Aachen: Umweltzone spült Millionen in die Kassen der Stadt

Aachen : Umweltzone spült Millionen in die Kassen der Stadt

Der Umweltzone haben die städtischen Verantwortlichen bislang nichts Gutes abgewinnen können, doch jetzt besänftigt sie vielleicht der Blick auf den Kontostand. Die Einnahmen aus den Knöllchen für Plakettensünder übertreffen in den ersten sechs Monaten alle Erwartungen.

Wie sich das Cent-genau niederschlägt, kann die Stadt derzeit zwar noch nicht mitteilen. Klar ist aber, dass weit mehr als die zunächst veranschlagten 40.000 Euro in die städtischen Kassen gespült werden. Bis zum Jahresende dürfte die Millionenhürde jedenfalls deutlich übersprungen werden, wie sich aus den Angaben errechnen lässt, die jüngst den Umweltpolitikern mitgeteilt worden sind.

Demnach sind bis Ende Mai gut 20.000 Verstöße gegen die Plakettenpflicht geahndet worden, alleine im Juni sollen nochmals 7000 Knöllchen hinzu gekommen sein. „Wir hätten nie gedacht, dass es so viele Leute gibt, die sich bis in den Sommer hinein erwischen lassen“, staunt selbst Harald Beckers vom städtischen Presseamt. „Wir hätten erwartet, dass die Öffentlichkeitsarbeit mehr Wirkung zeigt.“ Aber entweder ist sie an vielen Menschen tatsächlich vorbeigegangen, oder sie schalten einfach auf stur und nehmen das Risiko in Kauf, erwischt zu werden.

In rund 75 Prozent der Fälle werden Knöllchen wegen sogenannter Formalverstöße verteilt. Das heißt, die Fahrzeuge könnten zwar eigentlich eine grüne Plakette erhalten, sie haben aber keine oder sie ist unleserlich. Das kostet 35 Euro. „Echte Verstöße“ schlagen hingegen mit einem Bußgeld von 80 Euro zu Buche.

Umgerechnet entspricht das Einnahmen von knapp 1,2 Millionen Euro alleine bis Ende Juni. Die Ausgaben für die Beschilderung der Umweltzone haben hingegen nur bei rund 65.000 Euro gelegen. Hält der Trend an, dürfte sich die Kämmerin Ende des Jahres über mehr als zwei Millionen Euro aus den Taschen der Umweltzonen-Sünder freuen. Zur Luftverbesserung trägt deren Ignoranz freilich nicht bei.

Zumindest aus Sicht von ADFC-Vertretern bietet es sich daher an, den unerwarteten Geldsegen für die Nachrüstung veralteter Dieselbusse auszugeben. Auf einen Schlag könnten somit auch die schlimmsten Stinker mit moderner SCRT-Technik ausgestattet werden, die sowohl die Rußpartikel als auch die giftigen Stickoxide reduzieren kann.

Auf Nachfrage teilt Kämmerin Annekathrin Grehling dazu jedoch mit, dass dies nicht vorgesehen sei. Wie alle anderen Einnahmen gehen auch die Gelder der Plakettensünder in den allgemeinen Haushalt ein. Eine „Zweckbindung“ sei für solche Knöllchen nicht vorgesehen.

(gei)
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