Uniklinikum und Rotes Kreuz bemängeln Rückgang an Blutspenden

Uniklinikum und Rotes Kreuz bemängeln Rückgang : Aachener spenden immer weniger Blut

Ein Mensch kommt als Notfallpatient ins Krankenhaus, braucht eine Bluttransfusion – aber die benötigte Blutgruppe ist nicht vorrätig. Ein Horrorszenario, das immer wahrscheinlicher wird.

Denn die Anzahl der Blutspender in Nordrhein-Westfalen, auch in Aachen, geht immer weiter zurück. Sowohl das Aachener Universitätsklinikum (UKA) als auch der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge.

Genau 16.055 Vollblutspenden hat das Aachener Uniklinikum im vergangenen Jahr verzeichnet. „Im Vergleich dazu waren es 2014 noch knapp 19.000 Spenden“, sagt Sandra Grootz, Pressestelle des UKA. Aufgrund des demografischen Wandels blicke man auch besorgt in die Zukunft. „Wegen steigender Lebenserwartungen der Menschen und neuer medizinischer Therapieoptionen ist mit einem Mehrbedarf an Blutkonserven zu rechnen“, so die Sprecherin der Klinik. Darüber hinaus scheiden in den kommenden Jahren sukzessive die Blutspender der geburtenstarken Jahrgänge aus. „Um so wichtiger ist es, Neuspender zu akquirieren.“

Auch beim Blutspendedienst des DRK waren die Zahlen in Aachen und den anderen Kommunen der Städteregion schon einmal besser: „Wir haben in der Städteregion im vergangenen Jahr neun Prozent weniger Spenden bekommen als geplant“, sagt Stephan David Küpper, Sprecher des DRK-Blutspendedienstes. Konkret heißt das: Rund 7200 Menschen aus der Städteregion haben 2018 Blut beim DRK gespendet, ein Jahr zuvor waren es noch 7400 Menschen. „Dieser Rückgang ist exemplarisch“, sagt Küpper. Auch in den Augen des DRK ist vor allem der demographische Wandel als Ursache für die wenigen Blutspender zu sehen. Hinzu kommt: Junge Menschen spenden seltener. „Für einen alten Spender, den wir aus Altersgründen verlieren, müssten wir rechnerisch drei neue Spender suchen“, sagt Küpper.

Weder Klinikum noch DRK lassen Gelegenheiten aus, Spender anzusprechen: Das UKA sammelt Blut nicht nur im eigenen Haus, sondern auch in anderen Krankenhäusern in Aachen und der übrigen Städteregion. Ähnlich auch beim DRK: „Wir fahren praktisch jede Milchkanne an“, sagt Stephan David Küpper, anders erreiche man die Menschen nicht.

Um potenzielle Spender zu erreichen, hat das UKA bereits Mitte September die Werbekampagne „Wir teilen Blut“ auf den Weg gebracht. Es gibt Unternehmensspenden, bei denen alle Mitarbeiter einer Firma gemeinsam spenden. Und: Es gibt Aufwandsentschädigungen, beispielsweise Bargeld, Gutscheine für die Carolus-Therme oder kleine Geschenke wie Kaffeebecher.

Beim DRK will man unter anderem am Service schrauben: „Wir denken darüber nach, ob man mit einer Terminvergabe die Wartezeiten für Blutspender verbessern kann“, sagt DRK-Sprecher Küpper. Denn auch das gehöre zur Wahrheit: Die Anspruchshaltung der Spender habe sich geändert. Die Leute seien immer weniger bereit, Wartezeiten in Kauf zu nehmen.