Uniklinik Aachen muss beim Brandschutz nachbessern

Druck durch Bauaufsicht : Uniklinik räumt Mängel beim Brandschutz ein

Die Aachener Uniklinik hat Ärger mit dem Brandschutz. Die Prüfer der Bauaufsicht sind nämlich keineswegs Feuer und Flamme für gefährliche Mängel in dem Krankenhaus, in dem jährlich rund 7000 Mitarbeiter rund 50.000 Patienten stationär und 200.000 Patienten ambulant versorgen.

Der Uniklinik drohen nun „weitergehende ordnungsbehördliche Maßnahmen“, wie die Stadt mitteilt.

Es geht um mehr als ein paar ausgefallene Rauchmelder. Das räumt auch der Sprecher der RWTH-Uniklinik, Dr. Mathias Brandstädter, auf Anfrage unserer Zeitung ein. Man liegt in einigen Brandgefahrpunkten über Kreuz mit der Aachener Bauaufsicht. Andere Mängel in dem Krankenhausgebäude mit einer Nettonutzfläche von mehr als 130.000 Quadratmetern sowie 36 Fachkliniken und 25 Instituten werden bereits aufgearbeitet. Die Zeit drängt.

„Der Betrieb des Klinikums ist derzeit nicht gefährdet“, erklärt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt. Aber er stellt auch klar: „Sollte der Nachweis der Wirksamkeit und Betriebssicherheit der brandschutztechnischen Anlagen nicht zeitnah erbracht werden, wäre wegen der erheblichen Bedeutung für außerordentlich schutzwürdige Rechtsgüter gegebenenfalls auch über weitergehende ordnungsbehördliche Maßnahmen nachzudenken.“

Man will keine Panik unter Klinik-Mitarbeitern, Patienten und Besuchern riskieren, aber die Problematik eben auch nicht verharmlosen. Die Lage ist ernst. Es geht dem Vernehmen nach unter anderem um Defizite bei Brandmeldeanlagen und die Materialwahl bei Platten, die im Haus verbaut sind. Und es geht um viel Geld.

Die Klinik ließ mehrfach Fristen verstreichen

„Die Brandschutztechnik der Uniklinik RWTH Aachen ist ein umfassendes System und beinhaltet beispielsweise über 15.000 Brandmelder, rund 2500 Brandansaugsysteme sowie eine Sprinkleranlage – eine Wartung ist entsprechend umfangreich“, erläutert Kliniksprecher Brandstädter. Um das System permanent in Schuss zu halten, finden regelmäßig Prüfungen statt – in der Regel gemäß gesetzlicher Vorgabe alle drei bis sechs Jahre.

Im Rahmen dieser wiederkehrenden Prüfungen wurden durch die Prüfer in verschiedenen Bereichen Mängel festgestellt. „Es wurde darum gebeten, diese zu beheben, um anschließend durch eine abschließende Prüfung zu belegen, dass die Sicherheit vollumfänglich gewährleistet ist“, erklärt Herrmann. Doch dies ist nicht umfassend passiert. Mehrfach ließ die Klinik Fristen verstreichen.

Darum erhöht die Bauaufsicht nun den Druck auf die Klinikleitung: „Die Bauaufsicht hat in einzelnen dieser Bereiche nun ordnungsbehördlich dazu aufgefordert, diesen Nachweis zu erbringen.“ Schlimmstenfalls droht bei eklatanten Brandschutzmängeln die Schließung von Hausbereichen.

Brandstädter erläutert, das Problem an der Aachener Pauwelsstraße sei erkannt: „Hier haben wir – wie viele andere Häuser auch – noch eine Reihe an Ordnungsauflagen auferlegt bekommen, die wir momentan parallel abarbeiten“, sagt er. Konkreter wird er nicht. Dabei müsse man auch dem Umstand Rechnung tragen, dass sich einzelne Vorgaben und Auflagen im Laufe der Zeit immer wieder ändern, heißt es.

Großbrand im April 1995: Wegen einer defekten Halon-Löschanlage gab es damals bei einem Feuer in einem Versorgungsschacht Großalarm am Aachener Uniklinikum. Hunderte Patienten mussten evakuiert werden. Archivbild: Michael Jaspers. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Den Streit um den Brandschutz will die Uniklinik – um im Wortbild zu bleiben – auf kleiner Flamme kochen. „Auch wenn es in der Erörterung einzelner Mängel teilweise unterschiedliche Rechtsauffassungen geben mag, arbeiten wir mit den Behörden eng zusammen“, formuliert Brandstädter. Und weist gleichzeitig darauf hin, „dass unser Haus gemeinsam mit der Stadt eine Werksfeuerwehr mit circa 55 Feuerwehrleuten am Klinikum unterhält, die binnen Minuten jeden Ort im Haus erreicht“.

Der Sprecher stellt klar: „Die Uniklinik nimmt den Brandschutz also sehr ernst und investiert stetig hohe Summen in neue Technik. Ein Beispiel: Allein zur Modernisierung und weiteren Verbesserung des Brandschutzes wird in den Treppenhäusern des Zentralgebäudes eine Spüllüftungsanlage zur Entrauchung verwirklicht.“ Nur für diese Maßnahme seien in den kommenden Jahren Kosten von über 15 Millionen Euro veranschlagt, rechnet der Kliniksprecher vor. Die Schlussrechnung könnte noch deutlich höher ausfallen.

Großbrand im Jahr 1985

Das Klinikum in Aachen wurde 1985 eingeweiht. Es hatte damals umgerechnet 1,05 Milliarden Euro gekostet und wird seitdem stetig extrem kostspielig erweitert. Im April 1995 gab es Großalarm wegen eines Feuers in einem Versorgungsschacht. 300 Patienten mussten damals während des Feuerwehreinsatzes verlegt, später drei Stationen der Inneren Medizin, der Psychiatrie und der Gynäkologie brandsaniert werden.

Es entstand Sachschaden in Millionenhöhe. Verantwortlich dafür war seinerzeit eine nicht ordnungsgemäß funktionierende Halonlöschanlage.

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