Baltic Sea Circle-Rallye: Und Karl der Große fuhr immer mit

Baltic Sea Circle-Rallye : Und Karl der Große fuhr immer mit

Drei Aachener sind wohlbehalten von der Baltic Sea Circle-Rallye zurück. Dabei kamen auch Spenden für Menschen helfen Menschen zusammen.

Langsam kehrt der normale Schlafrhythmus zurück. Wach ist man, wenn es hell ist und bei Dunkelheit wird man müde. Was so unglaublich banal wirkt, war für drei Aachener nämlich alles andere als normal. Sie haben die Nächte ohne Dunkelheit erlebt auf ihrem Trip von Hamburg über die Lofoten zum Nordkap, über St. Petersburg, Kaliningrad und wieder zurück über Hamburg nach Aachen. Insgesamt 8417 Kilometer haben Mustafa Ahmad, sein Neffe Hasan Cheikh Hasan und ihr Freund Patrick Krott zurückgelegt und dabei die Herausforderung des Baltic Sea Circle, der nördlichsten Rallye auf unserer Erde, gemeistert. Jetzt sind sie wieder in ihrer Heimatstadt Aachen und blicken zurück: erleichtert, dankbar und randvoll mit Eindrücken.

Zwei Wochen unterwegs

Zwei Wochen waren sie unterwegs, um dieses besondere Abenteuer zu meistern. Wie im Vorfeld berichtet, ist das Trio nicht mit einem modernen geländegängigen Jeep losgefahren, sondern mit einem 26 Jahre alten VW T4. Das war eine Voraussetzung für die Teilnahme – der Wagen musste mindestens 20 Jahre alt sein. „Unser Fahrzeug hat durchgehalten. Allerdings haben wir spannende Momente erlebt“, kann Mustafa Ahmad heute schmunzelnd erzählen. Heute, da die drei in Ahmads Café in der Dammstraße sitzen und von ihrer Tour erzählen.

Tolles Quartett: Patrick Krott, Mustafa Ahmad, Hasan Cheikh Hasan (von rechts) und Karl der Große in Budalen auf den Lofoten in Norwegen... Foto: Ahmad

Zugunsten von Menschen helfen Menschen, dem Hilfswerk des Medienhauses Aachen, sind die Drei losgefahren, denn der Circle musste auch einen Benefizcharakter haben. Auch hier kann man festhalten: Ziel erreicht, 3000 Euro fließen in diesen Tagen aufs Konto des Hilfsvereins. Auch deshalb wurde die Tour ständig online mitverfolgt. „Es gab immer wieder besorgte Nachfragen. Aber das hat uns auch ein gutes Gefühl gegeben“, bestätigen die Drei.

In der Tat gab es kritische Momente, wirklich gefährliche zum Glück aber nicht. Nahe bei der Stadt Tromsø passierte, was nicht hätte passieren sollen – ein Motorschaden. Die Zylinderkopfdichtung war mitnichten das, was ihr Name versprach. Helfen konnte man in der Werkstatt nicht, und nur mit großen Mengen Dichtungsflüssigkeit konnte man weiterfahren. Das aber mit Erfolg bis nach Aachen. Die Reise konnte als Mischung aus Abenteuer- und Erlebnistour weitergehen.

... Onkel und Neffe vor der Trinitätskirche in St. Petersburg ... Foto: Ahmad

Am Ende haben aber die Erlebnisse überwogen. Und die waren offensichtlich überragend. Vor allem die Lofoten haben es den Aachenern angetan. „Da müssen wir noch mal hin!“, sagen sie unisono. Die Landschaftseindrücke hätten das Verlangen nach mehr geweckt. Genau wie die Impressionen in der „wunderschönen Stadt St. Petersburg mit ihrer beeindruckenden Architektur“. Da war dann auch vergessen, dass die Einreise nach Russland mit einer achtstündigen Vernehmung begonnen hatte. „Man hatte mich einfach verwechselt…“, zuckt Mustafa Ahmad mit den Schultern. Vergessen. Denn auch die Menschen in Russland seien sehr freundlich zu den Rallyefahrern gewesen. Immer wieder hätten sie auch Geschenke bekommen.

Und dann waren da natürlich die menschlichen Begegnungen. Vom Start weg hätte es ein enormes Gemeinschaftsgefühl gegeben, keine Spur von Konkurrenzdenken. Wenn irgendein Rallyeteilnehmer am Wegesrand stand, kam sofort ein Hilfeangebot. 700 Gleichgesinnte hatten sich auf den Weg gemacht, achteten aufeinander und waren sich einig, dass das komplette Ankommen wichtiger war als irgendeine Platzierung. Am Ende haben alle ihr Ziel erreicht und eine Gesamt­spendensumme von 600.000 Euro erzielt, die vielen guten Zwecken zufließt. Der Kontakt wird bleiben.

... und wieder als Quartett in Tärnaby in Nordwest-Schweden. Foto: Ahmad

Mustafa Ahmad, Hasan Cheikh Hasan und Patrick Krott sind nicht nur gefahren, sie waren auch als Botschafter unserer Stadt unterwegs und hatten prominente Unterstützung mit an Bord: eine Figur von Kaiser Karl aus der Kollektion des Künstlers Ottmar Hörl, der 2014 500 kleine Karls auf dem Katschhof installiert hatte. Einer davon war jetzt mit auf Tour, grillte mit den Rallye-Fahrern, schaute zu bei den Sprüngen ins Meer und stand auf dem höchsten Berg der Lofoten, um Mitternacht, als es taghell war. Karl machte aus dem Trio ein Quartett und sorgte dafür, dass die Aachener stets genug von ihrer Stadt erzählen und diese bekannt machen konnten. Er machte neugierig auf Aachen.

„Irgendwann werden wir wieder eine solche Tour machen“, sind sich alle sicher. Möglicherweise wieder mit dem alten VW T4. Der kommt jetzt erst mal in die Werkstatt und bekommt neue Zylinderkopfdichtungen. Er wird nicht lange warten müssen, bis es auf geht zur nächsten Erlebnisfahrt mit Abenteuer­intermezzi.

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