Uniklinik Aachen investiert Millionen in neue MRT-Geräte

Uniklinik Aachen : Für zwei neue MRT-Geräte wird der Großkran ausgepackt

Wenn die Aachener Uniklinik zwei neue MRT-Geräte erhält, dann kommt schon mal der Großkran zum Einsatz. Dieser hat am Dienstag die Geräte für die Magnetresonanztomografie ins Zentrum gehoben.

Damit das wohl größte Krankenhaus Europas modernste Technik bieten kann, hat die Uniklinik wieder einmal ordentlich investiert: Zwei neue, zusätzliche Magnetresonanztomografie-Geräte (MRT) haben am Dienstag ihren Weg in das Großkrankenhaus gefunden.

Die Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Uniklinik liegt in jeder Hinsicht im Zentrum der Uniklinik und ist somit für alle stationären und ambulanten Patienten optimal erreichbar. „Diese zentrale Lage stellt für die Einbringung von Großgeräten allerdings eine nicht leicht zu bewältigende Aufgabe dar“, äußerte Florian Schaefer, Referent Unternehmenskommunikation des Krankenhauses.

Denn der größere der beiden neuen MRT bringt 6,7 Tonnen auf die Waage und passt nicht mal eben in einen Aufzug. Das Problem: Wie bekommt man ein solches Großgerät in die Mitte des Gebäudes und hoch in die fünfte Etage? Die Antwort: durch das Fenster. Die passende Lösung brachte die Kölner Kranfirma Colonia mit: Ein großer Mobilkran mit einer maximalen Tragkraft von 750 Tonnen.

Zusätzliche Konstruktionen

Damit der Kran das Innere der Klinik erreichen kann, wurde sein Teleskopausleger um eine zusätzliche Gitterkonstruktion verlängert. Allein der Aufbau des roten Riesen hat einen Tag gebraucht und das Aufbauteam bis in die Abendstunden bei teils strömendem Regen gefordert, damit der Kran seinen Ausleger am Morgen darauf 120 Meter in den Himmel strecken konnte.

„Die Planung muss bis ins Detail alle Randbedingungen betrachten, viele Beteiligte müssen ihre Zuarbeit leisten, damit die Einbringung und die sofortige technische Anbindung der sensiblen Großgeräte an einem Tag zu schaffen ist“, meinte Schaefer.

Mehr als zweieinhalb Jahre wurde im Voraus geplant, und alle haben auf diesen einen Moment hingefiebert. Krankenhauspersonal und Besucher gleichermaßen standen entlang der Fenster und beobachteten, wie die Plattform mit der teuren Fracht langsam in den Innenhof herabgelassen wurde. Dabei wurde dem Kranfahrer höchste Konzentration abverlangt. Denn in seiner Kabine in rund 78 Metern Entfernung musste er sich blind auf seinen Kollegen verlassen. „Nacken ein bisschen auf, Hub langsam ab, Stopp, jetzt rechts schwenken“, lauteten die Kommandos, die ein Laie wohl kaum zu deuten wüsste, und schnell war die Plattform an der Öffnung in der Fassade angedockt.

Um das tonnenschwere Gerät an seinen Platz zu bringen und die Last gleichmäßig zu verteilen, verlegten Arbeiter der Spedition Kühne mühselig unter Einsatz ganzer Muskelkraft dicke Stahlplatten auf dem Boden. Nichts durfte schiefgehen, kostet das 1,5 Tesla Gerät rund zwei Millionen und das 3 Tesla Gerät sogar 3,5 Millionen Euro. Auf Rollen wurden beide MRT über eine Rampenkonstruktion kontrolliert und behutsam in die Räume der völlig neugestalteten Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie transportiert, wo sie nun weiter zusammengebaut und angeschlossen werden.

MRT am Haken: Mit einem riesigen Ausleger wurden die MRT ins Innere des Uniklinikums gehoben. Foto: Andreas Cichowski

„Die neuen MRT werden für die Versorgung aller Patientinnen und Patienten in der Uniklinik RWTH Aachen eingesetzt, beispielsweise bei der Untersuchung von Erkrankungen aller inneren Organe“, erläuterte Professorin Christiane Kuhl, Direktorin der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie. Am Beispiel Leber wären das konkret: die Diagnose von Lebertumoren, die Planung einer Operation von Lebermetastasen sowie die Früh­erkennung von Lebertumoren bei Patienten mit Leberzirrhose.

Darüber hinaus werden die neuen Geräte für die „multiparametrische Magnetresonanztomographie“ der Prostata zur Früherkennung oder Behandlungsplanung des Prostatakarzinoms, für die Früherkennung von Brustkrebs und für die Untersuchung von Gelenken und der Wirbelsäule genutzt.

Zudem nimmt die Klinik ein neues System in Betrieb, die sogenannte „Hochintensive Ultraschallbehandlung“ (High Intensity Focused Ultrasound, HIFU). „Es eröffnet ganz neuartige Behandlungsmöglichkeiten, um Tumoren im Körper ohne Operation und ohne Einbringung eines Katheters – also allein durch Ultraschall und daher absolut berührungsfrei – gezielt behandeln zu können“, schilderte die Direktorin. „Dies passiert unter MR-Kontrolle, das heißt unter MR-tomographischer Sicht.“ Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören zum Beispiel bestimmte Arten von Prostatakarzinomen, bestimmte Knochentumore und -metastasen sowie gutartige Tumore (Myome).

Hier geht es zur Bilderstrecke: Riesiger Ausleger hebt neue MRT-Geräte ins Zentrum