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Uniklinik Aachen öffnet neues Zentrum für Erwachsene mit Behinderung

Neues Zentrum für Erwachsene mit Behinderung : Hilfe beim Aufbau eines Netzwerks für Menschen mit Behinderung

Menschen mit einer schweren oder mehrfachen Behinderung haben oftmals einen wahren Termin-Marathon zu absolvieren, wenn es um ihre medizinische Versorgung geht. An der RWTH-Uniklinik ist nun ein neues Zentrum eingerichtet worden, um den Betroffenen und ihren Angehörigen Hilfestellung zu geben: das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit geistiger Behinderung (MZEB).

„Menschen mit mehrfacher oder schwerer Behinderung brauchen eine besondere Versorgung“, sagt Dr. Andrea Maier. Sie ist Geschäftsführende Oberärztin im Medizinischen Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) der RWTH-Uniklinik. Vor wenigen Wochen hat die neue Einrichtung am Schneebergweg, schräg gegenüber vom Gut Melaten, den Betrieb aufgenommen.

Typische Erkrankungen, die den Ärzten im MZEB begegnen, sind beispielsweise die Muskeldystrophie Duchenne, angeborene Hirnschädigungen, Fehlbildungen des Nervensystems oder Trisomie 21. Durch die stetig verbesserte Medizin sei die Lebenserwartung von Menschen mit diesen oder anderen Erkrankungen deutlich höher als noch vor Jahren, erklärt Andrea Maier. Und gerade Erwachsenen mit Behinderung fehlte häufig der richtige Ansprechpartner. „Diese Patienten wurden, als sie noch Kinder waren, beispielsweise über das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) betreut“, sagt Andrea Maier. Am SPZ sei man aber nur für Patienten bis zu einem bestimmten Alter zuständig. „Danach gab es für viele eine Art Loch, das engmaschige Netz war auf einmal nicht mehr da.“ Hinzu komme, dass auch der familiäre Hintergrund sich ändere, wenn beispielsweise die Eltern sich nicht mehr um ihr behindertes Kind kümmern können. Genau da kommt das MZEB ins Spiel. Eine Überweisung erfolgt in der Regel über den Hausarzt. Anhand einer Checkliste kann überprüft werden, ob jemand als Patient des Zentrums infrage kommt.

„Wir wollen eine Lotsenfunktion in dem System übernehmen“, sagt Neurologin Andrea Maier. „Wenn ein Patient zu uns kommt, dann wollen wir erst einmal sehen, welches Krankheitsbild genau vorliegt, wie die bisherige Behandlung aussieht, und was noch getan werden muss.“ Dazu haben sich im MZEB unterschiedliche Fachrichtungen zusammengetan: Neben Neurologen sind auch Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten und Sozialpädagogen an Bord. Und ein Arzttermin im MZEB sieht auch immer etwas anders aus als beispielsweise in einer normalen Hausarztpraxis. „Wir nehmen uns in der Regel anderthalb Stunden Zeit beim ersten Besuch eines Patienten“, sagt Andrea Maier. Das sei auch notwendig, um die Bedürfnisse jedes Einzelnen wirklich abfragen zu können. Die konkrete medizinische Betreuung erfolge dann aber wieder durch den Haus- und die entsprechenden Fachärzte. „Das heißt, nicht jeder unserer Patienten muss ständig zu uns ins Zentrum kommen.“

Der Bedarf ist groß, schätzt Andrea Maier, auch wenn es noch keine konkreten Zahlen darüber gibt, wie viele Menschen mit mehrfacher Behinderung in der Region leben. „Wir haben jetzt bereits etwa 100 Personen auf unserer Warteliste“, erklärt sie.

In der ersten Aufbauphase des Instituts geht es darum, den genauen Bedarf zu ermitteln und einen Patientenkreis aufzubauen. „Anschließend wird das gesamte Projekt evaluiert“, erklärt Maier.

Das MZEB hat seine Sprechstundenzeiten derzeit montags bis mittwochs von 8.30 Uhr bis 15 Uhr. Telefonisch ist das Zentrum ebenfalls montags bis mittwochs von 7.30 Uhr bis 9 Uhr sowie von 13 bis 14 Uhr zu erreichen. Weitere Informationen über das Zentrum und auch die Checkliste für potenzielle Patienten findet man auf www.mzeb.ukaachen.de