Aachen: Ungewöhnliche Konzertreihe: Ein Fenster ist die große Bühne

Aachen : Ungewöhnliche Konzertreihe: Ein Fenster ist die große Bühne

Kellner schlängeln sich durch die Stuhlreihen auf dem Kopfsteinpflaster, Touristen kommen in kleinen Gruppen von der Krämergasse auf den kleinen, sonnenbeschienenen Platz und blicken sich suchend nach einer Sitzgelegenheit um. Am Samstagnachmittag herrscht Hochbetrieb am Hof, dem Platz, wo Aachen schon beinahe ein kleines bissen mediterran wirkt.

Dann heben plötzlich alle die Köpfe und blicken zum Café Zum Mohren: Am Fenster im zweiten Stock steht ein Mann. Es ist Juan Pablo Raimundo, der auf der Gitarre spielt. Am Wochenende ist die Konzertreihe „Fenster zum Hof“ zu Ende gegangen. Und die Organisatoren ziehen eine positive Bilanz.

Ist mit den „Fenster zum Hof“-Konzerten sehr zufrieden: Milos Sous vom Organisationsteam. Foto: Heike Lachmann

„Die Reaktion der Leute ist typisch. Viele sind überrascht und zücken gleich ihr Handy, um ein Foto oder ein Video zu machen“, sagt Milos Sous vom Domkeller, der die Konzerte mit der Hofgemeinschaft organisiert hat. Er ist sichtlich zufrieden. Seit Mitte Mai hatten an drei Wochenenden Musiker unterschiedlichster Stilrichtungen das Hof-Publikum beschallt, von der Galerie S, aus dem Kafarnaum und eben aus dem Café Zum Mohren.

„Wir wollten trotz der Baustelle im Sommer Musik auf dem Platz haben“, sagt Sous. Denn die Leute kämen ja nicht nur dorthin, um etwas zu trinken. „Wenn ich ausgehe, dann will ich auch etwas erleben“, sagt Sous. Dafür sorgen am Hof die seit 2011 etablierten Hofkonzerte.

Doch in diesem Jahr konnte die Reihe nicht wie gewohnt stattfinden, da die Baustelle der Stawag, die im Hof die Kanäle sanieren muss, in diesem Jahr keinen Platz dafür ließ. Aber man wollte sich von der Baustelle nicht das nette Flair auf dem Platz kaputtmachen lassen und außerdem den Baggern etwas entgegensetzen: Denn wenn unter der Woche gearbeitet wird, ist die Außengastronomie der Hof-Gaststätten aufgrund des Lärms nicht so stark frequentiert wie üblich.

An den Wochenenden sieht das ganz anders aus, auch wegen der Fenster-Konzerte, ist Milos Sous sich sicher: „Die Leute kommen zwar nicht gezielt wegen der Musiker hierher“, schätzt er, „aber sie bleiben vielleicht ein bisschen länger.“

Die Idee für diese Konzertreihe ist übrigens nicht ganz neu. Das Obergeschoss der Galerie S diene auch bei den Montagskonzerten im Domkeller als Backstage-Bereich, Musiker stünden dort häufiger mal am Fenster. „Und über den berühmten Filmtitel ‚Das Fenster zum Hof‘ sind wir dann schnell auf die Idee gekommen, die Musiker zum Musizieren in die Fenster zu stellen“, sagt Sous und lacht. Mit dem gruseligen Hitchcock-Klassiker hat die Aachener Veranstaltung, die mitten in der City ein bisschen Urlaubsstimmung aufkommen lässt, außer dem Titel nichts gemein.

Nicht gruselig, aber dennoch ungewohnt sei es für die Künstler, so weit oberhalb vom Publikum aufzutreten. „Einige Musiker haben sogar gefragt, ob sie nicht doch auf der Straße spielen dürfen“, erzählt Sous, „doch da müssen sie durch.“ Er kann sich gut vorstellen, dass die Hofgemeinschaft die Fenster-Konzerte in lockerer Reihe auch künftig fortsetzen wird.

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