Aachen: Und plötzlich dringt Schaum aus dem Auffangbecken

Aachen: Und plötzlich dringt Schaum aus dem Auffangbecken

Unvermittelt spritzt der Schaum los. Kein Feuerwehrmann hat die Spritze in der Hand. Am neuen Hubschrauberlandeplatz des Aachener Klinikums sind zwei schwenkbare, mit Kameras ausgestattete Schaumspritzen - sogenannte Monitorlöschanlagen - angebracht. Die „Löschmittelwerfer” steuert Einsatzleiter Adelbert Zieger aus einem Kontrollraum auf der Landeplattform.

Schnell ist die Fläche über dem Eingangsbereich des Uniklinikums mit weißem Schaum bedeckt. 500 Liter „Schäummittel” schießen die Wehrleute von der Aachener Berufsfeuerwehr auf den Landeplatz. „Das spezielle Gemisch schäumt erst beim Aufprall, nicht schon in der Luft”, erklärt Zieger.

Das Volumen steigt beim Aufprall um das 15-fache. So können 7500 Liter Schaum pro Minute auf der Fläche verteilt werden. Im Ernstfall kann damit auslaufendes Kerosin bedeckt werden. Auch falls ein Hubschrauber in Brand geraten sollte, ist die Löschanlage für die Wehrleute Gold wert, sie verkürzt die Löschzeit enorm.

Am Samstagmorgen handelte es sich allerdings um eine Übung. Es gab weder ausgelaufenes Kerosin, noch einen brennenden Hubschrauber. Ein Sachverständiger prüft dabei, ob auch wirklich genügend Löschmittel auf die Landeplattform befördert wurde. Zehn Minuten dauerte die Übung insgesamt. In dieser Zeit bildeten sich 75.000 Liter Schaum auf der Landefläche. „Die Schicht ist jetzt etwa zehn Zentimeter dick”, erklärt Zieger. Damit wäre entflammbarer Treibstoff sicher abgedeckt.

Kontrolliertes Ablassen

Ihren Dienst versagt hat dabei allerdings eine der in die rund 1156 Quadratmeter große Landefläche eingelassenen Verschlussklappen. Die sollen bei einem Löschvorgang komplett geschlossen sein, um nach Abschluss der Löscharbeiten ein kontrolliertes Ablassen des Löschschaums über ein 10.000 Liter fassendes Auffangbecken zu gewährleisten. Über eine dieser Klappen liefen Teile des Löschschaums ab, was zu einem Überschäumen des Auffangbeckens führte.So gelangte Schaum in das Entwässerungssystem und drang an einigen naheliegenden Abflussschächten unter der Plattform und an der Pauwelsstraße Schaum aus.

Durch die anwesenden Feuerwehrkräfte wurden unverzüglich die Kanaleinläufe und der Zulauf zum Dorbach mit Sandsäcken und speziellen Dichtblasen verschlossen, um ein Eindringen des Löschschaums zu verhindern. Die eingeschaltete Untere Wasserbehörde gab dann auch Entwarnung für den vom Schaum nicht betroffenen Bach.

Schließlich wurde der Löschschaum durch eine Entsorgungsfirma von der Landeplattform, den betroffenen Oberflächen sowie aus dem Leitungssystem abgesaugt und entsorgt.

Mit dem Test der Löschanlage rückt die Inbetriebnahme des 15 Meter hohen, futuristisch anmutenden Landeplatzes ein Stück näher. Spätestens im Juli soll es so weit sein. Dann sollen ankommende Patienten direkt über einen Aufzug in die Notaufnahme gelangen. Derzeit kommen durchschnittlich ein bis zwei Patienten täglich per Hubschrauber in die Notaufnahme. Meist handelt es sich dabei um Verkehrsunfälle, Herzinfarkte oder Schlaganfälle.