Aachen: Unmut in Orsbach über ein Stückchen Gehweg

Aachen : Unmut in Orsbach über ein Stückchen Gehweg

Der Professor ist sauer: „Als langjähriger Bewohner von Orsbach wundere ich mich sehr über die Tiefbauaktivitäten, die dort zurzeit ausgeführt werden“, schreibt Birger vom Ufer an Planungsdezernenten Werner Wingenfeld.

„Am Ortseingang wird ein Bürgersteig über eine Länge von 100 Meter von einer Bushaltestelle hin zu einem Feldweg errichtet. Eine Baumaßnahme, die ihresgleichen sucht und sicher im sechsstelligen Euro-Bereich anzusiedeln ist.“ Durch die Winkelstützmauern und die Abgrabung des Walls werde aus Sicht des Umweltschutzes, auf den die Umweltbehörde berechtigterweise ansonsten großen Wert lege, zusätzlich noch der „Wall-Charakter“ des Dorfes durch die „grässliche Betonstützmauer“ zerstört, erregt sich der Anwohner der Straße Finkenhag weiter.

„Ich frage mich nun, ob dieser enorme finanzielle Aufwand tatsächlich gerechtfertigt ist, zumal es über Jahrzehnte seitens der Verantwortlichen der Stadt Aachen niemanden interessierte, wie Fußgänger — in aller Regel Wanderer/Spaziergänger — aus Orsbach nach Laurensberg gelangten.“ Der Diplom-Ingenieur merkt in seinem Brief weiter an, dass es im Ortsbereich gleich mehrere Straßen ohne befestigte Gehwege gebe. „Zudem befinden sich einige Straßen teilweise in einem absolut desolaten Zustand. Hier wird nur notdürftig nachgebessert, wenn sich die Dorfbewohner mehrfach beschweren.“

Prof. vom Ufer fragt dann, wer die Baumaßnahme ausgelöst hat und was dahinter steckt. Die „Nachrichten“ reichten die Frage weiter an Axel Costard vom Presseamt, der klarstellt: „Das Vorhaben geht zurück auf einen einstimmigen Beschluss von der Bezirksvertretung Laurensberg und dem Mobilitätsausschuss aus dem Jahr 2010 und dient dem Netzschluss der Fußwegeverbindung vom Ortskern zu Schlangenweg und Nonnenhof.“ Beantragt hatten das die Grünen vorher zur „Entschärfung der Verkehrssituation am Ortseingang von Orsbach“.

Seinerzeit war nämlich der landwirtschaftliche Betrieb im denkmalgeschützten Nonnenhof aufgegeben worden und das Gebäude, das im Mittelalter den Ordensfrauen der Reichsabtei Burtscheid gehörte, zu Wohnzwecken umgebaut — zehn Einfamilienhäuser und zwei Wohnungen entstanden. Deren Bewohner setzten sich rasch dafür ein, den Fußweg in die Ortsmitte samt Spielplatz, der an der Düserhofstraße vor dem Haus Nr. 3 endete, bis zu ihrer Liegenschaft fortzuführen, die Grünen griffen das Anliegen auf.

Da das Projekt aber nur auf Platz 109 der Liste von 180 Ortseingangsprojekten stand, dauerte es fünf Jahre bis zur Verwirklichung und wurde entsprechend teurer. 2010 waren noch 40 000 Euro vorgesehen, die Realisierung kostet nun aber schon 50 000 Euro. Auf 160 Metern Länge wird ein 1,20 Meter breiter Gehweg angelegt, die Bushaltestelle wird neu gestaltet. Da die Baustelle eine Kurve einschließt, wurde eine Baustellenampel eingerichtet. Ursprünglich sollten die Bauleute Anfang Februar fertig sein, weil eine Gasleitung tiefer gelegt werden muss, dauert es jetzt aber zwei Wochen länger.

Mehr von Aachener Nachrichten