Reit- und Lagerhalle an Gut Neuhaus: Und es brennt und brennt und brennt

Reit- und Lagerhalle an Gut Neuhaus : Und es brennt und brennt und brennt

Den Kopf in den Sand stecken? Rainer Plum denkt nicht daran. Klar, frustriert ist der staatlich geprüfte Landwirt schon. Kein Wunder. Vor mehr als einer Woche löste sich seine riesige, noch fast neue Reit- und Lagerhalle an Gut Neuhaus in Rauch auf. Buchstäblich.

8000 Kubikmeter Stroh und Heu gingen nebst Gebäude in Flammen auf. Würde man diese Menge einen Zentimeter hoch auf dem Boden ausbreiten, so käme man auf eine Fläche von 800.000 Quadratmeter - 160 Fußballfelder. Das ist zum Vergleich fast die Größe des gesamten Gewerbegebiets Avantis. Und es raucht immer noch kräftig in der Halle an der Lintertstraße, ein Ende des Brandes ist nicht ansatzweise in Sicht.

Grob geschätzt die Hälfte der Stroh- und Heuballen sind bisher weggebrannt. Vor der Hallenruine steht weiterhin ein Feuerwehrwagen als Brandwache. Ähnliches ereignete sich Anfang des Jahres in einer Lagerhalle in Camp Hitfeld, die durch Brandstiftung in Flammen aufgegangen war. Erst nach Wochen war das Feuer aus.

Ermittlungen müssen warten

Auch in Lintert kann das noch ein Weilchen dauern. Und damit fangen die Probleme für Rainer Plum erst richtig an. Solange es sich nicht ausgebrannt hat, kann es nicht voran gehen. Zum Beispiel mit den Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Brandursache. Die stocken derzeit, wie Polizeisprecher Michael Houba sagte. Allein: Elektrische Leitungen gab es in diesem Hallenteil nicht. Brandstiftung? Wenn ja, fahrlässig oder vorsätzlich? Offene Fragen. Alsdann müsste das Brandgut entsorgt werden. Die Halle gehört abgerissen. Und neu beantragt. Und neu gebaut.

Eines steht für Rainer Plum, der das seit 1888 von seinen Vorfahren geführte Gut 1995 übernahm, fest: Alles wird wieder hergerichtet. Was für Gut Neuhaus, gleichfalls eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Rund 80 Pferde stehen in den Ställen. Wenn Herbst und Winter das Reiten und Longieren im Freien schwierig machen, wird die Reithalle dringend gebraucht. Nun aber werden sich Plums Kunden zusammenraufen und sich die Zeit in der verbliebenen zweiten Halle teilen müssen. Der Betreiber rechnet damit, dass der Neubau erst im kommenden Jahr hochgezogen sein wird. Außerdem muss der Landwirt solange jede Menge Stroh und Heu einkaufen, die er sonst selbst herstellt und lagert.

Im Wortsinn die Nase voll haben derweil auch die Nachbarn in den umliegenden Wohnhäusern und auch in weiterer Entfernung, zu denen der Rauch immer wieder weht. Bei der Stadt gehen Beschwerden ein. Dort will man reagieren, wie Axel Costard vom Presseamt mitteilt. Am Dienstag dreht ein Messwagen seine Runden. Er soll die Werte von Acrolein - höchst giftig und umweltschädlich - in der Luft messen. Werden die Grenzwerte überschritten, soll Plum eine „Ordnungsverfügung” erhalten, nach der er die Halle sofort abreißen lassen müsste, damit die Feuerwehr die Brandnester löschen kann.

Warum erst nach mehr als einer Woche gemessen wird, kann die Stadt indes nicht schlüssig beantworten. „Irgendwann ist das Maß halt überschritten, dann muss man reagieren”, so Costard. In gewissem Rahmen würde Landwirten ja auch gestattet, Felder abzubrennen.

Apropos Kosten: Laut Costard wird die Stadt aufgrund der Dauer des Einsatzes „langsam ungeduldig”. Man wolle prüfen, inwieweit Rainer Plum dafür zur Kasse gebeten werden soll und kann. Dabei liegt der Schaden des Landwirts bereits deutlich über einer Million Euro. Den Kopf in den Sand stecken will er nicht - Problemen, Sorgen und viel Arbeit zum Trotz.

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