem Jahr 1420 auf die Spur gekommen. In der Christmette kam das Lied damals zur Aufführung, dessen Text und Melodie auf das Ende des 11. Jahrhunderts zurückgehen. Das Aachener Lied ist damit das älteste Weihnachtslied überhaupt in deutscher Sprache.

Solche und ähnliche Kuriositäten erzählte Professor Frank Pohle vom Historischen Institut der RWTH Aachen den Besuchern in seinem spannenden Einleitungsvortrag im S-Forum der Sparkasse. Pohle präsentierte das reich bebilderte Werk, das ebenso umfassende wie unterhaltsame Einblicke in die Aachener Geschichte von der Steinzeit bis zur Neuzeit gibt.

Prominente Autoren

AKV-Präsident Werner Pfeil hat persönlich die verantwortliche Redaktion übernommen. Unter den Autoren sind zum Beispiel der ehemalige Oberbürgermeister Jürgen Linden, der ehemalige AKV-Präsident Dieter Bischoff und Doris Beaujean vom CHIO-Museum. Sie erklärt Hintergründe zum Dressurfrack und den Reitstiefeln von Josef Neckermann und gibt damit einen Einblick in die Geschichte des Weltfestes des Pferdesports in der Aachener Soers.

Die Lektüre des 240 Seiten starken Bandes ist abwechslungsreich. Fünf Jahrtausende Geschichte am Ort schlagen den Bogen über Handel, Kultur und Religion. Auch die „Supermarket Lady“ des amerikanischen Künstlers Duane Hanson aus dem Jahr 1970 ist dabei. Das Werk ist dem Hyperrealismus im Rahmen der Pop-Art-Bewegung zuzuordnen und bis heute ein großer Anziehungspunkt im Ludwig Forum. Es passt perfekt in das bunte Potpourri aus Meilensteinen der Stadtgeschichte.

Aus dem 21. Jahrhundert haben es zwei Objekte ins Buch geschafft: Die Tihange-Aus-Säule und das Karnevalskostüm von Balam I. Byarubanga. Als erster Afrikaner in Deutschland wurde er zum Karnevalsprinzen auserwählt und regierte in der Session 2012 als Richtericher Volksprinz. Sein weiß-rot-goldenes Prinzenkostüm hat es deshalb im Jahr 2011 ins Bonner Haus der Geschichte geschafft.

Der Band beeindruckt durch sein übersichtliches Layout, für das Monika Korbanek verantwortlich zeichnete. Die Fotos der Objekte und Relikte vergangener Epochen hat Andreas Herrmann gemacht.

Natürlich habe es mehr als 55 Themenvorschläge gegeben. „Aber damit wir den Buchdeckel noch zu kriegen, haben wir uns schließlich für diese 55 Objekte entschieden und eine Vorgabe von 13.000 Zeichen pro Text gegeben“, erklärte Pohle. Natürlich habe sich die 5x11 nicht zuletzt auch fürs Covermotiv perfekt angeboten, denn immerhin sei ein Karnevalsverein Herausgeber.

Noch nicht zu Ende erzählt

Der AKV hatte 1993 von seinem Ehrenpräsidenten, dem Journalisten, Publizisten und leidenschaftlichen Aquensiensammler Helmut A. Crous dessen stadthistorische Sammlung erworben. Er hatte im Laufe von 45 Jahren rund 2000 Druckschriften, 370 Aquarelle, Grafiken und Kupferstiche zur Geschichte Aachens zusammengetragen.

„Als Sammler ließ er sich dabei von seiner Lebensphilosophie leiten ,Aus der Kenntnis der Vergangenheit die Gegenwart verstehen und die Zukunft planen‘ und dazu trägt ein solches Buch wunderbar bei“, betonte AKV-Präsident Werner Pfeil. Und die reiche Geschichte der Stadt ist längst nicht auserzählt, weshalb die Leser auf eine Fortsetzung hoffen dürfen.