Aachen: Umweltzone: Rußpartikel runter, Stickstoffdioxid rauf

Aachen : Umweltzone: Rußpartikel runter, Stickstoffdioxid rauf

Nun wird also kräftig gestritten über die Auswirkungen der von Köln aus verordneten Umweltzone: auf das Wirtschaftsleben, den Einzelhandel, die nachbarschaftlichen Beziehungen zu Belgiern und Niederländern...

Die Grünen wollen da noch mal auf das Wesentliche zurückkommen: Welche Auswirkungen hat sie denn auf die Luft? Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig hat Sorge, „dass der Schuss nach hinten losgeht“.

Dabei hat er vor allem den Öffentlichen Nahverkehr im Blick. Immerhin kurvt die Aseag mit 211 Bussen durch Aachens Straßen, weitere 140 steuern die von ihr beauftragten Subunternehmer bei. Mehr als ein Viertel der Fahrzeuge erfüllt noch nicht die Abgasnormen für die ab Dezember erforderliche grüne Plakette. Die bekämen sie erst nach einer Nachrüstung mit Partikelfiltern. Und die sei „für die Reduzierung von Stickstoffdioxiden technisch kontraproduktiv“, sagt Ludwig. Dass dafür auch noch viel Geld ausgegeben werden muss, schmeckt ihm ganz und gar nicht.

„Wir müssen finanzielle Mittel umschichten“, bestätigt Aseag-Sprecherin Anne Linden. Zwar erfülle ein Großteil der Roten Flotte die Anforderungen für die grüne Plakette, aber 34 Fahrzeuge müssten wegen der Umweltzone nun umgerüstet werden. Obwohl viele Linienwege durch die Region führen und die Aachener Innenstadt gar nicht berühren, soll der Fuhrpark komplett die Standards erfüllen.

„Viele Linien haben den Verknüpfungspunkt Bushof“, erklärt Linden, zudem würden bei diversen Anlässen Sonderbusse eingesetzt, und nicht zuletzt liege das Betriebsgelände der Aseag an der Neuköllner Straße nur ganz knapp außerhalb der geplanten Umweltzone. Da sei es schlichtweg „logistisch nicht möglich“, jene Wagen, die bestenfalls Euro-3-Standard erfüllen, „linienspezifisch“ fernab des Sperrbezirks einzusetzen. „Planerisch ist das nicht machbar“, sagt Anne Linden.

Also wird nachgerüstet. Pro Fahrzeug kostet das rund 10.000 Euro, die Montage erledigt die eigene Werkstatt im laufenden Betrieb. Aber das Geld fehlt dann an anderer Stelle. Für dieses Jahr sei die Anschaffung von 14 neuen Fahrzeugen mit Euro-6-Standard geplant gewesen, erklärt die Unternehmenssprecherin, nun reiche das Budget nur noch für elf neue Busse. Deren Euro-6-Norm sei hingegen bei den alten Fahrzeugen durch Nachrüstung nicht zu erreichen.

Damit mache man es eigentlich nur noch schlimmer, meint Helmut Ludwig und verweist auf ein Gutachten, das das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) im Jahr 2007 im Auftrag des baden-württembergischen Umweltministeriums erstellt hat. Demnach führe der Einsatz von „Partikelminderungssystemen“ bei schweren Nutzfahrzeugen wie etwa Bussen oder Lastwagen „zu einem deutlichen Anstieg der Stickstoffdioxid-Emissionen“. Die lägen damit höher als bei einem Fahrzeug mit Euro-2-Standard ohne Partikelfilter.

Für den Fraktionsgeschäftsführer der Grünen geht es hier ans Eingemachte: Nicht der Feinstaub mache Aachen zu schaffen, „unser Problem sind die Stickstoffdioxide, und zwar vor allem im Bereich der schweren Lkw und Busse“. Die produzierten schließlich ein ganz anderes Abgasvolumen als ein Pkw mit einem Kraftstoffverbrauch von fünf Litern. Außerdem hätten nur noch fünf Prozent der in Aachen zugelassenen Autos keine grüne Plakette, bei den Bussen sei der Anteil wesentlich höher. Nicht nur die 34 Aseag-Busse fallen durch den Rost, bei den Subunternehmern schafft die Hälfte des Fuhrparks nicht die Norm für die grüne Plakette. Hier müssen weitere 70 Fahrzeuge umgerüstet werden.

Eine Reduzierung der Stickstoffdioxid-Werte sei aber nur mit Fahrzeugen zu schaffen, die mindestens den Euro-5-Standard erfüllen, meint Helmut Ludwig. „Wir brauchen also neue Busse und keine Umweltzone.“ Dabei hätten die Grünen mit dieser Zone „letztlich kein Problem“, aber eben Angst vor gewissen Nebenwirkungen. So fürchten sie, dass die große Aachener Koalition und die Verkehrsbetriebe nur noch das Nötigste unternehmen, um die Standards zu erfüllen. „Sie werden Partikelfilter in die vorhandenen Fahrzeuge einbauen“, glaubt Ludwig, „und haben damit ihre Pflicht und Schuldigkeit getan.“

Was tatsächlich zu einer Verbesserung der Luftqualität beitrage, würde dagegen nicht in Angriff genommen. „Wir müssen — unabhängig von der Umweltzone — eine schnellere Modernisierung der Fahrzeugflotte hinkriegen“, mahnt Helmut Ludwig, „denn das hilft uns wirklich.“

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