Aachen: Unfall auf A44: Stundenlang geht es weder vor noch zurück

Aachen : Unfall auf A44: Stundenlang geht es weder vor noch zurück

Über vier Stunden ging es nach einem Unfall auf der Autobahn 44 zwischen Brand und dem Aachener Kreuz am Montag weder vor noch zurück. Unverständnis und Verärgerung bekunden unsere Leser noch am Tag darauf: Wieso hat die Polizei erst so spät begonnen, die feststeckenden Autos rückwärts aus der Baustelle fahren zu lassen?

Seit Freitag wird die Autobahn 44 in diesem Abschnitt in Höhe des Parkplatzes „Am Tunnel“ getrennt in die Richtungen Düsseldorf und Köln. Richtung Düsseldorf steht nur die linke Fahrspur auf der Gegenfahrbahn zur Verfügung. Die Autofahrer, die am Montag gegen 19 Uhr der Umleitung in Richtung Düsseldorf gefolgt sind, steckten bis in die Nacht hinein fest. Ein Lkw war im Baustellenbereich in die provisorischen Fahrbahnabsperrungen gefahren. Der Tank des Lkw wurde beschädigt und Diesel lief aus. Personen kamen nicht zu Schaden. Dennoch führte der Unfall zu stundenlangem Stillstand auf einem Kilometer Länge: Der Feierabendverkehr saß also regelrecht in der Falle.

Laut Dirk Weber von der Autobahnpolizei haben folgende Problemkonstellationen zu den langen Wartezeiten geführt: Die Fachleute vor Ort hätten den Unfallwagen vorläufig nicht zum Abschleppen freigeben können, denn der Lastwagen hatte Gefahrgut geladen. Genauer: Lutensol, eine biochemische Substanz, die unter anderem in Pflanzenschutzmitteln, Farben und Klebern verwendet wird. „Die Feuerwehr musste in der Folge mit Atemschutz die Ladung des Lkw prüfen“, so Weber.

Der spezielle Abschleppdienst, der gegen 20 Uhr vor Ort war, konnte die Unfallstelle nicht direkt erreichen. Die Leitplanken hatten sich durch den Aufprall des Lastwagens derart verbogen, dass sie teilweise entfernt werden mussten. Etwa gegen 21.30 Uhr meldete der Spezialbetrieb, dass der Lkw nicht abgeschleppt werden könne.

Im Normalfall hätte man den Verkehr umgelenkt, erklärt Dirk Weber, „aber neben der Fahrbahn werden Kanalarbeiten durchgeführt. Ein seitliches Ausweichen war deshalb nicht möglich.“ Die Polizei habe jeden der Fahrer, die im Stau festsaßen, persönlich angesprochen, um sich nach dem Wohlergehen der Betroffenen zu erkundigen.

Dennoch meldete ein Leser unserer Zeitung wütend, dass erst nach 22 Uhr ein Polizist an die Autofahrer herangetreten sei, um „sich ein Bild von der Lage zu machen“. „Wie schnell das alles geht, ist natürlich auch immer eine Frage der Kräftelage“, so Weber.

Die langfristigen Folgen des ausgelaufenen Diesels seien noch nicht eindeutig abzuschätzen, so Harald Beckers vom städtischen Presseamt. Zu dem Zeitpunkt, als Vertreter der Wasser- und der Bodenschutzbehörde die Unfallstelle erreicht hätten, sei der restliche Tankinhalt bereits von der Feuerwehr abgepumpt worden. Etwa 350 Liter Kraftstoff seien im Tank gewesen. „Der Tank wurde aber nur gequetscht“, so Beckers, „deshalb ist nur ein Teil ausgelaufen, bei einem Riss wäre die gesamte Füllung im Boden versickert.“ Es sei in der Folge nicht eindeutig zu bestimmen, wie viele Liter Diesel ausgelaufen sind.

Zur Vermeidung von Umweltschäden wurde eine Spezialfirma damit beauftragt, den vergifteten Boden abzutragen. „Ein Spezialist und eine Mitarbeiterin der Bodenschutzbehörde begleiten die Arbeiten, sie testen den Boden — erst wenn der als unbedenklich freigegeben wird, kann auch das Graben enden“, sagt Harald Beckers. „Außerdem werden die Entwässerungsrohre an der Unfallstelle derzeit durchgespült, im anschließenden Regenüberlaufbecken werden ‚schwimmende Ölschlangen‘ und Matten eingesetzt, die das Öl an der Wasseroberfläche eingrenzen und binden.“

Erst kurz vor 24 Uhr war am Montag auch für die letzten Wartenden die Blockade beendet. „Es ist von der Situation vor Ort abhängig, wie schnell man räumen kann“, sagt Weber, „Kraftfahrzeuge rückwärts aus einer Unfallstelle herauszulotsen ist die allerletzte Option.“

Der damit verbundene Aufwand sei nämlich sehr hoch: Die Autobahn müsse gesperrt und der auffahrende Verkehr umgeleitet werden. Insbesondere für Lkw sei außerdem ein erhebliches Risiko mit der langen Rückwärtsfahrt verbunden. „Da bleibt kaum Platz zum Rangieren“, so Dirk Weber weiter, „das ist keine einfache Angelegenheit.“

Weber äußert Verständnis für die Verärgerung der Autofahrer, „aber das Gewusel am Montag hat sich vor allem aus den speziellen Gegebenheiten des Unfalls und der Örtlichkeiten ergeben.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Lkw-Unfall auf der A44: Fahrer stehen Stunden im Stau

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